In diesem Monat erkunden wir die Welt der Lieder. Was macht ein gutes Programm aus? Wie sollte ein Publikum an ein Lieder-Recital herangehen? Wir sprechen mit den führenden Vertretern des Kunstliedes von heute, um einen Einblick in eine Welt zu bekommen, die für den Hörer manchmal schwer aufzubrechen ist. Der erste männliche Sänger, der seine Erfahrungen mit uns teilt, ist Tenor Mark Padmore.

Mark Padmore © Marco Borggreve
Mark Padmore
© Marco Borggreve

Bachtrack: Anhand welcher Kriterien stellen Sie ein Programm für einen Liederabend zusammen?

Mark Padmore: Ich mag Recitals, die ein literarisches Thema haben und nicht nur eine Sammlung schöner Melodien sind. Ich glaube, dass die besten Liederabende einen zum Nachdenken und zum Fühlen bringen.

Welchen Rat würden Sie Zuhörern geben, für die Lieder neu sind, um ihnen den Einstieg ins Repertoire zu erleichtern? Sollten Künstler im Laufe des Recitals mit ihrem Publikum sprechen?

Ich würde sagen, dass Lieder eine Kombination aus Worten (Dichtung) und Musik sind, und dass es wirklich hilft, beidem Achtung zu schenken. Ich finde, Liederabende sind prinzipiell Kammermusik und Sänger und Pianist sind gleichwertige Partner. Kommunikation, darum geht es wirklich, und oft können ein paar Worte von den Künstlern dem Publikum helfen, sich miteinbezogen zu fühlen. Idealerweise wird das Konzert zu einer Konversation in drei Richtungen zwischen Komponist/Dichter, Künstler und Hörer.

 

Wie fühlt es sich an, wenn alle Köpfe im Publikum im Programmheft stecken, um den Text zu verfolgen? Würden Übertitel helfen?

Ich habe einmal ein Konzert mit Untertiteln gegeben – als ich drei Schubert-Zyklen mit Kris Bezuidenhout beim White Lights Festival im Lincoln Center in New York gegeben habe. Ich finde, es hat sehr gut funktioniert, und ich kann mir gut vorstellen, in den meisten meiner Recitals Übertitel zu haben. Wenn ich selbst im Publikum sitze, versuche ich es mit einer Mischung aus Überfliegen und Aufsehen und Hören.

Welche Vorteile hat das Liedpodium im Vergleich zur Opernbühne?

Ich bin nicht sicher, ob ich die Frage richtig verstehe... aber ich liebe beides. Bei einem Recital hat man sicherlich mehr Kontrolle, und es ist großartig, wenn man seine Fähigkeiten als Geschichtenerzähler erproben kann und Welten der Imagination schafft.

Welches Lied singen Sie am liebsten?

Ich liebe das Repertoire, das ich singe, wirklich. Ich glaube, dass das Liedrepertoire der besten Kammermusik gleichkommt – es beinhaltet einige der tiefgründigsten Kunstwerke, die je geschaffen wurden. Es ist nur schade, dass es so wenig geschätzt wird.

In welcher Sprache singen Sie am liebsten?

Ich singe liebend gerne auf Deutsch. Das Programm, dass ich gerade mit Paul Lewis gebe, ist ein reines Heine- und Goethe-Programm – wundervolle Poesie und großartige Musik von Schumann, Brahms und Wolf.

Haben Sie einen Pianisten, mit dem Sie oft in Recitals zusammenarbeiten? Was sind seine/ihre besten Eigenschaften?

Ich probe und trete unheimlich gerne mit vielen verschiedenen Pianisten auf. Sie alle inspirieren mich und fordern mich heraus, auf verschiedene Weise. Ich werde dieses Repertoire nie gut genug kennen, aber ich werde auch nicht aufhören, es zu erkunden.

 

Aus dem Englischen übertragen von Hedy Mühleck.