Dank der lebenslangen Freundschaft zwischen Martha Argerich und Daniel Barenboim kommt man in Berlin des öfteren in den Genuss, diese beiden Ausnahmskünstler zu erleben. Am Ostersamstag war wieder mal Gelegenheit, das zur Zeit sicherlich älteste zusammenspielende Duo in der ausverkauften Philharmonie zu hören. Allein wie Argerich und Barenboim immer Händchen haltend auf die Bühne schreiten, wirken sie fast wie ein königliches Geschwister-Paar. Sie sind Freunde mit gänzlich unterschiedlichen Stimmen, die sich im musikalischen Dialog treffen, einer echten, ebenbürtigen Partnerschaft, die über die Jahre nur noch enger geworden ist.

Martha Argerich © Adriano Heitman
Martha Argerich
© Adriano Heitman

Das Programm bot eigentlich nur Leckerbissen, angefangen mit der Sonate in F-Dur zu vier Haänden, KV497 von Wolfgang Amadeus Mozart. Komponiert im Sommer 1786, ist diese Sonate schon dem reifen Mozart zuzuschreiben und spieltechnisch und musikalisch dementsprechend anspruchsvoll. Biographen glauben, dass diese Sonate in erster Linie für den Unterricht begabter Schüler entstanden ist, und Argerich und Barenboim hätten in ihrer Jugend zu diesen gezählt. Zu Beginn des Abends war ihre gemeinsame Darbietung doch noch etwas gefällig, ein bisschen hölzern, doch dann hattens ich die beiden merklich aufeinander eingestimmt.

Weiter ging es mit den Variationen über ein Thema von Joseph Haydn, Op.56b von Johannes Brahms . Bekannter ist die orchestrale Version; seltener gespielt wird diese Version für zwei Klaviere. Da das Grundthema von Haydn doch sehr bekannt ist, erstaunte es nicht, dass das Publikum fast mitpfeifen wollte. Das mochte nichtzuletzt auch daran gelegen haben, dass man nun schon deutlicher spüren konnte, wie ein lebenslanges, gegenseitiges Vertrauen Intimität auch in der Musik schafft: Barenboim, der mit kraftvollem Anschlag vorantrieb, und Argerich, die dem Stück mit ihrem etwas sanfteren, nuancierteren Klang Fülle und Farbe verlieh.

Daniel Barenboim © Monika Rittershaus
Daniel Barenboim
© Monika Rittershaus
Die zweite Hälfte des Konzertes war Kompositionen von Franz Liszt gewidmet. Es began mit dem 1865 komponierten Concerto Pathéthique in e-Moll, S258 für zwei Klaviere, einer wichtigen und ehrgeizigen Komposition. Hier genügte den beiden Musikern nur ein kleiner Blick, um sich zu vergewissern, dass der Partner den gleichen Gedanken hat. Die temperamentvolle Agilität von Martha Argerich, gepaart mit der eher intellektuellen Strukturiertheit von Daniel Barenboim vermittelte den Eindruck, als würde man einem Gespräch guter Freunde lauschen. Die Réminiscences de Don Juan, S565 für zwei Klaviere beschlossen das Konzert und boten Martha Argerich und Daniel Barenboim Gelegenheit, sich auszutoben. Das Stück beginnt mit einer eigenwilligen Transkription der Arie des Komtur und geht in das romantische „La ci darem la mano“ über. Hier konnte man sich des mentalen Bildes des augenzwinkernden Don Juan und auch des akustischen Eindrucks nicht erwehren, ob der klanglichen Fülle der Klaviere die tatsächliche Orchesterfassung zu hören.

Schade war nur, dass die beiden Pianos untereinander nicht so wirklich harmonierten. Daniel Barenboim spielte auf seinem Klavier, welches sich schärfer und spitzer, immer dominierend und lauter anhörte. Zwar tat dies der Virtuosität einer Martha Argerich keinen Abbruch, aber das Erlebnis wäre noch runder gewesen, waären beide Klaviere besser aufeinander abgestimmt gewesen. Doch das war nur ein kleiner Wermutstropfen an einem sonst erwartungsgemäß berauschenden Klavierabend, der mit drei Zugaben – inklusive eines herrlich poetisch perlenden Prélude à l’après-midi d’un faune von Claude Debussy  - ausklang.

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