Eifersucht wird gelegentlich als ein zentrales Thema von Tosca gesehen, aber obwohl es eine Emotion ist, die die namensgebende Hauptperson zunächst stark antreibt, ist es doch nur eines der vielen Motive, die diese Oper ausmachen. Es geht auch um Scarpias krankhaftes Verlangen, um Angelotti, einem politischen Verfolgten auf der Flucht und natürlich die große Liebe zwischen Floria und Mario.

Sondra Radvanovsky (Tosca) und Jorge de León (Cavaradossi) © Wilfried Hösl | Bayerische Staatsoper
Sondra Radvanovsky (Tosca) und Jorge de León (Cavaradossi)
© Wilfried Hösl | Bayerische Staatsoper

Einige Zeitgenossen Puccinis störten sich daran, dass so viel Handlung, so viel Emotion auf eine kurze Oper gepackt sind. Selbst Giuseppe Giacosa, einer der beiden Librettisten, hielt das die Handlung „für das Musiktheater untauglich“. Doch das war es vielleicht, was Puccini an dem originalen Theaterstück von Victorien Sardou faszinierte. Er wollte eine Oper ohne „das übliche musikalische Übergewicht“ komponieren und ihr letztlicher Erfolg gibt Puccini Recht.

Für die Inszenierung der großen Gefühle hatte man sich 2010 den Schweizer Regisseur Luc Bondy an Bord geholt; das – damals stark kritisierte – Ergebnis ist ein äußerst schlicht gehaltenes. Zwar sind die klassischen Schauplätze Kirche, Palast und Gefängnis erhalten, bestehen allerdings fast nur aus hohen kahlen Wänden. Durch die fehlende Dekoration werden wichtige Gegenstände, beispielsweise das Gemälde im ersten Akt, besonders hervorgehoben, und auch das die konventionelle Beleuchtung spielt dem in die Hände. Man sieht die Person, die gerade im Zentrum der Handlung steht, immer klar, während der Rest oft im Dämmerlicht steht. Obwohl die Beleuchtung wenig variiert, stellt sie doch klar Stimmungen her; so sticht beispielsweise nach der Ermordung Scarpias Toscas Schatten deutlich hervor.

Ein so spartanisches Bühnenbild lässt auch viel Platz für die Sänger und ihr Schauspiel, der genutzt und gefüllt werden will. Während das Ensemble dieser Anforderung durchaus gerecht wurde, muss an dieser Stelle Jorge de Léon als Mario Cavaradossi hervorgehoben werden. War seine Darstellung in den ersten beiden Akten oft zu kitschig, wobei sein sonst klarer Tenor sich nasal färbte, mochte man bei seinem zärtlichen, zunächst verhalten fein geführten und dann intensiv emotionalen „E lucevan le stelle“ geradezu mit weinen.

Ambrogio Maestri (Scarpia) und Sondra Radvanovsky (Tosca) © Wilfried Hösl | Bayerische Staatsoper
Ambrogio Maestri (Scarpia) und Sondra Radvanovsky (Tosca)
© Wilfried Hösl | Bayerische Staatsoper
Sondra Radvanovsky gab eine grandiose Tosca. Zu Beginn des ersten Aktes noch etwas leise, blühte sie im zweiten Akt auf und machte die Verzweiflung und Entschlossenheit mit kernigem Ton greifbar. Die Eifersucht Toscas stellte sie mit einer hohen Stimmfärbung eher kindlich als divenhaft dar, wodurch sie ihrer Figur von Anfang an Sympathien einbrachte. Von der kindlichen Tosca war im zweiten Akt jedoch nichts mehr zu spüren. Radvanovskys volles Timbre erfüllte den Raum und in ihrer Verzweiflung gab sie der Protagonistin eine manchmal sogar rauchige Stimme. Auch ihr „Vissi d’arte“ war keineswegs selbstbemitleidend, sondern wütend und stark.


Goran Jurić
sang seine Partie des Cesare Angelotti sicher und mit viel Herzblut, und Ambrogio Maestri standen in der Rolle des Baron Sarpia gestalterische Tore offen. Scarpia ist einer der schönsten Bösewichte, die die Opernwelt zu bieten hat. Er ist hinterhältig, grausam, pervers und einfach nur abgrundtief böse, und Maestri kostete im zweiten Akt all seine schlechten Eigenschaften musikalisch und spielerisch aus. „Ha più forte sapore la conquista violenta che il mellifluo consenso“ (Stärker ist der Genuss einer gewaltsamen Eroberung als der süßlicher Hingabe) bestätigte er in seinem Monolog mit gefährlich samtenen Timbre und einem schmierigen, selbstzufriedenen Grinsen seine wahre Natur.

Trotz der starken gesanglichen Leistungen waren die wahren Stars des Abends die Orchestermusiker. Anstelle von Karel Mark Chichon stand Daniele Callegari am Pult, doch der Dirigentenwechsel war dem Orchester in keinem Moment anzumerken. Es spielte wie aus einem Guss, jauchzte und seufzte und ging jederzeit flexibel und durchlässig mit Callegari mit. Sein Pianissimo, das wie ein Hauchen klang, war am berührendsten, doch auch wenn es laut wurde, übertönte das Orchester nie die Sänger, blieb kontrolliert und spielte die gesamte Oper hindurch mit einer erstaunlichen Leichtigkeit, die schlichtweg Freude bereitete.