„Lust auf Tschaikowsky” versprach die styriarte an diesem sommerlichen Konzertabend in der Grazer List-Halle; geboten wurde die Fünfte Symphonie des Komponisten. Dass sich die Inszenierung von Adrian Schvartzstein – dazu später mehr – nicht negativ auf die musikalische Qualität ausgewirkt hat, war dem auf Wunsch von Andrés Orozco-Estrada gegründeten styriarte Festspiel-Orchester.YOUTH zu verdanken. Geformt wird dieser Klangkörper aus in Österreich lebenden Musiker*innen im Alter von 16 bis 26 Jahren, die noch nicht fix im professionellen Klassikbetrieb engagiert sind und im Rahmen der Proben für das Projekt „Lust auf Tschaikowsky” von Mitgliedern österreichischer Spitzenorchester gecoacht wurden. Wie viel Herzblut Orozco-Estrada in die Arbeit mit diesem Orchester gesteckt hat, war auch in jeder Sekunde der Vorstellung zu merken; wie ein stolzer Vater wirkte der Dirigent am Pult und Grund zu Stolz lieferte ihm sein Orchester zur Genüge.

Andrés Orozco-Estrada
© Nikola Milatovic

Bereits im ersten Satz wurde deutlich, wie wunderbar abgestimmt und aufeinander achtend die Instrumentengruppen agierten; emotionsreich wurde das zentrale, schicksalshafte Motiv mit samtig-dunklen Klangfarben gemalt, wobei in den Streichern das Seelenleben des Menschen und das unaufhaltsame Drängen des Schicksals mitschwang. Insbesondere das Fagott sorgte hier mit sattem Klang für sehnsuchtsvolle Momente und Orozco-Estrada hielt das Orchester zum vollen Ausreizen der dynamischen Bandbreite an, wobei die aufwallenden Momente im Fortissimo schon knapp an der Grenze der angenehmen Hör-Lautstärke waren. Nicht nur dank eines betörend romantischen Hornsolos zu Beginn und dem sanften Verlöschen des Klanges in den letzen Takten des zweiten Satzes wurde das Andante cantabile zum Highlight des Abends, denn hier stimmte einfach alles: Emotion, schimmernde Farben, differenzierte Dynamik und Tempi, die der Musik Raum gaben, ohne allzu gezogen zu wirken.

Andrés Orozco-Estrada dirigiert das styriarte Festspiel-Orchester.YOUTH
© Nikola Milatovic

Weniger differenziert und eher auf großen Effekt ausgerichtet erklangen hingegen der dritte und vierte Satz. Die schier endlose Energie des Orchesters und die Freude am Musizieren waren zwar beeindruckend, aber ein wenig mehr Eleganz und Feinschliff hätten vor allem den Walzer-Passagen des Allegro ganz gut gestanden. Wie bei einem Pop-Konzert wurden Orchester und Dirigent am Ende lautstark bejubelt und mit Standing Ovations bedacht – obwohl nicht alles perfekt war, waren die Funken der Begeisterung in der entstaubten Atmosphäre merklich auf das Publikum übergesprungen!

styriarte Festspiel-Orchester.YOUTH
© Nikola Milatovic

Warum vom Veranstalter die Entscheidung getroffen wurde, das Werk an diesem Abend in eine Art Inszenierung einzubetten, hat sich mir leider zu keiner Zeit erschlossen, da das Konzept eher ablenkte, als den Fokus auf die Musik zu rücken. In Vintage-Kostümen erschien das Orchester zunächst mitsamt Koffern aus dem Dunkel, zuerst mussten alle bemüht selig gen Himmel blicken und im Lauf des Abends noch allerlei  mitmachen. So gab es choreographierte Bewegungen, einen roten Faden, der während des Spielens weitergegeben wurde und schlussendlich streiften alle Musiker ihre historischen Outfits ab und spielten in bunten T-Shirts. Laut Programmheft wollte Regisseur Adrian Schvartzstein damit den Triumph der Diversität ausdrücken; ohne Erklärung hätten sich diese Regie-Mätzchen allerdings nicht erschlossen.

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