Am 13. August 1876 wurden die ersten Bayreuther Festspiele mit Beethovens Neunter Symphonie eröffnet, gefolgt von Das Rheingold. Am 14. August wurde Die Walküre aufgeführt, am 16. Siegfried, und mit der Uraufführung von Götterdämmerung am 17. August hatte die Welt ihren ersten vollständigen Ring-Zyklus erlebt. In Anwesenheit von Kaiser Wilhelm, Friedrich Nietzsche und der Crème de la Crème der Musikwelt – Bruckner, Grieg, Liszt, Tschaikowski – war es ein wahrhaftiges Großereignis. 150 Jahre später hat Bayreuth nichts von seinem Mythos eingebüßt und ist nach wie vor ein kulturelles Phänomen und ein jährlicher Wallfahrtsort für Tausende von Wagnerianer*innen. Wir haben unsere eigenen Rezensent*innen gebeten, ihre schönsten Erinnerungen mit uns zu teilen: Krokodile, Waltraud Meier, Buchhandlungen, Angela Merkel und der beste Ort, um sich bei einem Bier abzukühlen.

Bayreuther Festspielhaus (Dronenshot) © Corinna Heumann
Bayreuther Festspielhaus (Dronenshot)
© Corinna Heumann

David Karlin: 2014, zu Beginn meiner Karriere als Opernkritiker, empfand ich es als seltenes Privileg, einen Ring-Zyklus in Bayreuth zu sehen. Man kann jedoch mit Fug und Recht behaupten, dass ich nicht der einzige Kritiker war, den die Flut scheinbar zusammenhangloser Ideen in Frank Castorfs Siegfried-Inszenierung verwirrte. Der entscheidende Moment war, als zwei Plastikkrokodile begannen, über die Bühne zu streifen und gierig nach allem zu schnappen, was ihnen in den Weg kam. Eines von ihnen fraß sogar den Waldvogel.

Meine Verwirrung ließ etwas nach, als mir ein freundlicher Sitznachbar erklärte, dass Castorf ein Ostdeutscher der alten Schule sei und die Inszenierung voller Anspielungen auf Ostberlin zu DDR-Zeiten sei – und zwar nicht nur auf die sofort erkennbaren Wahrzeichen wie den Fernsehturm und die Uhr am Alexanderplatz. Die Krokodile, erklärte er, seien ein Insiderwitz über eine Episode aus Kriegszeiten, als der Berliner Zoo bombardiert wurde und die Tiere auf den Straßen herumstreunten. Die Realität, wie ich inzwischen gelesen habe, ist noch viel trauriger: Die Krokodile haben niemanden gefressen, sondern sind einfach erfroren.

Die Bayreuther Regisseure kennen ihr Publikum, insbesondere das deutsche. Wenn die meisten internationalen Gäste ebenso verwirrt waren wie ich, würde ich wetten, dass dies bei den meisten Deutschen nicht der Fall war.

Frank Castorfs <i>Siegfried</i> &copy; Enrico Nawrath | Bayreuther Festspiele
Frank Castorfs Siegfried
© Enrico Nawrath | Bayreuther Festspiele


Michael Vieth: Um 1976, vor 50 Jahren also, war ich mitten im Physikstudium. Musikalisch gerade dabei, die Bruckner-Symphonien zu erschließen. Da lag die Versuchung nah, mich an eine Wagner-Aufführung in Bayreuth zu wagen. Nein, nicht live – auf meiner Bude, vor dem Kofferradio, das Reclam-Textheft auf den Knien. Mein erster Parsifal

Ich habe ihn durchgehalten. Und drei Jahre später kurzfristig ein Ticket ergattert zu Götz Friedrichs Lohengrin: in der Derniere sprang dann Siegfried Jerusalem für den inständig erwarteten Peter Hofmann ein. 1983 in Friedrichs Parsifal scheinbar Pech, dass eine unbekannte Waltraud Meier an Stelle von Gwyneth Jones die Kundry sang. Danach schwenkten Fans aus der letzten Reihe Plakate mit „Würzburg grüßt Waltraud“! 

