Wieder und wieder haben Kritiker den einzigartigen Klang des Königlichen Concertgebouw-Orchesters gepriesen. Die Streicher wurden als „samtig“ beschrieben, der Klang des Blechs „golden“, das Timbre der Holzbläser „ausgeprägt persönlich“, und das Schlagweg hat einen internationalen Ruf. Während die besondere Akustik des Concertgebouw dabei auch eine Rolle spielt, so klingt doch kein anderes Orchester wie das Concertgebouw-Orchester im Saal. Ein weiterer, wichtiger Faktor ist der Einfluss der musikalischen Leiter auf das Orchester. Mit nur sechs Chefdirigenten in 125 Jahren zeigt sich eine außergewöhnliche Kontinuität, so hörbar im Klang wie sichtbar im Programm des Orchesters, das auf Tradition und Erneuerung gründet.

Abgesehen von den sechs Chefdirigenten (Willem Kes, Willem Mengelberg, Eduard van Beinum, Bernard Haitink, Riccardo Chailly und Mariss Jansons) haben auch andere Dirigenten einen hörbaren Eindruck im Spiel des Orchesters hinterlassen, einschließlich Ehrengastdirigent Nikolaus Harnoncourt. Zu den führenden Komponisten, die das Orchester mehr als ein Mal dirigiert haben, gehören Richard Strauss, Gustav Mahler, Claude Debussy, Igor Strawinski, Bruno Maderna, Witold Lutoslawski, Luciano Berio, Pierre Boulez, Hans Werner Henze, John Adams, George Benjamin und Thomas Adès.

Es sind jedoch die Musiker selbst der essentielle Faktor. Das Königliche Concertgebouw-Orchester setzt sich aus 120 Musikern aus etwa 25 Ländern zusammen. Trotz seiner Größe funktioniert es aber eher als Kammerorchester, was die Sensitivität angeht, mit der die Musiker im Tandem miteinander arbeiten. Dafür bedarf es sowohl eines hohen, individuellen Kalibers als auch eines starken gegenseitiges Vertrauens. Die Atmosphäre auf der Bühne und die einzigartige Organisationsstruktur (Orchestermitglieder sind auch Teil des RCO Führungskommittees) fließen zusammen und schaffen genau die richtigen Umstände für außergewöhnliches Musizieren. Die Musiker dürfen glänzen, tragen aber zur gleichen Zeit noch immer die Verantwortung für das Kollektiv. Sie teilen auch da Ziel, bei jeder Vorstellung höchste Qualität zu erzielen, eine Ambition, die weit darüber hinaus geht, einfach alle Töne perfekt zu spielen.

Das RCO ist fest in der Tradition verwurzelt, schaut aber stets nach vorn. Neue Konzertformate werden entwickelt und auf eine neue Publikumsgruppe, einschließlich Kindern, ausgerichtet. Das Orchester hat einige Bildungsprogramme ins Leben gerufen, allen voran die erfolgreiche Akadamie des Königlichen Concertgebouw-Orchesters, die 2003 etabliert wurde. Um das Publikum in der Gegenwart wie der Zukunft zu halten, scheut sich das Orchester nicht, moderne Medien zu nutzen. Seit 2004 nennt es sein eigenes DC- und DVD-Label – RCO live – sein Eigen. Zur Feier seines 125. Jubiläums wurde 2014 RCO Editions gestartet, eine innovative und geschätzte online-App für iPad und iPhone.