Am 4. Juli jährt sich die Deklaration der Unabhängigkeit der dreizehn amerikanischen Kolonien vom Königreich Großbritannien, die verfassungsrechtliche Geburtsstunde der USA zu dem in ihrer Hymne besungenen „Land of the Free“, zum 250. Mal. Anlass für den US-amerikanischen Countertenor Reginald Mobley, gemeinsam mit dem deutschen Barock-Crossover-Ensemble schlechthin, der lautten compagney BERLIN unter Wolfgang Katschner, daran in Coming Home with Music mit einem persönlichen und universalen, verbindenden, historischen und aktuellen Freiheitsbogen zu erinnern.

Einem, der mit Mobley, dessen Einsatz und Vorlieben die kulturellen Ursprünge, Entwicklungen, Versöhnungskräfte und den überragenden, ideellen sowie in steter Diskussion demokratisch auszuhandelnden und rechtlich fixierten Wert der Freiheit und damit die Magnetwirkung für Heimat zeichnete. Durch Mobleys musikalisches Zuhause, Barock, Jazz und Gospel, das mittels Kombination aus Arien und Instrumentalem Georg Friedrich Händels, der in England selbst eine neue Heimat fand, Thomas Ravenscroft, irisch-schottischen, traditionellen Balladen, von LC-Cellist Bo Wiget arrangierten Songs der widerstandsradikaleren wie später heimatsuchenden Nina Simone und der mit der Pop-Welle gehenden Soul-Legende Stevie Wonder sowie eben Spirituals und Gospels das nicht besser veranschaulichen könnte.
Ein ebenfalls nicht passenderes Heim für dieses in seiner Dramaturgie einerseits kontrastvolles, andererseits durch Übergänge und Charaktercluster verblüffend ohrenöffnendes Programm konnte Klangvokal Dortmund bieten, das diesen Mix aus zeitloser Alter und neuerer Welt-Musik in seinem Ausrichtungsfundament verankert hat. In dessen Reinoldihaus zog Mobley gleich von der ersten Sekunde an das Publikum mit seinen fulminant reinen, von Emphase, appellativem Stolz, Klagendem, durchblutender Gelöstheit und trostschöner Sphärenhaftigkeit beleuchteten Farbregistern zwischen Alt und Bariton samt unterstützender Ausstrahlung in den Bann. In dadurch transportierter, inspirationsquelliger Nahbarkeit und reflektorisch an sich heranrückendem Gemeinsinnhorizont vom wurzelfesten Glauben an einen Gott oder in humanistischer Betrachtung vom Freiheitsstreben, von Toleranz und Verantwortung stifteten Stimme, Text und Musik Berührung, Identität und Verständnis.
Bewies Mobley nicht nur in Händels Beispielen aus Theodora, Messiah, L’Allegro, il Penseroso ed il Moderato, Athalia, The Triumph of Time and Truth und Joshua eine elegante Anmut, die trotz zündenden, resilienzerforderlichen Umschlägen vorherrschendes, umsichtig wucherndes und demütig einnehmendes Herzentfaltungselement war, verhalf jene Artikulation und Stilistik auch den jazzigen Counterparts zu brüderlicher Klarheit. Freilich lebten diese, seien es Wonders Have a Talk with God und die afroamerikanischen Slave Spirituals When Israel Was in Egypt’s Land, Sometimes I Feel Like a Motherless Child, Nobody‘ s Fault but Mine oder I’ve Been in the Storm so Long, von souligen wie swingenden Rhythmen, lässig-energischen Impros und intensiverer Innigkeit, die der Countertenor genauso versiert zum Ausdruck brachte und mit denen er aus Seelen sprach beziehungsweise in sie hineinhorchte.

Solche Rhythmen, in die sich die lautten compagney mit entsprechend registrierter Truhenorgel, hellem Cembalo, intimerem Zupfwerk, Streichern, Fagott, Oboe, Blockflöte und atmosphärisch unerlässlich reicher Perkussionsbatterie eingroovte. Auch Händels eingestreute Instrumentalbeispiele aus den Concerti grossi op. 3 und aus Oratorien für Oboe arrangierte Alt-Arien erfuhren so beeinflusst ein gewisses Aufpeppen, wenngleich einige Streicherunsauber- sowie Tonunstimmigkeiten bei Oboe und Blockflöte auftraten.
Verdiente sich Moni Fischaleck durch tiefen Affektgehalt und effektive Jazz-Artikulation und -Phrasierung am Fagott herausgehobene Erwähnung, gelangen Mobley und LC ganz besonders eindringliche Brückenschläge zwsichen dem Negro Spiritual Weepin‘ Mary, dem frühbarocken Willow Song und Simones puristisch schwebendem, aber anwürfig weltenklaffendem Images sowie zwischen dem warmen Spiritual-Lamento Lay This Body Down, Wonders absurd frohfolkloristisch untermalter Brandrede Village Ghetto Land und Händels luftiger Time-Weise „Like the shadow, life is ever flying“. Mit Händels „Heroes, when with glory burning“ aus Joshua und dem Gospel-Hit Joshua Fit the Battle of Jericho endete das gedankenvolle Programm in symbolisch aufgehobener, zuflüchtiger Zuversicht und Eintracht.