Zum meinem 40. Geburtstag wieder Parsifal, nun in Wolfgang Wagners Regie. Mit Freunden draußen auf der damaligen Parkplatz-Wiese: als sie den Kofferraum öffneten, kam zwischen den Aufzügen aus feinen Picknick-Körben als Birthday-Surprise Glyndebourne-Feeling auf.

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1998 mein erster Ring, von Kirchner und Levine, der auf einem Stadtspaziergang vor mir an der gleichen italienischen Eisdiele seinen kühlenden Becher holte. Auch ohne sein legendäres Handtuch habe ich Jimmy sofort erkannt. Und sein Ring-Dirigat: musikalisch erste Sahne!

Die meistberührende Inszenierung? Vielleicht 2021 Koskys Meistersinger, ein Bilderrausch auf der Bühne, von Michael Volle und und den Meistern jedes Wort auch ohne Übertitel zu verstehen. Chapeau!

Waltraud Meier (Kundry) und Peter Hofmann (Parsifal) Götz Friedrichs <i>Parsifal</i> (1984) &copy; Bayreuther Festspiele GmbH | Wilhelm Rauh
Waltraud Meier (Kundry) und Peter Hofmann (Parsifal) Götz Friedrichs Parsifal (1984)
© Bayreuther Festspiele GmbH | Wilhelm Rauh


Pierre Liscia-Beaurenaut: Abgesehen von den dicken roten Steinmauern, den Fanfaren und den Gartenzwergen zeichnen sich die Bayreuther Festspiele durch die faszinierende Spannung zwischen der Nüchternheit des Veranstaltungsortes und der Extravaganz ihrer Inszenierungen aus. Fünfzig Jahre nach Patrice Chéreau wagen die Festspiele alles, zu jeder Zeit. Das ist manchmal zum Verzweifeln, trifft aber gelegentlich genau ins Schwarze. Man denke zum Beispiel an jene zutiefst bewegende Szene von Wotans Abschied während der Festspiele 2024. Nach einer durchwachsenen Aufführung weist Brünnhilde die Umarmung ihres Vaters zurück, als er sie ihrem Schicksal überlässt, woraufhin er sich vor Qual am vorderen Bühnenrand windet. Ein Bild von seltener Intensität und unvergleichlicher Schönheit. Vielleicht liegt genau darin die Stärke des Festivals: Hinter dem großen Aufwand und der Extravaganz verbirgt sich diese Fähigkeit, für einige gestohlene Augenblicke das Herz eines jeden von uns einzufangen – in einem intensiven Moment der Einheit mit uns selbst.

Richard Wagner II / Richard Wagner, Skulptur, Ottmar Hörl, www.ottmar-hoerl.de &copy; Elisabeth von Pölnitz-Eisfeld / Simeon Johnke
Richard Wagner II / Richard Wagner, Skulptur, Ottmar Hörl, www.ottmar-hoerl.de
© Elisabeth von Pölnitz-Eisfeld / Simeon Johnke


Isabella Steppan: Worauf stellt man sich ein, wenn man mitten im Hochsommer die Bayreuther Festspiele besucht? Richtig, auf Hitze und den damit verbundenen Beinahe-Kreislaufkollaps während der Vorstellung sowie auf sommerlichen Pausengenuss im weitläufigen Areal rund um das Festspielhaus. Ausgestattet mit luftigem Outfit, Fächer und allerhand kühlenden Accessoires machte ich mich also im Juli 2023 auf zur Premiere von Parsifal… nur um vor Ort feststellen zu müssen, dass entgegen der ursprünglichen Wettervorhersage eine Kaltfront – mit lauschigen 15°C Höchsttemperatur – den Grünen Hügel spontan annektiert hatte. Frieren statt flanieren stand also am Pausenprogramm und das Gläschen Champagner hätte ich nur zu gerne gegen eine Tasse Glühwein eingetauscht. Dass ich trotz Kälte in einem Anflug von geistiger Umnachtung versehentlich ein Frozen Joghurt bestellt (und bibbernd gegessen) habe, führe ich im Übrigen darauf zurück, dass Elīna Garanča und Andreas Schager einen so packenden und funkensprühenden zweiten Akt gesungen haben, dass Raum, Zeit und Klima für einen Augenblick völlig in Vergessenheit gerieten. 

