Sie choreographieren zu zeitgenössischer Musik. Welche Komponisten inspirieren Sie und lassen den kreativen Funken überspringen? Welches Element in der Musik macht sie geeignet für und passend zu Ihren Bühnenwerken?

 Ich arbeite seit über zwanzig Jahren mit dem Komponisten Owen Belton zusammen. Ich kann mich glücklich schätzen, dass ich schon so früh in meiner Karriere mit ihm in Verbindung kam und so viel Verständnis und Vertrauen aufbauen konnte. Er ist wirklich einer meiner grundlegenden kreativen Einflüsse. Andere Komponisten, zu deren Musik ich sehr gerne choreographiert habe, sind Brahms, Bernard Herrman, Cliff Martinez, Beethoven, und jetzt natürlich auch Thomas Adès.

 

Für die Welturaufführung von „Thomas Adès: See the Music, Hear the Dance“ bringen Sie 64 Tänzer auf die Bühne von Sadler's Wells. Können Sie uns ein bisschen mehr darüber verraten? Was macht Adés' Polaris so besonders, und wie verbinden sich Musik und Tanz in diesem Stück?

Ich musste Polaris nur hören, um die Entscheidung zu treffen. Ich fand die Herausforderung, diese phantastische Musik mit einer Choreographie zu verbinden, wirklich aufregend. Es ist großes, weltbewegendes Zeug, aber es besitzt auch ein menschliches Element. Es enthält dieselben Kontraste und Spannungen, die ich in meiner Arbeit immer anstrebe. Große, donnernde Passagen, die einen in spannungsgeladene Stille katapultieren. Diese Dynamik möchte ich in einem einzelnen Tänzer wie in der einzelnen Entität der 64 Tänzer ausdrücken.

 

Hat sich der Prozess des Choreographierens für Sie über die Jahre sehr verändert? Ist strukturierte Improvisation noch immer eine treibende Kraft, und tritt sie, oder andere Elemente Ihrer Arbeit, in Dialog mit anderen Medien, seien es feste Schrittfolgen, die Musik, der Raum... Wie frei sollte eine live-Vorstellung sein?

 Ich lasse fast immer etwas unfertig in einer Arbeit – Platz für das Unbekannte. Ich versuche, unsere improvisatorischen Ideale sehr genau zu beschreiben, aber das Risiko der Mittelmäßigkeit liegt da sehr nahe an der Möglichkeit des Magischen. Das hält uns wach.

 

Aus dem Englischen übertragen von Hedy Mühleck