Die meisten Touristen tummeln sich im oder vor dem immer „arbeitenden“ Kölner Dom, dem Zentrum der Stadt. Er ist nicht nur Foto- und Selfiemagnet, kirchlich-katholisches Herzstück rheinischer Frömmigkeit aus Konservatismus und Liberalität, im Mittelpunkt von Karneval und Komödien, Treffpunkt der kulturellen Vielfalt oder auch geographischer Richtpunkt, dessen Sicht von der UNESCO geschützt wird. Er ist auch Symbol des kulturellen Erbes sowie der Mannigfaltigkeit, die sich in Köln präsentiert, und kann natürlich Stätte musikalischer Hochkultur sein. Doch musikalisches Zentrum bildet im klassischen Bereich die darunter befindliche Philharmonie.

Eingang zur Philharmonie © Matthias Baus | Köln Musik
Eingang zur Philharmonie
© Matthias Baus | Köln Musik
Darunter? Ja, unter der Dom- und Bahnhofsplatte befindet sich die Konzerthalle, in der neben den zwei Hausklangkörpern, dem Gürzenich-Orchester unter GMD François-Xavier Roth und dem WDR-Sinfonieorchester unter Jukka-Pekka Saraste sowie Chor, alle großen Orchester und Künstler der Szene spielen. So finden in der Spielzeit 2016/17 unter anderem Interpreten wie die Tschechische Philharmonie mit Jiří Bělohlávek, Hilary Hahn, Anne-Sophie Mutter, die Capucon-Brüder, Christian Gerhaher, das Freiburger Barockorchester, die Wiener Philharmoniker unter Daniel Barenboim und Ingo Metzmacher, Cecilia Bartoli, Anja Harteros, Igor Levit, Daniil Trifonov, das Chamber Orchestra of Europe unter Yannick Nézet-Seguin, András Schiff oder der neu bestellte Chef der Rotterdamer Philharmoniker Lahav Shani den Weg hierhin. Die Besonderheit des tiefliegenden, eingelassenen Saals kann man dann vielleicht manchmal direkt spüren, wenn Aggregate einer Lok in Form von Geruch oder Geräusch zu merken sind. Zu hören sind neben dem überwiegenden Repertoirebetrieb Kammermusik und Lied sowie die sogenannte Alte und Neue Musik, letztere mit dem eigenen Acht Brücken-Festival bedacht, die Alte Musik mit einigen ausgewählten Konzerten.

Spezielle Reihen und Feste für Alte Musik sowie ständige Konzerte der ansässigen Chöre und Ensembles, für die Köln als eine lebendige Hochburg der deutschen Gründerszene in dieser Musikpraxis gilt, finden vorwiegend außerhalb der Philharmonie in den zahlreichen Kirchen statt, die meistens im Schatten des Doms stehen, oftmals in der unscheinbaren Trinitatiskirche. Ganz im Gegenteil zur Unscheinbarkeit prägen doch allein die zwölf (und symbolisch wie gewollt!) romanischen Kirchen der Innenstadt das Stadtbild genauso. Weithin sichtbar und beeindruckend sind beispielhaft Groß St. Martin, St. Gereon, St. Pantaleon oder St. Maria im Kapitol. Diese örtliche Vielfalt, verknüpft mit der musikalischen unterschiedlichster Genres von Alt bis Neu, ist besonders bei zwei Gelegenheiten zu erleben: im Romanischen Sommer oder der Kölner Musiknacht mit kurzen, aufeinanderfolgenden Konzerten.

