Gustav Mahler liebte bekanntlich die freie Natur. In den Sommermonaten zwischen 1908 und 1910 zog er sich in sein Komponierhäuschen in den Dolomiten zurück, wo er Werke wie die Neunte Symphonie, die unvollendete Zehnte und Das Lied von der Erde schrieb. Offensichtlich waren  die atemberaubende umliegende Landschaft, lange Spaziergänge und die frische Luft ideal, um seine Kreativität gedeihen zu lassen. Es ist nicht weiters verwunderlich: in den Worten von Mahler sind die Dolomiten ein Ort, der „ganz sicher Leib und Seele repariert“.

Val di Fassa - Col Margherita - Ezio Bosso and Italian Cello Consort © Fototeca Trentino Sviluppo S.p.A. | Foto di Daniele Lira
Val di Fassa - Col Margherita - Ezio Bosso and Italian Cello Consort
© Fototeca Trentino Sviluppo S.p.A. | Foto di Daniele Lira
Das Sounds of the Dolomites Festival findet jeden Sommer in Trentino statt und vereint Musik und Natur wie noch nie dagewesen. Konzerte werden nicht in traditionellen Auditorien gespielt, sondern in den Bergen selbst. Die Dolomiten zählen seit 2009 zum UNESCO Weltnaturerbe und sind bekannt für die prachtvollen rauen Gipfel, saftige Wälder, Wein- und Obstgärten und sanft geschwungene Alpenwiesen, übersäen von Edelweiß und rosafarbenen Rhododendren. In den ringsherum zerstreuten rifugi findet man Erfrischungen, regionalen Käse, Polenta oder Speck, während Weinfreunde den Trentodoc (eine Alternative zu Champagner) verkosten oder gar die cantine besuchen wollen, in der er produziert wird.

Heuer präsentiert das von Anfang Juli bis Ende August stattfinde Festival ein breitgefächertes Programm, bei dem für jeden Musikgeschmack etwas dabei ist. Die meisten Konzerte beginnen um 13 Uhr, für Frühaufsteher gibt es allerdings auch Morgendämmerungs-Konzerte um 6 Uhr früh. Um zu dem ausgewählten Treffpunkt zu gelangen, ist meistens eine kleine Wanderung nötig und die Mehrheit der Veranstaltungen findet nach einer organisierten Bergwanderung statt, wobei jede nach Schwierigkeitsgrad eingeteilt ist. Im Falle von Schlechtwetter werden die Konzerte in alternative Veranstaltungsorte auf geringerer Höhe verschoben. Darüber hinaus können fast alle Konzerte umsonst besucht werden.

Das diesjährige Programm ist bezeichnend abwechslungsreich. Um nur ein paar Programmpunkte zu nennen: Sie können den Bandoneon-Spieler Hèctor Ulises Passarella hören, den tunesischen Oud-Spieler Anouar Brahem oder das höchst individuelle Orchestra Di Piazza Vittorio – eine multiethnische Gruppe benannt nach dem berühmten kosmopolitischen Viertel in Rom – die Werke von Rossini, Britten und De Machaut sowie traditionelle Sufi Musik auf westlichen und nahöstlichen Instrumenten spielen wird. Jazz ist ebenso gut vertreten durch Chick Corea & Béla Fleck, dem 13-jährigen Klavier-Wunderkind Joey Alexander und dem Crossover Duo bestehend aus Matthias Bartolomey (der auf einem 18. Jahrhundert David Tecchler Cello spielt) und Klemens Bittmann (der sowohl Violine als auch Mandola spielt).

Val di Fassa - Rifugi dei Monzoni e della Marmolada - Wandern © Fototeca Trentino Sviluppo S.p.A. | Foto di Arturo Cuel
Val di Fassa - Rifugi dei Monzoni e della Marmolada - Wandern
© Fototeca Trentino Sviluppo S.p.A. | Foto di Arturo Cuel
Wie immer sind Musik und Kulisse perfekt aufeinander abgestimmt. Der Lago Asciutto bietet einen mitreißenden Rahmen für für ein Programm der Englischen Romantiker Vaughan Williams, Elgar und Holst, dargeboten vom in Trentino ansässigen Zandonai Ensemble und dem Solooboisten der Berliner Philharmoniker, Albrecht Meyer. Nicht weit von der Stadt San-Martino della Castrozza entfernt, einem beliebten Skiort und Kulisse eines atemberaubenden Spektakels der Naturlichter, wenn der Sonnenuntergangs die umliegenden Gipfel rosa färbt, veranstaltet das Rifugio Giovanni Pedrotti ein umfassend und ungewöhnliches Programm des Trompetendezetts tenThing, geleitet vom norwegischen Äquivalent zu Alison Balsom, Tine Thing Helseth.

