Italienischer Komponist, tschechisches Orchester und deutscher Chor. Verdis Messa da Requiem in der Münchner Philharmonie ist an diesem Abend ein europäisches Projekt. Die Kulturstiftung „Europamusicale“ brachte dafür die PKF Prague Philharmonia, den Tschechischen Philharmonischen Chor Brünn und den Münchener Bach-Chor zusammen. Unter der Leitung von Hansjörg Albrecht gelang eine eindrucksvolle Interpretation von Verdis Totenmesse.

Schon seit der Uraufführung musste sich Verdi den Vorwurf gefallen lassen, er habe eher eine Oper über den Tod geschrieben als ein geistliches Requiem. Sicherlich einzigartig in der Musikgeschichte ist es dennoch die unendliche Dramatik, die das Verdi-Requiem so beliebt macht. Mit Daria Masiero, Rossana Rinaldi und Carlo Colombara waren die Solisten hervorragend besetzt; lediglich Tenor Mario Zeffiri konnte mit seinen Parts nur teilweise überzeugen. Sein recht nasales Timbre klang in der Zusammenarbeit mit seinen Kollegen etwas dünn und besonders in seinem Solo Ingemisco kam deutlich zum Vorschein, dass ihm der lyrische Ausdruck, den die Arie verlangt, fehlte. Dies versuchte er mit einigen Glissandi zu überspielen, die in der Häufigkeit aber die klare Struktur eher störten. Sein feines Timbre passte hingegen dann im Hostias perfekt: Mit samtigem Klang bot er den Text wie ein Gebet dar.

Colombara ging seinen Part mit großem Klangvolumen an, wobei den Bass die wenigen Passagen in der Höhe hörbar anstrengten. Seine Stärke lag eindeutig in der Tiefe, die in Kombination mit seinem klaren Ton besonders überzeugte. Im Duett mit seiner Partnerin Rinaldi zu Beginn des Lacrimosa achteten die beiden sehr genau auf ihr Zusammenspiel, wobei sie jeweils die Phrase des anderen möglichst genau übernahmen und so einen großen Bogen spannten. Rinaldis klangvoller, dunkler Mezzo ist von großer Klangfülle, wobei sie in lyrischen Passagen wie dem Recordare zusammen mit Masiero mit feinem Piano bestach.

Masiero gab die eindrucksvollste solistische Leistung des Abends, was nicht nur an ihrem letzten phänomenalen hohen C lag, das sie mit vollem Körpereinsatz über Chor und Orchester legte; Masiero verstand ihren Part als dramatischen Höhepunkt und füllte ihre Rolle mit dem nötigen Ausdruck aus. Auch in ihren Pausen sah man ihr an, wie sie das Werk lebte und musikalisch mitverfolgte. In der Zusammenarbeit mit ihren Kollegen, besonders mit Rinaldi im Recordare, fügte sie sich in den Gesamtklang aufmerksam ein, da sie ihr Klangvolumen genau kontrollierte und mit einer erstaunlichen Variabilität an Klangfarben aufwartete.

Dirigent Hansjörg Albrecht war bei seiner Interpretation an den Details gelegen. Eindrucksvoll gelang ihm das am Anfang des Requiem aeternam, der mit äußerst homogenem Klang in den Streichern beeindruckte. Mit großer Genauigkeit entwickelte Albrecht die Dynamik stufenweise zum Forte weiter. Auch wenn diese Genauigkeit zu Beginn des Offertorium in den Celli etwas verloren ging, konnte die Prager Philharmonie mit sehr edlem Klang überzeugen. Trotz des recht knapp besetzten Streicherapparats entwickelte das Orchester vor allem im Dies Irae einen eindringlichen Klang, der nur etwas markantere Posaunen verdient hätte. Für das Dies Irae wählte Albrecht ein angemessen flottes Tempo, das das Orchester ebenso mühelos umsetzte wie die tänzerisch opernhaften Passagen des Sanctus.

So genau wie der Beginn des Orchesters wurde auch der Einstieg des Chores dargeboten, der trotz der Vereinigung des Bach-Chors und des Philharmonischen Chors Brünn zu einem sehr homogenen Klang verschmolz. Mit äußerster Präzision interpretierten die Herren den Beginn des Requiem aeternam im Piano und behielten dabei exzellente Textverständlichkeit und Absprachen bei.

Auch wenn dieses deutsch-tschechische Verdi-Requiem für mich nicht die rundum perfekte Interpretation darstellte, war es doch eine gelungene Aufführung des Werks, das an diesem Abend insbesondere durch seinen Chor und seine Sopranistin bestach.