Das Ensemble Tafelmusik genießt einen Ruf als eines der weltbesten Barockorchester und setzt sich aus 17 Musikern zusammen, von denen jeder einzelne Experte für historische Aufführungspraxis ist. Seit 1981 wird das Orchester, das auf historischen Instrumenten spielt, von Jeanne Lamon geleitet, die diese Position in diesem Jahr aufgibt. Der heimatliche Konzertsaal des aus Toronto stammenden Ensembles ist nach ihr benannt. Für die aktuelle Spielzeit 2014-15 arbeitet Tafelmusik mit anderen führenden Barockmusikern zusammen und bietet nun ein Programm, bei dem einem das Wasser im Munde zusammenläuft.

Zu Anfang der Spielzeit findet man das Ensemble auf musikalischen Reisen über den Atlantik nach Italien, England und Frankreich. The Canals of Venice (dt. Die Kanäle von Venedig) beinhaltet Musik des in Venedig geborenen Antonio Vivaldi, der viele seiner Werke für das ausschließlich weibliche Ensemble des Ospedale della Pietà der Stadt verfasste. Aber in Venedig gibt es weit mehr als den Roten Priester! Ein Gondoliere, dargestellt vom Commedia dell'arte-Schauspieler Alessandro Bressanello, führt uns entlang der Kanäle und durch die Werke Vivaldis, Tomasi Albinonis und Benedetto Marcellos. Davide Monti weist den Weg mit der Violine.

Ein Programm mit englischen Werken der Zeit und dem Titel Theatre of Magic unter der Leitung von Pavlo Beznosiuk dreht sich um ein Trio von Werken, die von Magie und Zauberern inspiriert wurden. Matthew Locke schrieb seine Schauspielmusik zu Der Sturm für eine Neufassung des Werkes von Thomas Shadwell, die 1674 uraufgeführt wurde. Purcells The Fairy Queen bezieht sich ebenfalls auf Shakespeare, in diesem Falle auf dessen Sommernachtstraum. Joélle Harvey, der bereits in der Glyndebourneschen Bühnenversion glänzte, singt hier Auszüge aus Purcells großartiger Komposition. Nach Prospero und Oberon vervollständigt Armida, Zauberin in Händels Oper Rinaldo, das magische Trio mit der „Suite für Armida“, die einige ihrer teuflischen Arien enthält.

Ein Sprung über den Ärmelkanal führt das Publikum zu The French Connection, die von Violinistin Amandine Beyer geleitet wird. Jean-Philippe Rameau, der vor 250 Jahren starb, wird darin mit der Ballett-Suite aus seiner Oper Zaïs gefeiert, und es erklingen auch Werke von Corrette, Campra und Leclair. Jean-Féry Rebels Les elemens, ein außergewöhnliches Werk, das die Erschaffung der Welt beschreibt, beschließt das Programm.

Weihnachten bringt Händels Messias mit sich und die Gelegenheit, selbst mitzusingen.

Kent Nagano tauscht sein Orchestre Symphonique de Montréal im Januar gegen ein historisches Ensemble, mit dem er sich Beethovens Fünfter Symphonie widmet. Tafelmusik hat einen beneidenswerten Ruf für seinen geradlinigen, ausdrucksstarken Beethoven unter Bruno Weil (einiges davon gibt es auf CD), und es wird spannend sein, Naganos Herangehensweise zu sehen. Die Messe in C ist ebenfalls Teil des gehaltvollen Programms.

Nichts zeigt Tafelmusiks einfallsreiche Programmideen deutlicher als House of Dreams, in dem Kunst und Musik auf ein multimediales Spektakel treffen. In einem von Alison MacKay konzipierten Programm werden mit der Erzählung von Blair Williams fünf europäische Häuser erkundet – in London, Venedig, Delft, Paris und Leipzig, und Gemälde von Vermeer, Canaletto und Watteau unterstreichen die Darbietung von Werken verschiedener Komponisten des Barock.

In einer weiteren multimedialen Veranstaltung, The Circle of Creation, führt Jeanne Lamon Tafelmusik in eine Erkundungsreise von Johann Sebastian Bach und seiner Welt, einschließlich der Handwerker wie Papiermacher und Geigenbauer, die ihm dabei halfen, seine genialen Ideen umzusetzen.

Baroque Misbehaving (dt. Barock, der aus dem Rahmen fällt) verspricht ein orchestrales Toben durch Werke, in denen Mord und Totschlag passiert. Purcells Abdelazer ist den meisten Hörern heute durch das Rondo-Thema bekannt, das Benjamin Britten in seinem Young Person’s Guide to the Orchestra verwendet hat. Mit dem Untertitel „The Moor’s Revenge” basiert es auf der englischen Rachetragödie Lust’s Dominion. Außerdem hört man Musik aus Charpentiers Circe, worin eine Zauberin ihre Rivalin in einen Specht verwandelt.

Die Spielzeit schließt mit dem Tafelmusik Kammerchor, der sich dem Orchester für Händels Coronation Anthems und Vivaldis Gloria RV589 anschließt.

 

Dieser Artikel wurde vom Tafelmusik Barockorcheser in Auftrag gegeben.

Aus dem Englischen übertragen von Hedy Mühleck