Mit dem heiteren Drittel aus Giacomo Puccinis Trittico startete das Teatro Municipale di Piacenza in das Dante-Alighieri-Jubiläumsjahr, das 2021 anlässlich des 700. Todestages des Dichters begangen wird. Da die Figur des Gianni Schicchi in der Göttlichen Komödie im achten Höllenkreis anzutreffen ist, trat in der Inszenierung von Renato Bonajuto zunächst ein Schauspieler auf, der Dantes Verse vortrug. Leider geriet dieser Prolog unfreiwillig komisch, denn Mino Manni wirkte dabei, als würde er eine Folge der 90er-Jahre-Serie X-Faktor: Das Unfassbare moderieren; verstärkt wurde dieser Eindruck durch die Bildregie, die mit lodernden Flammen und düsterer Stimmung kein Klischee ausließ.

<i>Gianni Schicchi</i> © Teatro Municipale di Piacenza
Gianni Schicchi
© Teatro Municipale di Piacenza

Szenisch blieb überhaupt der gesamte Abend auf der belanglosen Seite: In einem mit dunklem Holz ausgestatteten Schlafzimmer (das für die Übertragung im Livestream gerne etwas besser ausgeleuchtet hätte sein können) intrigierten die gierigen Erben vor sich hin. Die Sänger stürzten sich dabei durchaus spielfreudig in ihre Aufgabe, allerdings schien der Regisseur in Bezug auf die Personenregie wenige Ideen gehabt zu haben, denn die meisten Figuren blieben blass.

<i>Gianni Schicchi</i> © Teatro Municipale di Piacenza
Gianni Schicchi
© Teatro Municipale di Piacenza

Musikalisch betrachtet war der Abend deutlich gelungener, denn die Besetzung wartete mit einigen sehr schönen Stimmen auf: In der Titelrolle brauchte Roberto de Candia zwar einige Minuten, bis sein Bariton die Betriebstemperatur erreichte, dann aber floss die warm timbrierte Stimme mit Anmut und Augenzwinkern durch die Partie. Auch seine Darstellung des gewitzten Proleten inmitten der hinterlistigen, reichen Verwandtschaft von Buoso Donati bot einige unterhaltsame Momente. Darstellerisch unauffällig blieb Giuliana Gianfaldoni als Lauretta, dafür zog die Sopranistin aber stimmlich die Aufmerksamkeit problemlos auf sich. Die Stimme ist interessant timbriert – nämlich dunkler und satter, als man es oft bei Sängerinnen dieser Rolle hört – und wird elegant geführt. Den Gassenhauer „O mio babbino caro“ gestaltete sie zurückhaltend, mit schwebender Höhe und ohne allzu übertriebenen Pathos.

Giuliana Gianfaldoni (Lauretta) und Matteo Desole (Rinuccio) © Teatro Municipale di Piacenza
Giuliana Gianfaldoni (Lauretta) und Matteo Desole (Rinuccio)
© Teatro Municipale di Piacenza

Über ein italienisches Timbre wie es im Buche steht, verfügt Matteo Desole, der den Rinuccio mit strahlendem Tenor ausstattete. Sein einziges Manko war die Tendenz zum Forte in der Höhe, etwas leisere Töne hier und da wären einer differenzierteren Gestaltung durchaus zuträglich gewesen. Als Zita überzeugte Valeria Tornatore mit dramatischem Aplomb, schönen Phrasierungen und dem dunkel schimmerndem Timbre ihres Mezzosoprans, wobei sie die hinterhältigen und zickigen Facetten der Figur sowohl in der vokalen als auch der darstellerischen Gestaltung ideal auf den Punkt brachte. Auch die vielen weiteren, kleinen Rollen waren durchwegs gut besetzt; in den zahlreichen Ensembleszenen verbanden sich die Stimmen gut und die Abstimmung zwischen den Sängern funktionierte einwandfrei.

Roberto de Candia (Gianni Schicchi) © Teatro Municipale di Piacenza
Roberto de Candia (Gianni Schicchi)
© Teatro Municipale di Piacenza

Ein zweifellos der Übertragungstechnik geschuldetes Problem war hingegen die mangelnde Balance zwischen Sängern und Orchester. Die Positionierung der Mikrophone schien nicht ideal gewählt worden zu sein, denn je nach Position der Akteure auf der Bühne traten die Singstimmen so prominent in den Vordergrund, dass das Orchester beinahe unterging und der Klang eher ein Gegeneinander als ein Miteinander wurde. Wenn das Orchestra Filarmonica Italiana unter der Leitung von Massimiliano Stefanelli jedoch gut zu hören war, kam man in den Genuss eines hochmotiviert agierenden Klangkörpers, der sowohl die schmalzigen als auch die in die Moderne weisenden Passagen elegant und differenziert gestaltete. Die stärksten Momente hatte das Orchester in den kitschigen Aufwallungen, die es mit schwelgerischem Pathos und purer Italianità ausstattete, wie etwa in den finalen Liebesbekundungen von Lauretta und Rinuccio. Den Kreis zum Prolog der Inszenierung schloss schließlich der Abtritt von Gianni Schicchi, auf den direkt hinter der Schlafzimmertür die Hölle wartete. 


Die Vorstellung wurde vom Livestream auf OperStreaming rezensiert.

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