Nachdem ich erst kürzlich das RSO Wien gehört hatte, geht meine kleine Reihe der Wiener Orchester mit dem Tonkünstler-Orchester Niederösterreich in die zweite Runde. Die Tonkünstler sind ein Orchester, das man nicht unterschätzen sollte, hat es doch zudem Residenzen in St. Pölten und Grafenegg und seine Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft liest sich wie ein Who-is-Who großer Dirigentenpersönlichkeiten, von Hans Pfitzner und Franz Schreker über Wilhelm Furtwängler und Bruno Walter zu Fabio Luisi. An diesem Abend gab die junge estnische Dirigentin Kristiina Poska ihr Musikverein-Debüt ließ mit einer Musikverein-Erstaufführung aufhorchen.

Xavier de Maistre © Gregor Hohenberg
Xavier de Maistre
© Gregor Hohenberg

Begonnen sei diese Besprechung mit dem Schluss des Konzertnachmittages im Goldenen Saal, Robert Schumanns Symphonie Nr. 3 Es-Dur op. 97 mit dem Untertitel Rheinische aus dem Jahr 1850. Über dieses Werk muss nicht eigens gesprochen werden, da es zu den Schlachtschiffen des Konzertrepertoires gehört. Ganz zu fesseln vermochte mich jedoch leider nur gering in der Interpretation der Tonkünstler; ich hatte beständig das Gefühl, als würde dabei nur an der Oberfläche gekratzt aber keine Tiefe erreicht.

Einen gänzlich anderen Eindruck erweckte da die Musikverein-Erstaufführung von Einojuhani Rautavaaras Konzert für Harfe und Orchester aus den Jahren 1999/2000. Wer dabei einen Rautavaara erwartete, wie er in den 60er Jahren komponierte, der wurde enttäuscht, denn seine anregende dodekaphone Phase hat der 1928 geborene Finne schon lange hinter sich gelassen und sich nun einem neo-romantischen Stil zugewandt. Nach wie vor ist er aber ein grandioser Instrumentator. Selten hört man beispielsweise ein Kontrafagott so gut eingesetzt und mit einem Flexaton im Schlusssatz rechnet man auch nicht.

Für die virtuosen Verzierungen des französischen Harfenisten Xavier de Maistre webte das Orchester dabei einen vollen Klangteppich, der dann unerwartet in große Orchesterausbrüche explodiert und Rautavaaras atonaleren Stil durchaus erahnen lässt. De Maistre spielte meisterlich, mit viel Gespür für die Platzierung seines Parts im Tutti und einer hinreißenden Farbgebung zwischen reduziertem und vollem Klang. So entstanden trotz der primär getragenen Tempi dieser großen Meditation für Harfe und Orchester keine Längen. Im Ensemble machte neben dem solistischen Kontrafagott vor allem das Hornsolo auf sich aufmerksam. Der Höhepunkt des Konzertes war für mich der dritte Satz, in dem de Maistres technische Finesse von zwei weiteren Harfenstimmen unterstützt wurde. De Maistre bedankte sich nach dem Konzert mit Variationen über einen Ländler bei seinem Publikum und brachte ein wenig volkstümliche Atmosphäre in den Konzertsaal. Bei aller Virtuosität empfand ich diese Interpretation jedoch als etwas zu sehr kitsch- und manierismenbeladen.

Zuletzt noch einige Anmerkungen zum Beginn des Konzerts mit einer Suite aus Leoš Janáčeks Oper Das schlaue Füchslein, die in Wien derzeit in aller Munde ist. Hier lief das Orchester zu Hochform auf; Kristiina Poska fand wunderbar passende Tempi und konnte dem Orchester mit sublimer Führung die vielschichtigen Klangfarbenspielereien des böhmischen Komponisten entlocken. Nur zum Ende der Suite ließ sie das Orchester etwas zu sehr von den Zügeln und die Apotheose der Suite geriet sehr laut.

Alles in allem war es für mich ein etwas durchwachsener Konzertnachmittag; dennoch muss besonders den Instrumentalsolisten und dem Schlagwerk ein Lob ein Lob für ihr akkurates und einfühlsames Spiel ausgesprochen werden.