Von Tschaikowskys drei Opern nach Puschkin ist Mazeppa zweifellos das schwarze Schaf. Das Werk, das zwischen Eugen Onegin und Pique Dame entstand, hat nie auch nur annähernd deren Popularität erreicht. Diese Neuinszenierung an der Oper Frankfurt – eine Koproduktion mit den Festspielen Erl, wo sie 2024 Premiere feierte – war die erste Aufführung des Werks in der Stadt.

Karolina Makuła (Ljubov), John Findon (Andrei), Alexander Roslavets (Kochubey), Jihun Hong (Iskra) © Xiomara Bender
Karolina Makuła (Ljubov), John Findon (Andrei), Alexander Roslavets (Kochubey), Jihun Hong (Iskra)
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Es ist ein Werk, das Tschaikowsky von seiner düstersten Seite zeigt; ein blutrünstiges historisches Drama, in dem die zwischenmenschlichen Beziehungen unbeholfen wirken, obwohl der Komponist sich nach Kräften bemüht, ihnen mit wunderbarer Musik Leben einzuhauchen. Im Mittelpunkt steht die zwiespältige Figur des Mazeppa, dessen zärtliche Liebe zu der viel jüngeren Mariya sich nur schwer mit seinen brutalen Handlungen als Militärführer vereinbaren lässt – darunter die Folter und Hinrichtung ihres Vaters. Mariya ihrerseits ist unangenehm passiv, wird von Ereignissen und Entscheidungen hin- und hergeworfen, auf die sie kaum Einfluss hat, und verfällt im dritten Akt dem Wahnsinn.

In seiner überarbeiteten Inszenierung verzichtet Matthew Wild auf den historischen und geographischen Kontext der Oper (auch wenn vereinzelt anachronistische Erwähnungen des Zaren erhalten bleiben; ansonsten sind die Übertitel von konkreten Bezügen befreit), was wie der Versuch wirkt, den Fokus ganz auf die Figuren zu richten und einen überzeugenden Rahmen für ihr Handeln zu schaffen. Statt in der Ukraine zur Wende zum 18. Jahrhundert befinden wir uns in der Gegenwart, irgendwo – so nimmt man an – in Osteuropa. Es ist eine Welt voller Gangster, Handlanger und Schläger, in der Mazeppa als korrupter Politiker neu interpretiert wird. Alles wird mit unermüdlicher Detailtreue und unerschütterlichem Realismus umgesetzt.

Petr Sokolov (Mazeppa) und Nombulelo Yende (Mariya) © Xiomara Bender
Petr Sokolov (Mazeppa) und Nombulelo Yende (Mariya)
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In Herbert Murauers Bühnenbild steht eine graue Wand einige Meter hinter dem vorderen Bühnenrand; verschiebbare Paneele geben den Blick auf eine Reihe von Räumen frei, in denen die Gangster ihre zwielichtigen Geschäfte abwickeln. Die von ihnen kontrollierte Menschenmenge ist auf den vorderen Bereich beschränkt. Während der kurzen Einleitung wird uns die Hintergrundgeschichte der jungen Mariya gezeigt, die von Mazeppa fasziniert ist, dem ihre Eltern zu Beginn seiner Karriere nach einer gewalttätigen Auseinandersetzung Unterschlupf gewähren.

Nombulelo Yende (Mariya) und Ensemble © Xiomara Bender
Nombulelo Yende (Mariya) und Ensemble
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Doch dieser Hintergrund trägt kaum dazu bei, diese Beziehung glaubwürdiger erscheinen zu lassen, und es wird auch die Gelegenheit verpasst, die moderne Adaption zu nutzen, um bestimmte Elemente der Handlung glaubwürdiger zu gestalten – vor allem Mazeppas Mord an Mariyas Vater Kochubey oder Mariyas Bereitschaft, ihre Eltern für ihren ungewöhnlichen Liebhaber zu verlassen. Auch die drastische Darstellung der Gewalt, die wir sehen, hilft nicht, Mitgefühl für Mazeppa zu empfinden.

Kudaibergen Abildin (Der betrunkene Kosake) und Ensemble © Xiomara Bender
Kudaibergen Abildin (Der betrunkene Kosake) und Ensemble
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Doch hier ist vielleicht auch Petr Sokolovs Darstellung ein wenig mitverantwortlich. Mit graumeliertem Haar, einer dicken Brille und einer Reihe von nüchternen Anzügen und Krawatten fiel es ihm schwer, viel Charisma zu vermitteln, und obwohl er geschmeidig sang, fehlte es seiner Stimme an Charakter. Das Mitgefühl gilt vor allem Alexander Roslavets’ großartigem Kochubey, der sich trotz aller Demütigungen im zweiten Akt stets seine schroffe Würde bewahrte, und vor allem Karolina Makułas bewegender Lyubov – seiner Frau, Mariyas Mutter und zweifellos der glaubwürdigsten Figur der Oper. John Findon war als Andrey, der etwas aufgesetzt wirkende Tenor-Liebhaber, solide, wenn auch noch ein wenig unausgereift.

Am besten war Nombulelo Yende als bedauernswerte Mariya. Sie verlieh der Rolle eine berührende Würde und sang mit offenherziger Leidenschaft und einer Stimme von strahlender Schönheit. Ihre Schlussszene, in der sie in ihre Kindheit zurückkehrt, während sie einem blutbefleckten Teddybären ein Schlaflied vorsingt, war überaus bewegend. Ebenso bewegend war die leise A-cappella-Klage des Chors am Ende des zweiten Aktes; und nicht weniger großartig waren sie, wenn sie in den großen Massenszenen mit voller Kraft sangen.

Petr Sokolov (Mazeppa) und Nombulelo Yende (Mariya) © Xiomara Bender
Petr Sokolov (Mazeppa) und Nombulelo Yende (Mariya)
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Dirigent Karsten Januschke sorgte im Orchestergraben für mitreißende Dramatik, und das Frankfurter Opern- und Museumsorchester spielte mit beeindruckend volltönendem Klang, lyrischem Schwung und Kraft. Insgesamt gelang es jedoch weder trotz größter Anstrengungen noch durch Wilds Inszenierung, die Schwächen des Werks ganz zu überdecken.


Ins Deutsche übertragen von Elisabeth Schwarz.

Petr Sokolov (Mazeppa) und Nombulelo Yende (Mariya) © Xiomara Bender
Petr Sokolov (Mazeppa) und Nombulelo Yende (Mariya)
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Kudaibergen Abildin (Der betrunkene Kosake) und Ensemble © Xiomara Bender
Kudaibergen Abildin (Der betrunkene Kosake) und Ensemble
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Karolina Makuła (Ljubov), John Findon (Andrei), Alexander Roslavets (Kochubey), Jihun Hong (Iskra) © Xiomara Bender
Karolina Makuła (Ljubov), John Findon (Andrei), Alexander Roslavets (Kochubey), Jihun Hong (Iskra)
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Nombulelo Yende (Mariya) und Ensemble © Xiomara Bender
Nombulelo Yende (Mariya) und Ensemble
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Petr Sokolov (Mazeppa) und Nombulelo Yende (Mariya) © Xiomara Bender
Petr Sokolov (Mazeppa) und Nombulelo Yende (Mariya)
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