Ihr Pagenschnitt so schwarz wie der Steinway-Flügel, ihr Teint so golden schimmernd wie dessen Inneres – schon rein optisch verschmilzt Yuja Wang mit ihrem Instrument. Dass sie ganz selbstverständlich für den erkrankten Daniil Trifonov bei den Salzburger Festspielen einsprang und Prokofjews höchst anspruchsvolles Klavierkonzert Nr. 2 in g-Moll grandios zum Besten gab, verriet vor allem eines: ihren bekanntermaßen unbändigen Schneid. Dass das Konzert der Wiener Philharmoniker unter Andris Nelsons nach der fulminanten ersten Hälfte sogar noch weitere Steigerungen bot, das ahnte zu diesem Zeitpunkt noch niemand.

Das Zweite Klavierkonzert von Prokofjew changiert zwischen spätromantischer Emphase und schroffer, fast perkussiver Modernität. Der erste Satz ist ein Titanenkampf zwischen Solistin und Orchester. Die enorm lange, kaum spielbare Solokadenz, in der das Klavier ganz auf sich gestellt ist, bewältigte Wang mit stupender Konzentration und Kampfeslust, ohne dabei die lyrischen Passagen zu verlieren. Der unvermittelte Wechsel zwischen rhythmisch pointierter Härte und aufblühender Kantabilität gehört zu ihren größten Stärken. Ihr kraftvoller Anschlag traf auf den samtenen Klang der Wiener Philharmoniker – eine kongeniale Verbindung, zu der auch Nelsons als aufmerksamer Vermittler beitrug.

Im zweiten Satz, dem flüchtigen Scherzo mit seinen markanten Schlagzeugakzenten, wurde Wangs physische Präsenz selbst zum Ausdrucksmittel: Mit energischen Kopfbewegungen markierte sie die perkussiven Impulse wie eine zweite Dirigentin; die Synchronität von Klavier und Orchester war nicht zuletzt deshalb verblüffend präzise. Die Holzbläser musizierten von Beginn an rein und aufeinander abgestimmt, nur im dritten und vierten Satz, der zwischen vertrackter Rhythmik und lyrischen Passagen wechselt, übertönte das Blech die Solistin gelegentlich etwas zu forsch.
Der brillante, zweigeteilte Schlusssatz riss das Publikum aus den Sitzen: Standing Ovations, drei Zugaben – ein Mendelssohn'sches Lied ohne Worte, Op.67 Nr.2, kaum verklungen schon der beinahe ungeduldige Übergang zu virtuosen Showpieces, darunter eine Tschaikowsky-Transkription und der berüchtigte Precipitato-Finalsatz aus Prokofjews Klaviersonate Nr. 7, die endgültig auch die letzten Zuhörer von den Sitzen riss. Dass Wang sich dabei mitunter selbst ein wenig in den Vordergrund der Werke stellt, ist die verschmerzbare Kehrseite ihres enormen künstlerischen Muts.

Die zweite Hälfte gehörte Richard Strauss und damit den Wiener Philharmonikern in ihrem ureigensten Repertoire. Beide Tondichtungen, Don Juan und Till Eulenspiegel, leben von jener lautmalerischen Erzählkunst, die sich schon bei Prokofjew andeutete. Don Juan beginnt mit einem aufbrausenden Hauptthema voller erotischer Glorie und führt über ein zartes Liebesthema der Oboe bis zum resignierten, leisen Verlöschen. Flöte und Oboe musizierten im Gleichklang aufsehenerregend präzise, der Konzertmeister gestaltete seine Soli äußerst geschmackvoll. Nelsons, der sich zu Beginn nach vorne gebeugt, geradezu dienend vor das Orchester stellte, fand im Verlauf zunehmend zu größerer Geste, ohne je aus sich herauszutreten – ein Dirigat ganz im Dienst der Musik. Einzig der erzählerische Bogen von anfänglicher Glorie zu spätem Zweifel und Trübsal hätte noch schärfer konturiert werden können; das strahlende Heldenmotiv der Bläser hingegen erklang glorios.

Bei Till Eulenspiegel, Strauss' Schelmenstück mit seinen zwei Grundthemen – dem schwungvollen Hornruf und dem schlitzohrigen Klarinettenmotiv –, spielte das Solohorn zu Beginn blitzsauber. Das Orchester musizierte mit hörbarer Lust an diesem tonmalerischen Werk, dessen Titelheld zwischen Narrenwitz und diabolischer Bosheit changiert. Die Soloklarinettistin zeichnete Tills dunklere Seiten in den höchsten Lagen packend nach, auch die übrigen Holz- und Blechsolisten lieferten Weltklasse. Einzig kurz vor der tänzerischen Passage, in der sich Till unter die steifen Philister mischt, geriet das Zusammenspiel für einen Moment rhythmisch aus dem Tritt – ausgerechnet an einer eigentlich unproblematischen Stelle. Ein flüchtiger Schönheitsfehler in einer ansonsten makellosen Aufführung, die Nelsons schließlich aus dem Moment absoluter Stille heraus zu einem packenden Finale führte, umjubelt vom glücklichen Publikum dieser gelungenen Salzburger Matinée.





