Andreas Schager (Parsifal) und Elīna Garanča (Kundry) in Jay Scheibs <i>Parsifal</i> (2023) &copy; Enrico Nawrath | Bayreuther Festspiele
Andreas Schager (Parsifal) und Elīna Garanča (Kundry) in Jay Scheibs Parsifal (2023)
© Enrico Nawrath | Bayreuther Festspiele


Ako Imamura: Seit 2010 habe ich das Glück, jedes Jahr die Bayreuther Festspiele besuchen zu können. Auch nach all den Jahren gibt es nichts Schöneres als die Spannung im Moment, kurz bevor im abgedunkelten Theater der erste Ton erklingt. Wenn einen die Musik, die scheinbar aus dem Nichts und von überall her kommt, umhüllt, verwandelt sich die Vorfreude bald in die pure Begeisterung, stundenlang Wagners Musik in Gesellschaft anderer Wagner-Liebhaber zu erleben.

Meine schönsten Erinnerungen an die Festspiele reichen bis zu meinem allerersten Besuch im Jahr 1999 zurück, als ich mit den Mitgliedern der Wagner Society of New York reiste, um vier Opern außerhalb des Rings zu besuchen: Tannhäuser unter der Leitung von Thielemann, Die Meistersinger mit Barenboim (es war sein letzter Sommer in Bayreuth), Lohengrin und Der fliegende Holländer.  Als ich am ersten Tag den Grünen Hügel hinaufging und die sorgfältig gepflegten Rasenflächen und Blumen sah, dachte ich, ich wäre gestorben und im Himmel gelandet. Tägliche Vorträge auf Englisch am Vormittag und Zusammenkünfte nach den Opernvorstellungen im Bürgerreuth oben auf dem Hügel waren für den Neuling der perfekte Einstieg in das Bayreuther Festivalerlebnis. Die Gruppe hatte eine persönliche und vertraute Audienz bei Wolfgang Wagner, der uns freundlich empfing und uns großzügig seine Zeit schenkte.

Auch nach vielen Jahren und zahlreichen Opern bleibt Bayreuth der zauberhafteste und mir am meisten am Herzen liegende Ort, und ich hoffe, meine jährliche Pilgerreise so lange wie möglich fortsetzen zu können. Das unberechenbare Wetter, oft heiß, manchmal aber auch kühl und regnerisch, die Herausforderung, auf einem unbequemen Stuhl still zu sitzen, sowie die mangelnde Auswahl an Erfrischungen (vor allem, wenn man kein Fleisch isst) sind allesamt ein sehr geringer Preis, den man dafür zahlen muss. Bayreuth ist vielleicht nicht jedermanns Sache, aber es ist zu einem wichtigen und unverzichtbaren Teil meines Lebens geworden.

Fanfare am Balkon des Festspielhauses &copy; Meike Kratzer
Fanfare am Balkon des Festspielhauses
© Meike Kratzer


David Larkin: Wenn ich an die Festspiele 2015 zurückdenke, fallen mir sofort einige Dinge ein: Fanfaren, Notausgangsschilder und Angela Merkel. Letztere war bei der neuen Inszenierung von Tristan anwesend, mit der die Festspiele eröffnet wurden. Ich wünschte, mehr Politiker würden ihr Interesse an der Kunst teilen! Während mich Katharina Wagners Inszenierung nicht wirklich begeisterte, waren Christian Thielemanns Tempo und seine Gestaltung des Orchesterklangs faszinierend. Lobenswert war auch Kirill Petrenkos Dirigat im Ring-Zyklus, obwohl Frank Castorfs Inszenierungsteam am Ende trotz einiger eindrucksvoller Bühnenbilder (zum Beispiel der kommunistische Mount Rushmore in Siegfried) lautstark ausgebuht wurde.