Museum Ludwig und Kölner Dom © Thomas Robbin
Museum Ludwig und Kölner Dom
© Thomas Robbin

In einheitlichem Bau und Gesamtarchitektur direkt über der Philharmonie und neben der Domplatte erwartet den Interessierten das Museum Ludwig mit Kunst der Moderne. Neben der drittgrößten Picasso-Sammlung der Welt beherbergt es genauso weltberühmte Werke von Warhol und Lichtenstein sowie die vieler Künstler der expressionistischen und russisch-avantgardistischen Stilepoche. Und wo Moderne, da auch Geschichte, typisch für Köln auf nicht zu entkommender Nachbarschaft und Fläche. Denn angeschlossen an den Ludwig-Komplex kann der Besucher auf der Domplatte im Römisch-Germanischen Museum der spektakulären und bedeutenden Geschichte der Stadt, der rheinischen Gebiete und Deutschlands zu Zeiten des römischen Imperiums nachspüren. Die vielfältige Museumslandschaft spiegelt sich zudem im Wallraf-Richartz-Museum, dem ältesten Kölner Museum mit der großen klassischen Gemäldegalerie und dem Schokoladenmuseum. Zu ihm gehört auch die Kolumba, ein moderner Bau mit integrierten Bestandteilen der zerstörten Pfarrkirche mit Objekten des diözesanen Kunstschatzes.

Kolumba © HP Schaefer
Kolumba
© HP Schaefer

Wie schon an diesen verkörperten Beispielen aus Neu und Alt (oder etwas Speziell) deutlich, ist Architektur in Köln generell ein heikles Thema. Aufgrund der reichen römischen, erzbischöflichen Geschichte und der überwiegenden Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg kann man das Bild wohlwollend als zusammengewürfelt beschreiben, dessen Spannung und Besonderheit so aber allgegenwärtig sicht- und erlebbar sind. Negative Zeugnisse der neueren Bauplanung sind das folgenschwere Stadtarchiv-Drama sowie (natürlich nicht vergleichbar) die gescheiterte rechtzeitige Fertigstellung der sanierten Oper, in der das Gürzenich-Orchester als Opernensemble aufspielt. Die momentane Ausweichstätte ist bis dahin das Staatenhaus im Stadtteil Deutz. 2018 soll der Spielbetrieb dann (vielleicht) am angestammten Heim am Offenbachplatz wieder aufgenommen werden, sodass ein Besuch augenzwinkernd also weit vorausschauend geplant werden kann. Die Kölner jedenfalls nehmen es, wie fast alles, mit ihrer berüchtigten Gelassenheit, deren Ausdrücke in geflügelten Worten im Kölschen Dialekt legendär wie unklischeehaft wahr sind.

Staatenhaus © HOWI | Wikicommons
Staatenhaus
© HOWI | Wikicommons

Einmal im Stadtteil Deutz bietet sich die Gelegenheit zur Begehung der Messestadt Köln. In der Messe dort findet in bildend künstlerischer Sparte neben zwei kleineren Ausstellungsevents, Cologne Fine Art und Art.Fair 21, mit der ART COLOGNE jährlich die weltweit älteste Kunstmesse für die klassische Moderne des 20. Jahrhunderts statt. Ihre Entstehung resultiert aus der Dichte an Galerien und der Tatsache, dass sich die Stadt einer der bedeutendsten internationalen Handelsplätze für Kunst nennen kann, in dem neben dem Geschäftlichen stets auch das Wissenschaftliche darüber seinen Platz hat. Pendant zur ART COLOGNE ist mittlerweile auf literarischer Seite die lit.Cologne, ein internationales Literaturfest, auf dem viele bekannte Schriftsteller ihre Werke präsentieren. Die geballte Dosis Kultur umschließt schließlich auch das große Angebot an Theater- und Schauspielbühnen, natürlich nicht verwunderlich angesichts des kulturellen Erbes und roten Fadens der Stadt.

Köln aus der Luft: Rhein, Deutzer Brücke, Kölner Dom, Groß St. Martin und KölnTurm © Raimond Spekking | Wikicommons
Köln aus der Luft: Rhein, Deutzer Brücke, Kölner Dom, Groß St. Martin und KölnTurm
© Raimond Spekking | Wikicommons

Alle Eindrücke verarbeiten, neue gewinnen oder sich einfach erholen kann man dann beim Flanieren am Rhein, dem natürlichen Mittelpunkt der Metropole. Hier fließt alles zusammen: das Gelesene und hoffentlich Erkundete, wird zur kulturellen Ader, Geschichte und Lebendigkeit Kölns.