Ob man es nun wahr haben will oder nicht: der Tod und die Erinnerung an den Tod betreffen einen jeden von uns. Das Requiem ist der musikalische Ausdruck dieses Gedenkens. Das wohl berühmteste stammt von W.A. Mozart und seit dem Film Amadeus von Miloš Forman wissen die meisten von uns, dass er es auf seinem eigenen Totenbett schrieb. Eine meiner Lieblingskompositionen ist das Requiem in memoriam Josquin Desprez von Jean Richafort, und auch Giacomo Puccini schrieb ein sehr kurzes Requiem zu Ehren von Guiseppe Verdi.

Sofi Jeannin dirigiert den Nederlands Kamerkoor und Amsterdam Sinfonietta
© Marieke Wijntjes

Das Requiem des niederländischen Komponisten Joey Roukens feierte gestern in Amsterdam Premiere. Sein zweiteiliges Werk mit einer Länge von etwas über einer Stunde ist eine intime Komposition. Sie ist abwechslungsreich und tröstlich, und strahlt Akzeptanz aus. „Das würde ich selbst am liebsten bei einem Todesfall hören. Ich kann mir vorstellen, dass man in einem solchen Moment eher Trost braucht als Musik, die den Kummer unterstreicht. In meinem Requiem gibt es viele ruhige Teile, die einen meditativen Charakter haben. Im Gegensatz dazu gibt es poppige und helle, Strawinsky-artige Rhythmen.“

Roukens ist Fan von Bernstein, Korngold und Puccini. Seine erste Symphonie schrieb er mit acht. Vor drei Wochen ging seine „echte” Erste Symphonie in Premiere und wurde von der holländischen Presse euphorisch gefeiert. „Ich komponiere gerne tonale Harmonien, die auf die Tradition zurückgehen, aber auch Pop- und Jazzmusik und sogar Techno versuche ich einzubeziehen. Meine Musik ist auch oft skurril und spiegelt unsere Zeit wider, zumindest versuche ich das.“ Für sein Requiem verwendete er im ersten Teil ausschließlich lateinische Messetexte. Die Invocatio begann im abgedunkelten großen Saal des Amsterdamer Muziekgebouw mit den schnellen Tröpfelgeräuschen eines Rainstick. Konzertmeisterin Jacobine Rozemond setzte danach eine lyrisch verträumte Melodie ein unter der der Nederlands Kamerkoor fast unhörbar flüsterte. Das langsam sich verschnellernde Geigensolo vermischte sich am Ende mit den Klängen eines Gong wonach die Amsterdam Sinfonietta unter der Leitung von Sofi Jeannin con sordino einsetzte.

Der zweite Teil begann nach einer wiederum von einem Gongklang gefüllten zweiminütigen Pause. Roukens hat hier in zwei Zwischenspielen und einem Postludium Texte von Stevenson, Harner und Mark Twain auf Musik gesetzt. Die 16 Chorsänger sangen die englischen Texte nun mit deutlich leichterem Stimmansatz. Man fühlte sich von den deutlich artikulierten Texten behaglich umflort wie in einer Pop-messe. Wie am Anfang rauschten auch zum Ausklang die Reiskörner durch den Rainstick und untermalten das sich zum Ende langsam ins Unhörbare auflösende Good night.

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