Eine schöne Bayreuther Besonderheit war, dass wir nach den langen Pausen durch Fanfaren der Blechbläser vom Balkon zurückgerufen wurden, die jeweils passend zur Musik, die wir gleich hören sollten, eingeleitet wurden. Moderne Sicherheitsvorschriften schmälerten leider den beabsichtigten Effekt zu Beginn von Das Rheingold, wenn das Saallicht erlischt: Die völlige Dunkelheit wird heutzutage durch das grünliche Leuchten der Notausgangsschilder durchbrochen. Anscheinend ist in jedem Ring-Zyklus nur ein einziger alles verschlingender Großbrand erlaubt. Als Wagner-Forscher schätze ich die Erinnerungen an diesen Besuch sehr: Es ist etwas, das jeder, der sich für Oper interessiert, mindestens einmal im Leben erleben sollte.

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Bayreuther Festspielhaus &copy; Enrico Nawrath | Bayreuther Festspiele
Bayreuther Festspielhaus
© Enrico Nawrath | Bayreuther Festspiele


Alexandra Richter: Während jedes Jahr unzählige Wagner-Enthusiast*innen auf den Grünen Hügel pilgern, gilt für mich ein ganz weiterer Ort als heilige Stätte: das Antiquariat Rainer Schlicht in der Richard-Wagner-Straße 22a. Nur unweit der Villa Wahnfried ist dies der Ort, an dem man die spannendsten Menschen, vornehmlich Gleichgesinnte des Wagner-Wahns, trifft. Auf mehreren Etagen und in zahllosen Regalen und Bananenkisten verbergen sich Schätze, die nur darauf warten, geborgen zu werden. Partituren, Bücher, Schallplatten, Autogramme, Kunstdrucke, Festspiel-Programmhefte, und vieles mehr. Rainer Schlicht hat praktisch immer geöffnet und für kleines und großes Geld so ziemlich alles im Angebot, was das Wagner- und Künstlerherz höherschlagen lässt. Dort trifft sich ein Klientel wahrer Liebhaber*innen, so dass der bloße Besuch einer Oper auf dem Grünen Hügel mitunter beiläufig erscheint. Stundenlange aufschlussreiche Gespräche, eine echte Expertise und den einen oder anderen Gossip gibt es hier obendrauf. Dieses Antiquariat zeigt, dass Bayreuth zur Festspielzeit so viel mehr zu bieten hat, als nur die Opernaufführungen selbst und dass man immer mit einem leeren Koffer anreisen sollte, um diesen dann mit Lesestoff für die elf Monate bis zum folgenden Festspielsommer zu überbrücken.

Impressionen aus dem Antiquariat Rainer Schlicht &copy; Alexandra Richter
Impressionen aus dem Antiquariat Rainer Schlicht
© Alexandra Richter


Nadja Dobesch-Warlick: Bei den Bayreuther Festspielen ist regelmäßig die musikalische Weltelite vor dem Hintergrund spannender Inszenierungen zu sehen, aber auch abseits davon ist der Grüne Hügel ein Erlebnis für sich: Man steht plötzlich vor Angela Merkel, und in der Buchhandlung gleich darauf neben Waltraud Meier. Man hat eine Stunde Pause nach jedem Aufzug und schafft die Riesenportion Rostbratwürste mit Kartoffelsalat trotzdem gerade noch rechtzeitig, um nicht den Auftritt der Fanfarenbläser am Balkon des Festspielhauses zu verpassen (dann ist die Pause ohnehin aus – das nächste Mal vielleicht doch Gourmet-Wahnfood vorbestellen?). Man sieht junge schicke Leute aus aller Welt und freut sich, dass das betagte Ehepaar, das zum Abendessen einfach nach Hause gegangen war, nach der Pause wieder pünktlich am Platz sitzt, während andere unter Sorry!-Rufen gleich dreimal 25 Leute in den langen Reihen von ihren Sitzen holen. Und trotzdem möchte man das Festspielhaus nicht anders haben. Wenn zum Schlussjubel gestampft wird, bis der Boden des tribünenartigen Zuschauerraums schwingt, ist man sicher: Das sind die Bretter, die uns Wagner-Fans die Welt bedeuten.

