Leonidas Kavakos und Yuja Wang scheinen auf den ersten Blick vielleicht wenig gemeinsam haben, doch schon nach der ersten Brahms-Sonate ist klar: diese beiden Musiker passen perfekt zusammen - und zu Johannes Brahms.

Leonidas Kavakos © Marco Borggreve
Leonidas Kavakos
© Marco Borggreve

Die drei Sonaten für Violine und Klavier sind Werke, die besondere autobiographische Bezüge zum Komponisten haben. Die erste schrieb Brahms, nachdem er von einer Italienreise zurück kam, während derer sein Patenkind Felix Schumann (Sohn von Robert und Clara), verstorben war. Trotz dieses traurigen Umstands aber spielte Kavakos die Melodie des ersten Satzes nicht weinerlich, sondern legte seinen Fokus vielmehr auf die Wirkung von klaren und gerade ausgespielten Haltetönen. Auch Yuja Wang erlag hier nicht der Effekthascherei, sondern unterstützte ihn stattdessen mit einem ernsthaften und technisch astreinen Klavierpart. Es wurde ziemlich schnell klar: Hier haben sich zwei Brahms-Interpreten der Extraklasse gefunden.

Etwas heiterer wird es in der zweiten Sonate. Hier hat sich Brahms in seiner Komposition dem Frühling zugewandt, und diesen brachten die beiden Künstler durchaus in ihre Interpretation ein. Ihr Zusammenspiel hatte etwas sehr Erfrischendes. Kavakos gab besonders dem ersten Satz viel Platz, um die melodiösen Bögen wirken zu lassen, die sich auf Yuja Wangs Klavier-Klangteppichen ausbreiten können. Stimmung erzeugen, das können diese beiden Künstler, jeder auf seine Weise, jedoch immer fein aufeinander abgestimmt.

So schufen sie im zweiten Satz auch einen interessanten Stimmungswandel von der anfangs etwas gediegeneren Einleitung in einen schwungvollen Mittelteil. Leonidas Kavakos akzentuierte stark in den Pizzicato Stellen und gab ihnen dadurch einen sehr tänzerischen Charakter. An solchen Stellen glänze auch Yuja Wang. Sie kostete die Oktavsprünge im Forte voll aus und flog im nächsten Moment wieder sehr fein und leicht über die Triller, die einen stark an das Plätschern eines Baches erinnerten. Der Frühling ist wirklich angekommen.

Yuja Wang © Ian Douglas
Yuja Wang
© Ian Douglas
Die dritte Sonate, in der man auch Brahms' Ideen für die Ungarischen Tänze wiederfindet, bot dann noch einmal eine ideale Gelegenheit für die beiden Musiker, ihre technischen Fertigkeiten zu präsentieren. Leonidas Kavakos gab seinem Spiel auch hier wieder etwas Sprunghaftes, das den Charakter des Stückes unterstrich. Im Adagio wechselte er wieder nahtlos zu den klaren, langen Bögen gab ihnen einen etwas melancholischen Unterton, der einen gleich an die Ungarischen Tänze erinnerte.

Im Ausgleich dazu war der letzte Satz dann besonders für Yuja Wang ein Fest. Sie ist eine Meisterin des kraftvoll klaren Fortes. Ihr zierliche Erscheinung täuscht, sie phrasierte stark, nutze dafür viel Dynamik, und trieb ihren Partner an der Violine mit ausdrucksstarken Läufen und Sprüngen. Kavakos’ akzentstarke Doppelgriffe fügten sich perfekt in diese musikalische Umgebung ein. Kaum waren die letzten Akkorde verklungen, macht sich auch auf den Gesichtern der beiden Künstler ein großes Lächeln breit und das Publikum war die Begeisterung anzusehen.

Diese beiden Musiker spielten Brahms vielseitig und interessant und gaben den drei Violinsonaten mit ihren dynamischen Phrasierungen etwas unheimlich Frisches, arbeiten jedoch auch die gefühlsbetonten Elemente elegant heraus. Was auf dem Programm wie ein steifer Abend mit klassischen Formen aussah, wurde zu einer Reise in die Gefühlswelt des Komponisten.