Brett Dean © Pawel Kopczynski
Brett Dean
© Pawel Kopczynski

Der australische Komponist Brett Dean spielte vierzehn Jahre Lang Bratsche bei den Berliner Philharmonikern, was sich auch in der Zahl seiner Werke mit diesem Instrument spiegelt. Deans Kompositionen kann man im Rahmen des 8. Hong Kong International Chamber Music Festival im Januar hören, bei dem er Composer in Residence ist. Dean ist ein gefragter Komponist. Knocking at the Hellgate eröffnete die aktuelle Spielzeit des BBC Symphony Orchestra und seine neue Oper Hamlet steht im nächsten Sommer in Glyndebourne auf dem Programm. Deans Musik besitzt eine erdige, kräftige Qualität – nahbar, aber nahezu wie Bartók in ihrer groben Aufregung.

Während des Festivals selbst kommen drei von Deans Werken zur Aufführung. Epitaphs, für Streichquintett (Streichquartett plus zusätzliche Bratsche, eine Formation wie Mozart, Brahms und Schubert sie in ihren Werken nutzten). 2010 beim Cheltenham Festival uraufgeführt, zeigt Epitaphs die gedoppelte Viola als Gegengewicht zu den zwei Violinen. Das Stück porträtiert fünf verstorbene Freunde des Komponisten. Der fünfte Satz feiert den britischen Dirigenten Richard Hickox, der die Uraufführung von Deans erster Oper Bliss hätte leiten sollen, doch sein früher Tod warf lange Schatten über die Welt der klassischen Musik. Ein weiterer Satz erinnert mit einem ausgedehnten Cellosolo an Jan Diesselhorst, ein Cellist der Berliner Philharmoniker, der unter seinen Kollegen als „Der Philosoph“ bekannt war.

Sketches for Siegbert ehrt einen weiteren Kollegen, Siegbert Ueberschaer, mit dem sich Dean bei den Philharmonikern ein Pult teilte. In diesem Auftragswerk für einen Wettbewerb wollte Dean sein Tribut mit etwas verbinden, das eine Herausforderung für junge Musiker bieten würde. In Hongkong spielt Dean sein Werk selbst. Huntingdon Eulogy (2001) war ein Auftragswerk der BBC für den Cellisten Alban Gerhardt und den Pianisten Stephen Osborne. Der Titel bezieht sich auf das Weingut Huntington Estate in Australien, Heimat eines Musikfestivals, mit dem der Komponist seit 1997 in Verbindung steht. Die ersten beiden Sätze beschreiben die Natur von New South Wales; dem folgt das Finale – eine Elegie, verfasst im Gedenken an einen jungen Kellermeister. Das Festival paart gerne neue Werke mit etablierten Klassikern, und so steht Dean dort Seite an Seite mit Beethoven, Brahms und Mozart.

Borromeo Streichquartett © Richard Bowditch
Borromeo Streichquartett
© Richard Bowditch

Das Borromeo Streichquartett, Ensemble in Residence des New England Conservatory, bildet das Rückgrat des Festivals und tritt als Teil jeden Recitals auf. Es gibt einen besonderen Fokus auf Beethoven, in dessen Rahmen Borromeos erster Violinist Nicholas Kitchen den besonderen Vortrag „Inside Beethoven’s Mind“ über den Komponisten und den Einfluss seiner Streichquartette auf nachfolgende Komponisten hält. Dem Vortrag folgt ein Recital, in dem das Borromeo Quartett das grandiose Streichquartett in B-Dur, Op.130, mit seinem originalen Schluss, der Großen Fuge, Op.133, gibt. Das Quartett ist auch im „Serioso“-Quartett, Op.95, zu hören.

Der aufsteigende taiwanesisch-amerikanische Violinist Cho-Liang Lin ist Künstlerischer Leiter des Festivals und hat eine Vielzahl von Kammerwerken mit Streichquintett aufs Programm gesetzt, um das erweiterte Quartettformat zu erkunden. Neben Mozarts Quintett KV516 findet man dort César Francks Klavierquintett – in dem Camille Saint-Saëns bei der Premiere den Klavierpart spielte – und Ernest Chaussons wundersames Konzert in D-Dur, komponiert für Violine solo, Klavier und Streichquartett.

Das Festival bietet auch im Bereich Musikvermittlung ein volles Programm. Brett Dean wird seine Kompositionen spielen und besprechen; zudem gibt es kostenfreie Vorträge, offene Proben und Paneldiskussionen zu kammermusikalischen Werken.

Neben dem Festival im Januar präsentiert Premiere Performances of Hong Kong in dieser Saison außerdem eine Reihe Kammerrecitals in der Hong Kong City Hall. Pianistin Gabriela Montero ist berühmt für ihre atemberaubenden Improvisationen, bei denen sie ein vom Publikum vorgeschlagenes Thema aufnimmt und darüber im Stile anderer Komponisten extemporiert. Auch ihr Konzert mit Schubert und Schumann im April wird sie so beenden, also vergessen Sie nicht, ein paar Ideen mitzubringen!

Nemanja Radulović wird als „Rockstar“-Geiger gepriesen und sein Konzert im Mai schließt mit Wieniawskis teuflischen Variationen über ein eigenes Thema, die ihn auf Herz und Nieren prüfen sollten. In einem weiteren herrlichen Recital für Violine und Klavier hört man Augustin Hadelich und Joyce Yang, zu deren Programm Tschaikowsky zählt, Strawinsky... und Brett Dean.


Dieser Artikel entstand im Auftrag von Premiere Performances of Hong Kong Ltd.

Aus dem Englischen Übertragen von Hedy Mühleck.