Italien hat tausende versteckte Plätze, die es wert sind zu erkunden und ganze Bücher darüber zu schreiben. Hier ist unsere Auswahl, um Ihre Neugier, und vielleicht auch Ihren Appetit, anzuregen.

Stresa erstreckt sich über Hügel und Berge, bis ans Ufer des Lago Maggiore und seinen drei kleinen Inseln. Seine besondere Topographie macht es das ganze Jahr über zu einem perfekten Ausflugsziel. Im Frühling kann man den botanischen Alpengarten besuchen, die historischen Dörfer entdecken oder einfach das Seeufer genießen. Im Sommer kann es etwas gedrängt sein, aber wenn man im Juni, späten August oder September kommt, erlebt man Stresa zu seiner besten Zeit: Schwimmen im kristallklaren Wasser des Sees, Wandern in den Bergen oder Tagesausflüge zu den Borromäischen Inseln. Während der kälteren Monate können Sie am Monte Mottarone auf 1500 Metern über Meereshöhe skifahren. Es dreht sich jedoch nicht alles um die Natur. Im September schwingt die Stadt zur Melodie des Stresa Festivals, eine Mischung aus Tanz, klassischer Musik und Jazz. Der momentane künstlerische Leiter ist Gianandrea Noseda und seit Beginn des Festivals in 1961 haben hier weltklasse Orchester und Solisten wie das LSO, die Wiener Symphoniker, Jordi Savall und Nikolaj Znaider gespielt.

Sie haben möglicherweise schon von Cremona und seinen berühmten Geigenbauern gehört. Diese Stadt inspirierte Antonio Stradivari, Giuseppe Guarneri und Andrea Amati außergewöhnliche Instrumente zu bauen. Heute können Sie im Geigenmuseum in den Genuss ihre Arbeit kommen, wo sie mehr als fünf Jahrhunderte des Geigenbaus erkunden und die einflussreichsten Streichinstrumente bewundern können, die die Musikwelt je gesehen hat. Cremona war auch die Heimat des Opernpioniers Claudio Monteverdi und des Komponisten Amilcare Ponchielli. Sollten Sie im Mai oder Juni in der Gegend sein, verpassen Sie nicht das Monteverdi Festival, eines der wichtigsten Festivals für Alte Musik in Italien. Cremona ist auch für sein Essen berühmt (nicht weiters überraschend für eine italienische Stadt!). Am bekanntesten ist torrone, eine Süßspeise aus Mandeln und Eiklar, die den Großteil der Halbinsel erobert hat und typischerweise bei endlosen italienischen Weihnachtsessen verspeist wird. Sie müssen allerdings nicht bis Weihnachten warten, und ich empfehle, Sie genießen es zusammen mit einem cremigen cappuccio (so bestellen wir in Italien einen Cappuccino).

Die vermutlich bekannteste Veranstaltung in Siena ist der Palio, ein Pferderennen, dass im Herzen der Stadt, am Piazza del Campo, seit dem 17. Jahrhundert ausgetragen wird. Wenn keine Pferde herumlaufen, ist der Hauptplatz ein wunderschöner Platz, um sich hinzusetzen und die atemberaubenden Gebäude zu genießen. Besuchen Sie doch den Palazzo Pubblico, das heutige Rathaus und eine wahre Perle der gotischen Architektur. Ein Flügel des Palastes beheimatet ein Museum, wo Sie die Werke von einheimischen Künstlern vom 16. bis zum 21. Jahrhundert bewundern können. Die Kathedrale liegt keine fünf Minuten zu Fuß entfernt, wo sie Donatello und Michelangelo bestaunen können. Falls Sie Lust auf ein Abenteuer haben, buchen Sie einen geführten Rundgang auf dem Dach der Kathedrale und genießen Sie den überwältigenden Ausblick auf Siena und die Landschaft. Für das volle toskanische Erlebnis ist ein Ausflug aufs traumhaft schöne Land ein Muss, wo sich samtige Hügel bis zum Horizont ziehen und sich Weingärten und Zypressen elegant in einer leichten Brise wiegen. 60 Kilometer südlich von Siena findet seit 30 Jahren das Festival Incontri in Terra di Siena statt. Incontri ist ein Kammermusik-Festival im Herzen der Toskana, dessen Philosophie es ist, kulturelle Veranstaltungen im Einklang mit der umgebenden Landschaft zu fördern. Zusätzlich zu den Konzerten gibt es Vorträge über bildende Künste, Geschichte, Literatur, Essen und Wein. Apropos: Sie sind in der Toskana, also vergessen Sie nicht, ein Glas Chianti oder Sangiovese zu kosten!

Die Perle der italienischen Renaissance ist Urbino, eine historische Stadt am Gipfel eines tiefgrünen Hügels. Ihre Architektur ist fabelhaft erhalten und der Palazzo Ducale ist eines der interessantesten Architektur-Beispiele der italienischen Renaissance. Er ist Sitz der Galleria Nazionale delle Marche und schon alleine für seinen umwerfenden Arkadenhof sehenswert. Die Mauern sind Zeugen der Geschichte und Einflüsse: von den Goten bis zu den Langobarden, Frankreich und dem Kirchenstaat. Urbino liegt im Le Marche-Inland, aber in weniger als einer Stunde erreicht man über schlängelnde Straßen mit atemberaubenden Ausblicken die Adriaküste. In dieser Region können Sie die vorzügliche italienische Küche genießen, und Urbino ist dabei keine Ausnahme. Es stellt höchstens ein Problem dar, falls Sie Veganer oder Vegetarier sind: die Fleischgerichte hier sind himmlisch und sehr verführerisch. Ein privater Tipp für die ultimative gastronomische Erfahrung in Urbino: crescia sfogliata. Und falls Sie reiferen Käse mögen, vergessen Sie nicht den casciotta zu probieren, angeblich Michelangelos Lieblingskäse. Prächtige Gebäude und eine geheimnisvolle Atmosphäre machen Urbino zum perfekten Platz, um alten Klängen zu lauschen. Jedes Jahr organisiert die Italienische Stiftung für Alte Musik in der zweiten Julihälfte einen Kurs über Alte Musik, das Festival für Alte Musik und eine Ausstellung für Instrumentenbauer.

Zwischen dem Absatz und der Spitze des italienische Stiefels bleiben in Matera die Uhren stehen und Besucher fühlen sich in die Vergangenheit zurückversetzt. Tatsächlich ist es eine der ältesten noch immer bewohnten Stätten der Welt, deren erste Siedlungen bis ins Paläolithikum zurückreichen. Matera ist hauptsächlich für seine Sassi bekannt, die den antiken Teil der Stadt bilden. Aber dies ist keine gewöhnliche Altstadt: hier verschmelzen von Menschenhand geschaffene Siedlungen mit der Naturlandschaft, einschließlich echter Höhlenhäuser, die ein guter Platz sind, bedenkt man die brütend heißen Sommer in Matera! Falls Sie erfahren wollen, was es bedeutet, in einem Sassi zu wohnen, empfehle ich die Casa Grotta die Vico Solitario zu besuchen, wo Sie in einem vollständig eingerichteten Höhlenhaus herumwandern können. Sollten Sie Anfang Juli in der Nähe von Matera sein, verpassen Sie nicht das Festa della Bruna, ein Festival, das der Madonna della Bruna gewidmet ist, der Schutzpatronin der Stadt. Die Plätze füllen sich mit farbenfrohen Marktständen, in den Straßen wimmelt es von einheimischen Bands und die historischen Gebäude sind mit bunt schillernden Lichtern dekoriert.