Der Themenschwerpunkt im Oktober befasst sich mit der Welt der internationalen Wettbewerbe, betrachtet durch die Augen einiger Finalisten der größten Wettbewerbe weltweit. Wir setzen unsere Serie fort mit Elim Chan, Gewinnerin des Donatella Flick Wettbewerbes 2014.

Elim Chan © Lau Kwok Kei
Elim Chan
© Lau Kwok Kei

Hat die Teilnahme an Wettbewerben Ihrer Karriere Vorschub geleistet? Wie?

Definitiv. Da ist immer die Herausforderung, wie man sich vom Studenten zum professionellen Musiker entwickelt, der sich alle Musiker stellen müssen. Das war auch für mich vor zwei Jahren so. Als ich die angesehene Donatella Flick Conducting Competition gewann, hat das meine Karriere gestartet und ich war plötzlich auf jedermanns Schirm in der Musikwelt. Viele lokale und globale Medien waren während des Wettbewerbes und danach vor Ort und ich habe so viele Interviews gegeben, was geholfen hat, meinen Namen bekannt zu machen. Auch Agenturen wurden auf mich aufmerksam und ich habe meinen Manager kennengelernt, der Türen geöffnet und von diesem Punkt am meine Karriere langsam aufgebaut hat.

Was ist der Schlüssel, um aus einem Wettbewerbserfolg einen Nutzen zu ziehen?

Es ist eine Frage der Art, wie man seinen Wettbewerbspreis nutzt. Ich bin direkt nach dem Abschluss nach London gezogen und habe dort jede Gelegenheit genutzt, die mir das London Symphony Orchestra geboten hat, um mich beruflich weiterzuentwickeln. Vom Assistieren in den täglichen Proben zum Dirigieren in Konzerten, von Werkpremieren junger Komponisten zu Konzerten der Musikvermittlung, in der ich hunderte Kinder unterrichtet habe, ich gebe jedes Mal mein Bestes. Durch all diese Gelegenheiten habe ich ein gutes Verhältnis zu den Musikern und Dirigenten des Orchesters aufgebaut, und mit der Unterstützung dieses Netzwerkes ergeben sich weitere Möglichkeiten und potentielle Projekte.

Was sind Ihre drei Top-Tipps für Wettbewerbe?

Meine Philosophie ist gut schlafen, gut essen, gut vorbereiten.

Haben Sie Wettbewerbsalpträume gehabt?

Während des Wettbewerbes hatte ich einen ziemlich guten Schlafrhythmus ohne Alpträume, aber ich hatte ein alptraumhaftes Erlebnis. Nach dem Wettbewerb war ich zu aufgeregt und zu beschäftigt, um zu schlafen. Ich war die ganze Nacht auf, habe Telefonanrufe, Emails und SMS aus aller Welt beantwortet. Irgendwann bin ich dann doch vor Erschöpfung eingeschlafen, nur um dann zu überhörten Weckern und einem verpassten Flug aufzuwachen. Alptraum? Ja.

Sind Wettbewerbe eine essentielle Sprosse auf der Karriereleiter, oder gibt es andere Wege für junge Künstler, um Beachtung zu finden?

Das kommt darauf an. Wettbewerbe sind eine gute Gelegenheit, sich zu verbessern und zu sehen, wo man im Vergleich mit anderen steht. Besonders die sehr bekannten bieten jungen Künstlern eine Plattform, um im Rampenlicht gesehen zu werden, also sind sie definitiv ein Plus, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Einen Wettbewerb zu gewinnen garantiert aber keine erfolgreiche Karriere. Man muss noch immer viel und hart arbeiten, immer bereit für Herausforderungen sein und ein starkes Netzwerk um sich haben, das einen unterstützt. Abgesehen davon sind Wettbewerbe nicht der einzige Weg, in dieser Industrie Fuß zu fassen. Die sozialen Netzwerke sind eine starke Plattform für junge Künstler, um ihre Talente zu zeigen, und dieses Medium überschreitet Grenzen. Solange man eine innovative Idee zu bieten hat, wird man einen einzigartigen Ort finden, an dem man glänzen kann, und die Leute werden zuhören.


Aus dem Englischen übertragen von Hedy Mühleck.