Das erste Mal ist unvergleichlich. Das erste Mal Carmen oder Bohème zu sehen ist ein unwiederholbares Erlebnis, und ganz egal wie phantastisch die Vorstellung ist, es ist schwer, die Vorfreude und Aufregung eines ersten Opernbesuchs zu wiederholen. Ich würde lügen wenn ich sage, ich wäre nicht genauso aufgeregt gewesen, als die Oper Los Angeles im letzten Jahr eine brandneue Inszenierung von John Coriglianos Geistern von Versailles angekündigt hat.

Als verehrtes Meisterwerk wurde Coriglianos Oper seit der Welturaufführung an der Met vor über 20 Jahren erschreckend selten aufgeführt. Wo die Gründe hierfür wahrscheinlich in Richtung Zweckmäßigkeit der Besetzung und der Produktion eines solchen Mammutwerkes gehen, ließ die Premiere der LA Opera am Samstag keinen Zweifel an den beträchtlichen musikalischen und dramatischen Stärken der Oper. Mehr noch, die Inszenierung der LA Opera ist eine großartige Leistung.

Das gesamte Team von Regisseur Darko Tresnjak bis zu Kostümbildnerin Linda Cho blieben dem Geiste des Werkes treu. Von den ersten, schaurigen Tönen an wird das Publikum in eine Welt der Toten hineingezogen, die in Alexander Dodges Bühnenbild sowohl majestätisch (wie man es für königliche Personen erwarten würde) als auch etwas makaber ist. Die Köpfe der Sänger (ganz weiß, die Körper alle in schwarz) schienen zu schweben, abgetrennt von einem Körperdouble. Wie könnte schließlich ein enthaupteter König einen unverschämten Untertanen ohne seine unteren Extremitäten im Schlepptau zum Duell herausfordern?

Diese Welt der Toten war ein fesselnder Ort, doch Tresnjaks Inszenierung konzentrierte sich ganz auf die Figuren. Marie Antoinette, gesungen von der unbezwingbaren Patricia Racette, und Beaumarchais in Gestalt eines hervorragenden Christopher Maltman, waren das Leben dieses Versailles'. Corigliano versieht sie durch seine sympathische Musik gekonnt mit Temperament und Tresnjak zeichnet ihre Beziehung, und in der Tat alle Beziehungen, mit Leichtigkeit. Es schadete natürlich auch nicht, dass diese Besetzung beispielhaft war.

Patricia Racette ist eine der fesselndsten aktiven Sopranistinnen geblieben, und ihr Erarbeiten von substantielleren Rollen war oft zum Vorteil des Publikums. Ihre hohe Lage ist etwas breiter geworden, aber auf der Bühne gehört sie zum Inventar und zeigt die dramatische Stärke ihrer Stimme. Ihre Todesangst, als sie ihre Exekution erneut durchlebte, war greifbar, und ihr Leid machte ihre letztendliche Erkenntnis und Verbindung mit Beaumarchais noch bewegender. Corigliano machte sein Werk zu Marie Antoinettes Oper, und Racette war dieser Herausforderung gewachsen. Der englische Bariton Christopher Maltman war ein nachdenklicher, leidenschaftlicher Beaumarchais. Er sang ausgezeichnet und mit hervorragender Diktion in allen Lagen seiner lyrischen Stimme. Bass Kristinn Sigmundsson gab einen angemessen komischen, etwas clownsartigen Louis XVI.

Beaumarchais' Figuren in der Oper in der Oper, angeführt von Lucas Meachem als Figaro, waren gleichermaßen hervorragend, Figaros Arie „They wish they could kill me“ ein Höhepunkt der Vorstellung. Meachem gab einen liebenswerten Diener, und sein Bariton war aufdringlich, sogar überlaut. Joshua Guerrero hingegen porträtierte einen abgehobenen Almaviva mit wunderschön lyrischem Tenor. Robert Brubaker sang einen verabscheuungswürdigen Schurken Bégearss; sein knurrender Tenor war denkwürdig, und es war ein Wunder, dass er am Ende nicht heiser war.

Guanqun Yu, in ihrem LA Opera-Debüt als Rosina, zeigte sich als eine der interessantesten Stimmen auf der Bühne. Zu ihrer graziösen Haltung fügte sie einen schwebenden, leichten lyrischen Sopran hinzu, der besonders in Coriglianos zärtlicheren Momenten ausdrucksstark zur Geltung kam. Broadway-Legende Patti LuPone bot eine amüsante Wendung als ägyptische Sängerin Samira. Obwohl Balance ein Problem war, trug schon LuPones bloße Präsenz zum Exzess des Abends bei.

Der Rest der beträchtlichen Besetzung war ziemlich gut, sang die anspruchsvolle Musik mit beeindruckendem Können und behielt dabei den dramatischen Fokus. James Conlon leitete diese treibende Vorstellung im Graben, mit einer außergewöhnlich straffen, wohlbemessenen Lesart und aufmerksamen Spiel des Orchesters.

Am Ende war nicht einmal genug Platz auf der Bühne! Beim Vorhang nahmen die Sänger die gesamte Breite ein, und einige wurden doch aus der letzten Verbeugung geschoben. Coriglianos Oper ist wirklich überlebensgroß, und wie es sich gehört, war die letzte Person, die auf die Bühne gerufen wurde, der Komponist selbst. Über 20 Jahre nach der Premiere (die erst 11 Jahre nach ihrer Kommission stattfand) war Die Geister von Versailles es wert, zu warten. Die Oper ist nicht perfekt, aber sie ist eine kolossale Leistung. William M. Hoffmans poetisches Libretto mit Coriglianos sinnträchtiger Stilfusion erschafft nicht nur ein beeindruckendes Theaterspektakel, sondern eine Opera mit intensivem Gefühl, und die LA Opera fängt diese Magie vorzüglich ein. Es war ein Triumph.

Aus dem Englischen übertragen von Hedy Mühleck.

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