Für unseren Klarinettenmonat auf Bachtrack, haben wir uns entschlossen, kurze Interviews mit Klarinettisten einiger der besten Orchester zu führen, um mehr über die Rolle der Klarinette im Orchester zu erfahren. Zu guter Letzt kommt Stefan Schilling, Soloklarinettist des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks, zu Wort.

Stefan Schilling © Astrid Ackermann
Stefan Schilling
© Astrid Ackermann

Wie kamen Sie zur Klarinette?

Zur Klarinette kam ich durch die Überlegungen meines Vaters, ein Verwaltungsjurist, der einen pragmatischen Ansatz hatte. Musikalische Erziehung ist wichtig, also bitte möglichst breit aufgestellt. Ein Orchesterinstrument sollte es sein, Kammermusik ist genauso wichtig, transportabel muss es sein, und ich sollte Jazz spielen können, also: Klarinette!

Gab es einen Klarinettisten, zu dem Sie aufgesehen haben?

Mein Idol war sehr früh mein Lehrer Hans D. Klaus, und er ist es bis heute geblieben.

Seit wann spielen Sie beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks?

Zum Symphonieorchester des BR kam ich 1993.

Welche ist Ihre Lieblings-Orchestersolostelle? (Warum?)

Lieblingsstücke oder - Stellen habe ich nicht, ich schätze meinen Beruf wegen der wechselnden Aufgaben. Erzogen bin ich darin, die Absichten des Komponisten zu realisieren und nicht meine eigenen (momentanen) Vorlieben.

Welche ist Ihre gefürchteste Orchestersolostelle? (Und warum?)

Auch fürchte ich mich nicht vor einzelnen Aufgaben. Ich freue mich immer auf Musik, und wenn etwas nicht gelingt, geht die Welt nicht unter.

Angst habe ich vor unerwartet lauten Einsätzen der Kollegen hinter mir, wenn ich mich nicht vorher bewusst schützen konnte.

Gibt es ein Werk für Klarinette, dass Ihrer Meinung nach zu wenig Beachtung geschenkt bekommt?

Die Werke des österreichischen Komponisten Hans Gal verdienen sicherlich mehr Aufmerksamkeit.

Haben Sie die Möglichkeit, Solokonzerte mit Ihrem Orchester zu spielen? Was sind Ihre prägendsten Erinnerungen als Konzertsolist?

Es gibt die Möglichkeit, mit unserem Orchester Solokonzerte zu spielen, aber die Gelegenheiten sind selten.

Haben Sie eine spannende Dirigenten-Anekdote für uns? (Gerne auch anonym!)

Die 90 Minuten Probe für das Duett Concertino von Strauss mit Marco Postinghel und Lorin Maazel sind mir noch in guter Erinnerung. Vielleicht konnten wir nicht alle offenen Fragen klären…

Etwas kürzer war meine erste Erfahrung mit der Dritten Symphonie von Brahms. Nach der ersten (und einzigen) Probe von 32 Minuten spielten wir das Stück drei Wochen später in Japan. Auf dieser oder der nächsten Reise hatten wir 26 Werke in unserer Notenmappe. Die Ablagen der üblichen Holzpulte fassten einfach nicht alle Stimmen, so dass die Noten immer wieder auf dem Boden landeten.

Und schlussendlich, für die wahren Klarinettenfans, welche Klarinette und welche Blattmarke und -stärke spielen Sie? Spielen Sie auch auf Plastikblättern?

Ich spiele Klarinetten von Leitner & Kraus und auch von Herbert Wurlitzer, mit verschiedenen Mundstücken und Blättern, ausgewählt nach der jeweiligen Aufgabe.

Plastikblätter habe ich noch nicht anwenden können, ich habe noch keine passende Form gefunden.