Als Cecilia Bartoli in den frühen 1990er zu Ruhm gelangte, war sie hauptsächlich eine Spezialistin für Rossini. Die sprudelnde Mezzosopranistin erschien in einer Dokumentation, in der sie in ihrer Heimatstadt Rom herumlief und das Fernsehpublikum mit ihrem umwerfenden Gesang bezauberte. Ihre natürliche künstlerische Neugierde hat sie zum Barock- und Bel canto-Repertoire geführt, aber sie blieb klugerweise fern von größeren Rollen und Bühnen. Ihr Ruhm basiert noch immer auf Rossini. Seit 2012 ist Bartoli die künstlerische Direktorin der Salzburger Pfingstfestspiele und dieses Jahr liegt ihr Fokus sehr wohl auf Rossini.

Cecilia Bartoli © Uli Weber | Decca Classics
Cecilia Bartoli
© Uli Weber | Decca Classics

Nach der Premiere von Guillaume Tell 1829, zog sich Rossini im zarten Alter von 37 vom Komponieren zurück. Er schrieb das eine oder andere Werk für Klavier oder Lied – Péchés de vieillesse (Sünden des Alter) – aber keine weiteren Opern flossen aus seinem Stift. Rossini starb 1868 und Bartoli begeht den 150. Jahrestag seines Todes, indem sie die Hauptrolle in einer Neuinszenierung von L’italiana in Algeri singt. Sie nimmt außerdem das Jahr 1868 als Thema für die Salzburger Pfingstfestspiele und zeigt dadurch die musikalische Welt, die Rossini hinterließ.

Bartoli singt in L’italiana Isabella, die lebhafte und resolute Italienerin des Titels, die sich auf den Weg nach Algerien macht, um ihren Liebsten, Lindoro, zu retten, der als Sklave des Beys dient. Mit Isabella sollte man sich nicht anlegen und so überlistet sie den hoffnungslosen  Mustafà und fädelt eine Flucht nach Italien ein. Bartoli arbeitet mit den regelmäßigen Kollaboratoren Moshe Leiser und Patrice Caurier für diese Neuinszenierung zusammen. Diese haben bereits für Giulio Cesare, Norma, Iphigénie en Tauride, Rossinis Otello und Il turco in Italia zusammengearbeitet. Letztere Produktion – die Rückseite der L’italiana-Münze – war ein riesiger Spaß in auffallend bunten Farben, also erwarten Sie vom Regie-Duo, dass sie die Lächerlichkeit der Handlung hochspielen, besonders wenn dem Bey vorgespielt wird, er müsse fremdländische Kostüme tragen und einen Eid schwören zu essen, schlafen und ansonsten ruhig zu sein.

Salzburg © Tourismus Salzburg
Salzburg
© Tourismus Salzburg

Eine von Bartolis größten Rollen war Rosina in Il barbiere di Siviglia. Javier Camarenas Liederabend ist eine Hommage an den großartigen spanischen Tenor Manuel Rodríguez García, der die Rolle des Almavivas in Barbiere erschuf. Er komponierte außerdem kleinere Opern und Camarenas Rezital paart Garcías Musik mit einigen von Rossinis berühmten Tenor-Feuerwerken, unter anderem Arien von Barbiere und La Cenerentola. Camarena sammelt oft überbordende Rezensionen, zuletzt als Idreno in Rossinis Semiramide an der Metropolitan Opera, wo unser Rezensent seine „beispiellose Agilität… helle Klangfarbe und der Schwerkraft trotzenden hohen Noten” pries.

Komische Opern waren 1868 noch immer lebendig und beliebt, als La Périchole, Offenbachs opéra bouffe, am Théâtre des Variétés in Paris uraufgeführt wurde. Henri Meilhac und Ludovic Halévy, berühmt für deren Libretto von Bizets Carmen, basieren ihren Text auf dem einaktigen Theaterstück Le carrosse du Saint-Sacrement von Prosper Mérimée (Autor der Carmen-Novella). La Périchole – eine peruanische Straßensängerin (basierend auf dem Leben von Micaela Villegas) – und ihr Liebhaber Piquillo sind zu arm, um sich eine Heiratslizenz leisten zu können, während sich der Vizekönig Don Andrès de Ribeira nach ihr verzehrt und sie zu seiner Geliebten machen will. Vertauschte Identitäten, eine unbeabsichtigte Hochzeit und ein Gefängnisausbruch begleiten Offenbachs unwiderstehliche Musik, die fröhlich vor sich hin sprudelt. Marc Minkowski, der ausreichend Erfahrung mit Offenbach vorweisen kann, dirigiert Les Musiciens du Louvre in dieser konzertanten Aufführung, mit einem jungen Ensemble, angeführt von Aude Extrémo und Benjamin Bernheim.

Salzburg © Tourismus Salzburg
Salzburg
© Tourismus Salzburg

Drei weitere Festspielkonzerte sind mit Werken rund um das Jahr 1868 verbunden. Jérémie Rhorer dirigiert Anton Bruckners Motette Pange lingua, komponiert in Rossinis Sterbejahr, gefolgt von Johannes Brahms Deutschem Requiem aus 1869. Auf Cecilia Bartolis besondere Anfrage, wird der Klavierteil dieses Arrangements für zwei Klaviere von Pierre-Laurent Aimard und Markus Hinterhäuser, künstlerischer Direktor der Salzburger Festspiele, gespielt. Daniel Barenboim dirigiert seine Staatskapelle Berlin in einer Matinee, die Griegs Klavierkonzert in a-Moll (1868 komponiert) und Tschaikowskys Symphonie Nr. 1 „Winterträume” (von 1866) beinhaltet. Maxim Vengerov gibt ein Konzert mit der Camerata Salzburg, das mit Max Bruchs Violinkonzert Nr. 1 in g-Moll (1868) beginnt und einige Saint-Saën-Bonbons und Tschaikowskys Serenade für Streicher bereithält.

Rossini und Wagner hatten bekannterweise nichts Gutes über die Musik des jeweils anderen zu sagen. Rossini witzelte einst: „Man kann Wagners Oper Lohengrin nicht nach dem ersten Hören beurteilen, und ich habe sicherlich nicht vor, sie ein zweites Mal zu hören!” Wagner antwortete darauf: „Nach Rossinis Tod, wer wird seine Musik noch fördern?” 1860 trafen sich die beiden in Paris und es gab eine widerwillige Bewunderung füreinander, also vielleicht signalisiert Barenboims Abschlussgala einen unsicheren Waffenstillstand. Wagner war besonders von Rossinis Otello beeindruckt, also ist es passend, dass das Programm mit Auszügen vom dritten Akt der Oper (Bartoli singt Desdemona neben Rolando Villazons Mohr) beginnt und von Wagner gefolgt wird, mit Jonas Kaufmann, der Auszüge von Die Meistersinger singt und dem orchestralen Vorspiel und Liebestod von Tristan und Isolde. Wenn das nicht ein ziemlich grandioser Abschluss der Festspiele ist.

Klicken Sie hier für alle Veranstaltungen der Salzburger Pfingstfestspiele.

 

Die Vorschau wurde von den Salzburger Festspielen gesponsert.

 

Ins Deutsche übertragen von Elisabeth Schwarz.