Für Liebhaber der klassischen Musik, die dieses Frühjahr nach Prag reisen, stellt sich nicht so sehr die Frage, was sie sehen sollen, sondern was sie verpassen können. Das Angebot ist so reichhaltig, quer durch alle Genres, dass die Auswahl beinahe überwältigend ist. Die gute Nachricht ist, es gibt nicht ein schwaches Glied in der Kette, und die schiere Vielfalt bietet Möglichkeiten, jeden Geschmack zu befriedigen.

<i>Die verkaufte Braut</i> im Prager Nationaltheater, September 2019 © Hana Smejkalová
Die verkaufte Braut im Prager Nationaltheater, September 2019
© Hana Smejkalová

Opernliebhaber haben die größte Auswahl – 29 Inszenierungen im Repertoire und drei Premieren. Tschechische Stützen wie Rusalka, Jenůfa und Die verkaufte Braut spielen hauptsächlich im Nationaltheater, mit einer heimischen Besetzung. Beliebte Favoriten wie La bohème und Aida sind an der Staatsoper zu finden, die allein schon wegen der traumhaften Renovierung der Rokoko-Schönheit sehenswert ist. Das Ständetheater ist und bleibt ein Schrein für Mozart – suchen Sie sich Ihr Lieblingsstück aus, von Don Giovanni bis Le nozze di Figaro – während die Neue Bühne mit zeitgenössischem Musiktheater einen neuen Weg einschlägt. Auch Ballett steht am Programm, unter anderem eine Neuinszenierung von Tschaikowskys Dornröschen an der Staatsoper im Mai.

Ständetheater © Opera ND
Ständetheater
© Opera ND

Vokalmusik steht auch ganz oben auf der Liste der orchestralen Konzertprogramme. Die Tschechische Philharmonie nimmt es mit Detlev Glanerts neuem Oratorium, Requiem für Hieronymus Bosch, auf und wird im April eine konzertante Aufführung von Janáčeks Kátya Kabanová auf die Bühne bringen. Das Prager Symphonieorchester bietet Mendelssohns Elijah und Dvořáks Geisterbraut, und mit Ostern beginnt ein Trio an Stabat Matern von Dvořák, Jakub Jan Ryba (mit LʼArmonia Terrena) und Domenico Scarlatti (mit dem Collegium 1704). Wie immer bieten die Orchester die besten Solisten für ihre symphonischen Konzerte: Rudolf Buchbinder, Gautier Capuçon und Lisa Batiashvili mit der Tschechischen Philharmonie, Pinchas Zukerman mit dem Prager Symphonieorchester.

Vaclav Luks dirigiert das Collegium 1704 in Vivaldis <i>Arsilda</i>, November 2019 © Petra Hajská
Vaclav Luks dirigiert das Collegium 1704 in Vivaldis Arsilda, November 2019
© Petra Hajská

Die Sterne scheinen auch bei den Rezitalen, mit Weltklasse-Künstlern wie Elisabeth Leonskaja, Maria João Pires und Jordi Savall mit seinem Hespèrion XXI Ensemble. Gleichermaßen interessant sind die heimischen Talente, die in Rezitalen mit den Orchestern erscheinen: die Violinisten Josef Špaček, Ivan Ženatý und Pavel Šporcl, Pianisten Ivo Kahánek und Adam Skoumal, und der Tenor Petr Nekoranec. Einer der besten Vertreter der gegenwärtigen Generation an tschechischen Komponisten, Kryštof Mařatka, bringt eine Auswahl an seltenen Volksinstrumenten für die Uraufführung seiner Pastoral Fables.

Enthusiasten der Barockmusik können sich auf ein wahres Festmahl freuen. Das großartige Ensemble Collegium 1704 präsentiert unter anderem ein sorgfältig zusammengestelltes Programm an Bach und seinen Zeitgenossen, Monteverdi-Madrigalen, geistlichen Werken von Zelenka (gepaart mit Scarlattis Stabat Mater), Kantaten von Caldara und dʼAstorga, und Vokalwerken von Händel bis Stradella. Das deutsche Sferraina Ensemble bringt ein Programm mit Sephardic und Barock-Liedern, und Kiya Tabassians Ost-West-Ensemble Constantinople bietet eine erkenntnisreiche Verschmelzung aus Musik der italienischen, osmanischen und persischen Renaissance.

Semyon Bychkov dirigiert die Tschechische Philharmonie im Rudolfinum, Januar 2020 © Petra Hajská
Semyon Bychkov dirigiert die Tschechische Philharmonie im Rudolfinum, Januar 2020
© Petra Hajská

Im Mai und Juni dreht sich alles um das Festival Prager Frühling, das dieses Jahr sein 75. Jubiläum feiert. Die Berliner Philharmoniker (unter der Leitung ihres neuen Chefdirigenten Kirill Petrenko) führen eine herausragende Liste an Gastorchestern an, unter anderem mit den Wiener Symphoniker, BBC Symphony und der Sankt Petersburger Philharmonie. Alte Bekannte wie Gidon Kremer, Bernarda Fink, Garrick Ohlsson, Murray Perahia und Peter Oundjian kehren zurück, und Sir András Schiff ist Artist in Residence. Während die Klassiker in Ehren gehalten werden – Leif Ove Andsnes und das Mahler Chamber Orchestra kommen mit ihrem „Mozart Momentum”-Projekt nach Prag – hält sich das Festival jung mit Gruppen wie dem Ensemble Modern und jungen Talenten wie dem tschechischen Dirigenten Jiří Rožeň, der die PKF – Prager Philharmonie in einem Benjamin Britten-Konzert mit Mahan Esfahani leitet.

Tore der Prager Burg am Hradčanské náměsti © David Karlin | Bachtrack Ltd
Tore der Prager Burg am Hradčanské náměsti
© David Karlin | Bachtrack Ltd

Die Tschechische Philharmonie hat die Ehre, das Prager Dvořák-Festival im Herbst zu eröffnen – das genaue Programm wird im März bekanntgegeben. In der Zwischenzeit wird das Vorzeigeorchester des Landes die Saison im Juni mit einem Konzert unter freiem Himmel am Hradčanské náměsti beenden, dem malerischen Eingang der Prager Burg, gemeinsam mit dem Schlagzeuger Martin Grubinger. Es ist die Kombination aus der künstlerischen und historischen Atmosphäre sowie der schieren Freude des Musizierens, die das Hören klassischer Musik in Prag zu einem ganz besonderen Erlebnis machen.


Dieser Artikel wurde vom Prague City Tourist Board gesponsert.


Ins Deutsche übertragen von Elisabeth Schwarz.