Es ist passend, dass eine große Auswahl an Musik für Streicher geboten wird: der in Cremona ansässige Geigenbauer Stradivarius bezog den Großteil des Holzes für seine Instrumente aus dem regionalen Paneveggio Wald, besonders aufgrund der dichten Holzmaserung. Barockgeiger Giuliano Carmignola, der seine eigene Stradivarius Baillot spielt, bietet eine erfrischende Mischung an Bach, Vivaldi, Telemann und Biber im Freien. Am Treffpunkt des Rifugio Tosa Pedrotti können die Konzertbesucher ihre Essensvorräte auffüllen, bevor eine vierstündige postkonzertante Wanderung beginnt (Sie können auch mit der Seilbahn zurückfahren, was empfohlen wird, wenn Sie nicht mit einem Alpinführer begleitet werden). Am nächsten Tag präsentiert ungarische Gruppe Quartetto Kelemen, Gewinner der Melbourne International Chamber Music Competition, Schubert, Haydn und Beethoven.

Die programmatische Neuerung des heurigen Festivals ist auch das reizvollste Angebot. Zur Halbzeit des Festivals gestalten der Cellist und Dauergast der Festivals Mario Brunello und das weltberühmte Kammerorchester Kremerata Baltica die „Campiglio Special Week”, ein „Festival im Festival”. Es gibt eine Anzahl an herausragenden Möglichkeiten für Mitglieder der Gruppe. Der ukrainische Vibraphonist Andrei Pushkarev spielt am Lago Nero, während das Quatro Baltico Quartet Haydns Lerchen und Der Vogel Quartette aufführen, gemeinsam mit Philip Glass und dem lettischen Komponisten Pēteris Vasks, unter den Jugendstil-Fresken im Salon Hofer des Grand Hotel Des Alpes.

Madoona di Campiglio - Dolomiti di Brenta al tramonto © Fototeca Trentino Sviluppo S.p.A. | Foto di Alessandro Gruzza
Madoona di Campiglio - Dolomiti di Brenta al tramonto
© Fototeca Trentino Sviluppo S.p.A. | Foto di Alessandro Gruzza
Zusammen mit Mitgliedern der Kremerata, präsentiert Brunello eine spirituelle Konzertreihe. In der Chiesa San Vigilio findet ein nicht zu verpassendes Programm statt mit John Taveners The Protecting Veil, ein Werk, das den eigenen russisch-orthodoxen Glauben des Komponisten beschreibt, sowie mit Arvo Pärts Orient and Occident. Bald darauf, liefern sie ein lebensbejahendes Konzert im Morgengrauen, bestehend aus Mozarts Divertimenti, Tschaikowskis Serenade für Streicher in C-Dur, Bachs Doppelkonzert für zwei Violinen in d-Moll und Olivier Messiaen’s Quartett für das Ende der Zeit. Die Seilbahn öffnet an diesem Tag bereits um 4.30 Uhr morgens und bringt Sie in die Nähe des Konzertortes Pra Castron die Flavone. Das ist bestimmt nur etwas für Frühaufsteher.

Man muss Brunellos Energie einfach bewundern. Nur ein paar Tage vor dem Morgenkonzert, geht er gemeinsam mit dem Kremerata Cellisten Peteris Sokolovskis eine dreitägige Wanderung in den Brenta Dolomiten. Maximal 50 Wanderer können sie um €360 begleiten, womit die Kosten der Unterbringung und des Bergführers beglichen werden. Brunello und Sokolovskis werden entlang des Weges immer wieder stoppen, um Werke zu spielen, unter anderem das vom zeitgenössischen russischen Komponisten Alexander Kneifel stammende hypnotische Stück für zwei Celli Lux aeterna. Wenn das Duo schlussendlich wieder absteigt, schließen sie sich dem Rest der Kremerata für ein feierliches Konzert mit Vivaldi, Michael Nyman und Nino Rota unter dem Motto „Treffen“ im Refugi Brentei an.

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Dieser Artikel wurde gesponsert von Trentino Marketing.

 

Aus dem Englischen übertragen von Elisabeth Schwarz.