Orchestergraben des Festspielhauses &copy; Bayreuther Festspiele
Orchestergraben des Festspielhauses
© Bayreuther Festspiele


Zoltán Szabó: Ich war bereits zweimal bei den Bayreuther Festspielen, beide Male, um Kritiken zu schreiben, allerdings mit einer gewaltigen Pause von 34 Jahren dazwischen.

Wenn ich zurückdenke, bin ich erstaunt, wie viele Eindrücke weitgehend unverändert geblieben sind. Positiv zu vermerken ist die Wagner-Kultur, die man in der kleinen Stadt Bayreuth förmlich atmen kann – und damit meine ich nicht die Kitschläden, die lächerliche Fanartikel zu fast ebenso lächerlichen Preisen verkaufen! Es liegt eine wahre Ehrfurcht in der Luft, auf den Straßen, in den Buchhandlungen und natürlich auch auf dem Grünen Hügel, wenn es um den Menschen, den Komponisten und die deutsche Kulturikone geht.

Noch wichtiger ist die durchweg unglaubliche Qualität des musikalischen Schaffens im Orchestergraben und auf der Bühne sowie das Gefühl der Kameradschaft, das Gefühl von „Alle für einen und einer für alle“ (ich weiß, das stammt von Dumas). Aber… auf der negativen Seite, zumindest wenn man das Thema aus dem konservativen Australien betrachtet: die völligen und allzu oft nicht musikbezogenen Exzesse des Regietheaters. Ja, Barrie Koskys Meistersinger war ein tiefgreifendes künstlerisches Erlebnis, ebenso nachdenklich wie bewegend, aber andere Inszenierungen waren nicht nur schwer zu bewundern, sondern auch schwer nachzuvollziehen (und hier vermeide ich es, Namen zu nennen), da sie so oft kein Verständnis für die Partitur und das Ethos zeigten und es versäumten, unserer Generation und unserer Zeit eine tiefere Bedeutung zu vermitteln.

Barrie Koskys <i>Die Meistersinger von Nürnberg</i> (2018) &copy; Enrico Nawrath | Bayreuther Festspiele
Barrie Koskys Die Meistersinger von Nürnberg (2018)
© Enrico Nawrath | Bayreuther Festspiele


Thomas Schacher: Eine Unterkunft in Bayreuth während der Festspiele zu finden, kann zu einem Abenteuer werden. Besonders krass war die Situation letztes Jahr, als ich für eine Wiederaufnahme der Parsifal-Inszenierung von 2023 akkreditiert wurde. Die noch freien Hotelzimmer kamen für das Budget eines Bachtrack-Mitarbeiters nicht in Frage. Also suchte ich über Airbnb, aber auch dort herrschte ein überschaubares Angebot. Schliesslich fand ich ein Zimmer bei einer berufstätigen Witwe in Seulbitz. Seulbitz – noch nie gehört, was? Ich vorher auch nicht. Das ehemalige Dorf gehört inzwischen zu Bayreuth, liegt aber weit ausserhalb und hat seinen ländlichen Charakter noch fast erhalten. Bei meiner Ankunft holte mich die liebenswürdige Vermieterin mit dem Auto ab. Für die täglichen Fahrten in die Stadt gab es dann immerhin einen Bus, der alle Stunden einmal fuhr.

Zum Problem wurde indes die Rückfahrt am späten Abend. Nach der Parsifal-Vorstellung mit der nicht funktionierenden AR-Brille, musste ich zuerst meinen Unmut im Wirtshaus Oskar bei zwei Grossen Bayreuther Hellen abkühlen. Leider war inzwischen der letzte Bus nach Seulbitz abgefahren. Für Nachtschwärmer hatten die Verkehrsbetriebe jedoch ein Sammeltaxi eingerichtet, für das man sich telefonisch anmelden musste. Ich war misstrauisch, ob das wirklich klappen würde und befürchtete bereits den mich erwartenden einstündigen Fussmarsch in die oberfränkische Pampa hinaus. Doch zur vereinbarten Zeit wartete am Hohenzollernplatz tatsächlich das Taxi und fuhr mich zielsicher bis fast vor die Haustüre meiner Vermieterin.