Mit einem Schlag ihrer Hand schob Francesca Lombardi Mazzulli die Pultbeleuchtung aus ihrem Sichtfeld. Mazzulli spielte Donna Elvira, die verlassene und betrogene Geliebte des notorischen Fremdgängers Don Giovanni. Ihre Geste war eigentlich nur als Nachjustieren des Lichts gedacht, gleichzeitig aber nicht von ihrer Rolle zu trennen. Die Eifersüchteleien und Ränkespiele sorgten bei der konzertanten Aufführung des Don Giovanni beim Mozartfest Würzburg für eine dramatische Achterbahnfahrt, die ein Bühnenbild nicht vermissen ließ und die dämonische Kraft der Musik ganz ins Zentrum rückte.

Im barocken Kaisersaal der Residenz kam die Lautten Compagney Berlin unter der Leitung ihres Chefdirigenten Wolfgang Katschner nicht nur klanglich historischer Authentizität nahe, sondern auch durch das Ambiente. Düster schlug Katschner die Moll-Akkorde der Ouvertüre an, die sich im Verlauf weniger zum flotten Opener unter Hochspannung entwickelte, sondern bereits sehr detailliert die Vielschichtigkeit des Werks ergründete. Dabei schärfte Katschner die Kluft zwischen blasierter Arroganz und schicksalhafter Abgründigkeit bis zum Äußersten. Mozarts zweite Zusammenarbeit mit Librettist Lorenzo Da Ponte über den Lebemann und Schürzenjäger Don Giovanni war besonders für die Romantiker des frühen 19. Jahrhunderts mit seiner düsteren Nachtstimmung und den fantastischen Momenten Quelle der Inspiration. Aber auch heute noch freut man sich, wenn nach knapp drei Stunden der Egomane Giovanni endlich für seine Taten büßen muss und ohne Umwege zur Hölle fährt. Im 21. Jahrhundert erklärt man das mit „Karma“ und das sorgt dafür, dass jeder das bekommt, was er verdient.

William Berger brillierte als getriebener, ständig nach Abenteuern schielender Don Giovanni und macht nicht den Fehler, die Rolle auf irgendeine Weise ins clownhafte Abrutschen zu lassen. Stimmlich bot er eine spannende Entwicklung, vom samtigen Bariton mit lyrischen und agilen Linien in der Champagner-Arie im ersten Akt zum dämonischen Bedrängten in der Schlussszene. Während Don Giovanni von einer potenziellen Geliebten zur nächsten düst, hielt Simon Robinson als Leporello stets Schritt, überzeugte mit seinem dunklen Bassbariton, aber besonders auch mit seiner Ausdrucksstärke, die die Verwandlung des Befehlsempfängers zum moralischen Gewissen des Zweiergespanns glaubhaft machte.

Patrick Grahl litt als Don Ottavio über das Schicksal seiner Zukünftigen Donna Anna mit lyrischem, jugendlichem Tenorschmelz und begeisterte besonders mit seiner Arie „Il mio tesoro intanto” im zweiten Akt, die er in großen Linien und klarem Timbre anging.

Die Frauenstimmen führte Erica Eloff als Donna Anna mit voluminösem Sopran an, den die Südafrikanerin aber im Kaisersaal effektvoll einzusetzen wusste und besonders in den Terzetten und Ensemblepassagen wunderbar in den Gesamtklang einbettete.

Mazzulli bot die schauspielerisch stärkste Partie des Abends und interpretierte die Donna Elvira als furios-aufgebrachte Ex, die ihren Frust in ihrem Sopran mit dramatischen Qualitäten bündelte. Ihr „Mi tradi quell’alma ingrata“ gestaltete sie mit leichten und geschmeidigen Koloraturen.

Jugendlich klar und unaufdringlich naiv ging Hanna Herfurtner ihre Rolle als Bauernmädchen Zerlina an, die durch ihre Flirterei mit Giovanni fast ihre Ehe mit Masetto aufs Spiel setzt. Lorenzo de Cunzo ging Masetto sehr gestenreich und stimmlich ordentlich an.

Mit dem Auftritt des Komtur zum Ende des zweiten Aktes, den Bass Andrew Nolen mit düsterer Durschlagskraft interpretierte, erreichte auch die Lautten Compagney den Höhepunkt der Oper. Organisch verdichtete Katschner den Klang des Orchesters, der mit rauschhaften Dynamiken den Kaisersaal regelrecht zum Hexenkessel verwandelte. Besser kann man das Ende des Schufts Don Giovanni musikalisch kaum umsetzen.

****1