Vom 30. August bis zum 19. September läutet das Musikfest Berlin mit 26 unterschiedlichsten Veranstaltungen die neue Konzertsaison der Stadt ein. Mit den besten internationalen Ensembles und Berlins eigenen großen Orchestern präsentiert das Festival ein aufregendes Programm mit vielen Schwerpunkten, die sowohl Repertoirelieblinge als auch seltene und vergessene Werke beleuchten.

Sir John Eliot Gardiner © Sim Canetty Clarke
Sir John Eliot Gardiner
© Sim Canetty Clarke

Eines dieser seltener gehörten Stücke ist Olivier Messiaens Catalogue d’oiseaux, ein wahrhaftiges Vogelstimmen-Kompendium, hier vorgestellt von Pierre-Laurent Aimard in einem Late-Night-Konzert am Vorabend der eigentlichen Eröffnung. Den Rahmen für das Festival setzen drei Opern, mit einer konzertanten Aufführung von Richard Strauss’ Die Frau ohne Schatten unter Vladimir Jurowski am 1. September. Antonín Dvořáks Rusalka mit Sally Matthews in der Titelrolle und Pavol Breslik als Prinz runden die Festspielzeit ab. Doch sie beginnt auch mit einer großen Oper, einem Werk, dass man nicht selten auf europäischen Programmen sieht: Hector Berlioz’ Benvenuto Cellini. 150 Jahre nach dem Tod des Komponisten bringen Sir John Eliot Gardiner, sein Orchestre Révolutionaire et Romantique und Monteverdi Choir diese Karnevalsoper wieder nach Berlin, wo sie seit einem ersten Bühnengang 1894 nicht mehr inszeniert worden war. In dieser halbszenischen Vorstellung singt Belcanto-Tenor Michael Spyres die Rolle des titelgebenden Goldschmieds, während Sophia Burgos dessen geliebte Teresa verkörpert.

Das Musikfest gedenkt Berlioz‘ 150. Todestags zudem das ganze Festival hindurch mit einer Vielzahl von Berlioz-Werken. Seine beliebte Symphonie fantastique beispielsweise tritt sowohl in Franz Liszts Transkription für Klavier solo als auch in seiner symphonischen Gestalt auf; François-Xavier Roth und Les Siècles haben sein selten gehörtes Harold en Italie im Gepäck, und die Berliner Philharmoniker widmen seiner Chorsymphonie Roméo et Juliette ihr zweites Programm. Auszüge von Les Troyens runden den Berlioz-Schwerpunkt ab, zusammen mit einer echten Rarität: La Mort de Cléopatre. 1829 verfasst als fehlgeschlagene Einsendung um den Prix de Rome, listete Berlioz diese scéne lyrique, wie er das Stück bezeichnete, nicht in seinem eigenen Werkkatalog, und es wurde erst in den letzten Jahrzehnten allmählich in Konzertprogramme aufgenommen. Donald Runnicles dirigiert das Orchester der Deutschen Oper Berlin und eine kleine, aber feine Sängerbesetzung.

François-Xavier Roth © Mark Allen
François-Xavier Roth
© Mark Allen

Neben einem aufregenden Programm mit Werken von Komponisten, die man praktisch zum Inventar zählt, zeigt sich das Musikfest auch als Verfechter neuer Musik. Entweder in kompletten Programmen oder bewusst mit „klassischem” Repertoire kontrastiert – etwa eine Rihm-Uraufführung inmitten eines Schubert-Liederabends – bieten mehr als die Hälfte aller Veranstaltungen prominent neue Musik. Im Schlaglicht stehen besonders Olga Neuwirth, Peter Eötvös, Helmut Lachenmann und Louis Andriessen. Letzterer ist eine zentrale Figur zeitgenössischer, niederländischer Kunst und einer der angesehensten Komponisten Europas, und er feiert 2019 seinen 80. Geburtstag. In drei Veranstaltungen „Louis Andriessen zu Ehren” wird der Ehrentag des Komponisten mit der deutschen Erstaufführung von Mysteriën zelebriert, das Andriessen für das Concertgebouw Orchester für dessen 125-jähriges Jubiläum geschrieben hatte – überraschenderweise, zählte der Komponist doch zu einer kleinen Gruppe von Unruhestiftern, die einmal ein Konzert desselben Orchesters im Protest gegen dessen scheinbar antimodernes Programm störte. De Stijl, der dritte Teil des Musiktheaters De Materie , zeigt Andriessens charakteristischen Gebrauch der orchestralen Besetzung in Kombination mit elektrischer Gitarre, Synthesizern und Verstärkern; im Rahmen des Musikfestes steht es neben Musik von Neuwirth und Edgar Varèse. Eines der drei großen, gastierenden Orchestern, das BBC Symphonie Orchestra unter Sakari Oramo, präsentiert den dritten Teil der Serie mit der europäischen Erstaufführung des Liedzyklus‘ The Only One zu Texten der belgischen Dichterin Delphine Decompte. Die vielfältige Sängerin Nora Fischer interpretiert das Stück, das mit Pop und leichter Musik flirtet; dem Komponisten zufolge „beginnt es als schönes Lied, von dem am Ende nicht viel übrig ist“.

<i>La Roue</i> © Fondation Pathé
La Roue
© Fondation Pathé

Zusätzlich zu diesen großen Schwerpunkten setzt das Musikfest einige interessante Rahmenveranstaltungen aufs Programm, beispielsweise zwei Vorstellungen mit musikalischen und visuellen Leckerbissen für Filmfans: zusammen mit Musik von Bartók und Debussy spielt das Konzerthausorchester Berlin Arthur Honeggers Pacific 231 live zu Jean Mitrys gleichnamigem Kurzfilm. Später im Programm macht sich das Rundfunkorchester Berlin an sage und schreibe neun Stunden Film und Musik im Konzerthaus mit einer Welturaufführung der rekonstruierten und restaurierten Film- und Musikfassung von La Roue.

Zusammen mit Veranstaltungen wie ein Quartett der Kritiker zu Benvenuto Cellini am Abend vor der Vorstellung, drei Stücke japanischen Nō-Theaters, ein Konzert der Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker und ein Benefizkonzert zugunsten der Integration von Flüchtlingskindern bietet das Musikfest Berlin ein breites Spektrum an Veranstaltungen, die alle Altersgruppen und Geschmäcker eines Publikums von heute ansprechen.

Alle Veranstaltungen im Rahmen des Musikfestes finden Sie hier.

Dieser Artikel entstand im Auftrag des Musikfestes Berlin.