Zum Start der neuen Saison ist es an der Zeit, Ihre Aufmerksamkeit auf spannende und inspirierende junge Talente zu lenken, die Sie in den kommenden Monaten im Auge – und Ohr – behalten sollten. Als deutsche Chefredakteurin stoße ich auf viele neue Namen, teils in Rezensionen, teils im Konzert- oder Opernhaus, und der Versuch, sich auf zehn Künstler*innen zu beschränken, ist beinahe unmöglich. Diese Liste ist also nur eine kleine Auswahl und nur der Anfang...

Junge Talente: zehn Künstler*innen für die Spielzeit 2026/27

Oben: Elmina Hasan © Asya Panfilova, Junyan Chen © Radski, Giulia Giammona © Leonie Busch, Katleho Mokhoabane © Crafford.studio, Clarissa Bevilacqua © Davide Cerati; Unten: Anja Mittermüller © Wiener Konzerthaus | Victoria Nazarova, Javus Quartett © Theresa Pewal, Christian Blex © Ole Wuttudal, Guido Sant'Anna © Clara Evens, Lucie Horsch © Kaupo Kikkas


Elmina Hasan, Mezzosopran (*2000)

Die in Baku, Aserbaidschan, geborene Mezzosopranistin Elmina Hasan erobert derzeit rasch die internationalen Opernbühnen. 2024 gewann sie den Zweiten Preis bei Operalia, in der Spielzeit 2025/26 war sie Künstlerin des Classeek Ambassador Programme. Zu ihren jüngsten Höhepunkten zählen Olga (Eugen Onegin) an der Mailänder Scala, Adalgisa (Norma) an der Staatsoper Berlin oder Charlotte (Werther) am Gran Teatre del Liceu in Barcelona; in der kommenden Saison ist sie unter anderem als Adalgisa (Norma) an der Dutch National Opera und an der Wiener Staatsoper zu sehen, sowie als Cherubino (Le nozze di Figaro) in Rom. Mich hat sie bei ihrem Hausdebüt an der Wiener Staatsoper (Carmen) im Juni 2026 restlos mit ihrem vollmundigen und ausdrucksstarken Mezzo begeistert.


Giulia Giammona, Regisseurin (*1995)

„Ein hoch beeindruckender Thriller!” Das war das Fazit unseres Rezensenten für die Neuinszenierung von Giulia Giammona von Hindemiths Cardillac am Staatstheater Meiningen. Anscheinend war er nicht der einzige, denn die deutsch-italienische Regisseurin wurde für ihre Arbeit mit dem Götz-Friedrich-Preis ausgezeichnet. Seit 2022 ist sie regelmäßig bei den Salzburger Festspielen zu Gast, wo sie 2023 Ravels Kinderoper L'Enfant et les sortilèges inszenierte – eine zauberhafte Produktion, für die ich letztes Jahr schon die Dirigentin Anna Handler als Young Artist gewürdigt hatte. Giammona führte Regie bei der Uraufführung von Georg Friedrich Haas’ Oper Sycorax an den Bühnen Bern und wirkt als künstlerische Mitarbeiterin zudem in Produktionen von Romeo Castellucci mit, darunter Pelléas et Mélisande am Teatro alla Scala und Saint François d’Assise bei den Salzburger Festspielen 2026. In der Spielzeit 2026/27 wird sie unter anderem an der Staatsoper Unter den Linden, bei der Stiftung Haydn in Bozen und an der Opéra de Lille inszenieren.

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Anja Mittermüller, Mezzosopran (*2003)

Die junge österreichische Mezzosopranistin Anja Mittermüller gewann 2024 (als jüngste Gewinnerin der Geschichte des Wettbewerbs) mit ihrem Duo-Partner, dem Pianisten Richard Fu, den Ersten Preis der der Wigmore Hall / Bollinger International Song Competition. Ab Herbst 2026 ist sie Associate Artist der Wigmore Hall. Auch im Opernfach fühlt sie sich bereits zuhause, so sang sie diesen Sommer bei den Salzburger Festspielen Dryade in Richard Strauss' Ariadne auf Naxos, eine Rolle, die sie als Mitglied des Opernstudios in der kommenden Spielzeit in Barrie Koskys Neuinszenierung (und unter der Leitung von Franz Welser-Möst) an der Wiener Staatsoper wiederholen wird. Liederabende führen sie unter anderem auch ans Konzerthaus Wien, wo sie als Great Talent gefördert wird, ans Teatro de la Zarzuela in Madrid und ins L'Auditori Barcelona.


Guido Sant’Anna, Violine (*2005)

Der brasilianische Geiger Guido Sant’Anna gewann 2022 als erster südamerikanischer Preisträger den Ersten Preis der renommierten Fritz Kreisler International Competition in Wien. Seither konzertierte er unter anderem in der Elbphilharmonie, im Konzerthaus Berlin, der Isarphilharmonie München und bei den Bregenzer Festspielen. In der kommenden Saison ist er BBC Radio 3 New Generation Artist, wodurch er sein Debüt beim BBC Symphony Orchestra und beim BBC Philharmonic Orchestra geben wird. Weitere Highlights sind sein Frankreich-Debüt mit Saint-Saëns' Drittem Violinkonzert beim Orchestre National du Capitole de Toulouse und sein Debüt bei der Dresdner Philharmonie (mit Mozarts Violinkonzert Nr. 5, „Türkisch”) unter Tabita Berglund. Oder wie unser Rezensent beim Konzert in der Isarphilharmonie meinte, „er kam, spielte und siegte”.


Katleho Mokhoabane, Tenor (*1996)

Der südafrikanische Tenor Katleho Mokhoabane war von 2022-2024 Mitglied des Opernstudios der Wiener Staatsoper und wurde bereits im März 2026 in der Titelpartie von Mozarts La clemenza di Tito am selben Haus in einer Neuinszenierung von Jan Lauwers engagiert. Hierbei hat er nicht nur mich und das Publikum begeistert, sondern auch unsere Rezensentin, die ihn als „bemerkenswerten Mozart-Tenor, dessen Frische und Eleganz ihn zu einem Sänger machen, den man genau im Auge behalten sollte” beschrieb. Seit der Saison 2024/25 ist er Ensemblemitglied des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden, wo er in der kommenden Saison unter anderem Nadir (Les Pêcheurs des Perles) und Lenski (Eugen Onegin) singt.


Javus Quartett

Das 2016 in Salzburg gegründete Javus Quartett besteht aus den Geigerinnen Marie-Therese Schwöllinger und Alexandra Moser, dem Bratschisten Marvin Stark und dem Cellisten Oscar Hagen. Ihre künstlerische Entwicklung wurde maßgeblich von Lukas Hagen, dem ersten Geiger des Hagen Quartetts, geprägt. Derzeit studiert das Ensemble bei Johannes Meissl (Artis Quartett) an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien sowie bei Gregor Sigl (Artemis Quartett) an der Universität der Künste Berlin. Das Quartett wurde für die Spielzeit 2025/26 zum Featured Artist von Jeunesse musik.erleben ernannt und auf Vorschlag des Wiener Konzerthauses, des Musikvereins Wien und der Elbphilharmonie Hamburg 2026/27 als ECHO Rising Star ausgewählt.


Christian Blex, Dirigent (*1993)

Der deutsche Dirigent Christian Blex gewann 2025 den Herbert von Karajan Young Conductor's Award bei den Salzburger Festspielen und erhielt 2022 durch den Gewinn des  Siemens-Dirigierstipendiums an der Karajan-Akademie die Möglichkeit, Kirill Petrenko bei den Berliner Philharmonikern zu assistieren. Weiters arbeitete er mit Daniel Barenboim, Gustavo Dudamel, Daniele Gatti, Tugan Sokhiev oder Christian Thielemann zusammen, war Stellvertretender Dirigent beim Gustav Mahler Jugendorchester und ist zurzeit Erster Gastdirigent des Malmöer Symphonieorchesters. Highlights in der kommenden Saison sind unter anderem Konzerte mit dem Danish und Bergen Philharmonic Orchestra, und das Dirigat von Schrekers Der ferne Klang in einer Neuinszenierung von Calixto Bieito bei den Tiroler Festspielen Erl. Abseits der Musik erwarb Blex einen Bachelor in Philosophie, Politik und Wirtschaftswissenschaften, einen Master in Volkswirtschaftslehre an der University of Cambridge und promoviert zurzeit als Alan-Turing-Stipendiat an der University of Oxford.

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Lucie Horsch, Blockflöte (*1999)

Lucie Horsch spielte die Sopranblockflöte mit solcher Lyrik und Anmut, dass es fast schon ein überirdisches Erlebnis war.” So beschrieb unser Rezensent die niederländische Blockflötistin diesen Sommer in Colmar. Horsch ist Exklusivkünstlerin bei Decca und war in der Spielzeit 2024/25 eine Junge Wilde am Konzerthaus Dortmund. In der kommenden Saison ist sie Spotlight Artist am Amsterdamer Concertgebouw und arbeitet mit Dirigent*innen wie Maxim Emelyanychev, Barbara Hannigan und Andrew Manze zusammen. Mit regelmäßigen Auftritten an der Wigmore Hall, dem Wiener Musikverein und Konzerthaus, der Philharmonie de Paris oder der Elbphilharmonie, ist sie selbst in (sehr) jungen Jahren nicht mehr aufzuhalten.


Junyan Chen, Klavier (*2000)

Die chinesische Pianistin Junyan Chen gewann bei der Leeds International Piano Competition 2024 nicht nur den Zweiten Preis, sondern auch den Kammermusikpreis. In der Saison 2025/26 war sie Artistic Director der Leeds International Chamber Series – lesen Sie unser Interview mit ihr! – und auch mit ihrem Klavierquartett Ensemble Jackalope ist sie kammermusikalisch tätig. Solorezitale führen sie unter anderem an die Wigmore Hall, den Pierre Boulez Saal in Berlin und die Tonhalle Zürich, wo sie in dieser Saison Teil der Série jeunes ist; Konzert-Highlights in der kommenden Spielzeit sind Gershwins Rhapsody in Blue mit dem Royal Liverpool Philharmonic Orchestra und Saint-Saëns' Zweites Klavierkonzert dem Bournemouth Symphony Orchestra.


Clarissa Bevilacqua, Violine (*2001)

Im November 2025 bezeichnete unser Rezensent Clarissa Bevilacqua als „neuen Stern am Geigenhimmel”. Mittlerweile funkelt der Stern der jungen Geigerin noch heller. Sie ist Künstlerin des Classeek Ambassador Programme, Preisträgerin der Fondation Gautier Capuçon, gewann den Ersten Preis beim Internationalen Mozartwettbewerb Salzburg und veröffentlichte 2026 ihr erstes Soloalbum Mozartiana bei Berlin Classics in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Rundfunk. Weiters ist sie Gründerin und Künstlerische Leiterin des DYNAMIKfest Salzburg und des DYNAMIKfest Chicago, eines jährlich stattfindenden transatlantischen Kammermusikfestivals, das sich der Förderung internationaler Künstler*innen und Komponist*innen unter 30 Jahren widmet.