Opernproduktionen rufen bei Kritikern und Hörern starke Emotionen hervor. In diesem Monat werfen wir ein Schlaglicht auf Regisseure und entdecken den Prozess, in dem neue Inszenierungen geschaffen werden. Viele Regisseure leiten zudem eine Opernkompanie, und wir möchten mehr über ihre Gedanken zu Programmgestaltung und den Herausforderungen herauszufinden, die heutzutage an die Kunstform Oper gestellt werden.

David Pountney ist derzeit Künstlerischer Direktor der Welsh National Opera (WNO) und einer der führenden Opernregisseure der Welt; besonders seine bahnbrechende Arbeit mit der English National Opera war maßgeblich daran beteiligt, die Art und Weise zu formen, in der sich Oper im Vereinigten Königreich seit den 1980er Jahren entwickelt hat. Als Intendant der Bregenzer Festspiele wurde er dafür gelobt, eine absolut ernste Interpretation und einen populistischen Touch zu kombinieren. In diesem Frühjahr ist die WNO auf Figaro Forever-Tournee, einschließlich der Uraufführung von Figaro Gets a Divorce. Die Oper von Elena Langer folgt auf die Geschehnisse des Barbiers von Sevilla und der Hochzeit des Figaro und bildet damit eine Beaumarchais-Trilogie.

Für Figaro Gets a Divorce haben Sie nicht nur eine neue Oper in Auftrag gegeben, Sie haben auch das Libretto selbst verfasst. Warum?

Nun, ich hatte die Idee, eine Fortsetzung zu schaffen und fing an, ein Szenario zu skizzieren, um zu sehen, wie es funktionieren könnte. Als ich das getan hatte, wurde mir klar, dass das zu viel Spaß machte, um es an jemand anderen abzugeben!

Können Sie den kreativen Prozess zwischen Komponist und Librettist bei dieser neuen Oper beschreiben?

Elena und ich haben sehr viel am Text gearbeitet und die Reihenfolge der Szenen etwas verändert. Sie hat ziemlich viel Text gekürzt und ich habe sie dann einiges davon wieder zurückbringen lassen.

Ihr Saisonprogramm ist immer einfallsreich und gewagt – die Beaumarchais-Trilogie, die Donizetti-Königinnen, oder ein Programm um ein bestimmtes Thema. Wie viel Spaß haben Sie beim Zusammenstellen einer solchen Spielzeit, und wer ist noch Teil dieser Planungsphase?

Das Programm ist grundsätzlich meine Idee, doch natürlich werden meine Kollegen bei den praktischen Fragen stark miteinbezogen, die bei einer bestimmten Repertoirewahl aufkommen. Aber ja, ich finde, es ist viel zufriedenstellender, ein zusammenhängendes Programm zusammenzustellen, das Verbindungen zwischen den verschiedenen Werken herstellt.

Ich fand es sehr spannend, im Werbematerial der WNO eine kurze Beschreibung der Produktionen zu lesen, zum Beispiel zu einer modernen, aktualisierten Fassung oder einer historischen Inszenierung. Welche Gedanken stehen dahinter, dem Publikum diese Information vor der Buchung zu geben? Finden Sie, das ist etwas, das andere Häuser auch tun sollten?

Der Hauptgrund dafür ist, dass einige unserer Besucher sich zunehmend für Details der Inszenierung interessieren, besonders die Epoche, in der sie angesiedelt ist. Ich persönlich denke nicht, dass das wirklich einen Einfluss darauf haben sollte, ob man sich dafür entscheidet, eine Produktion zu sehen oder nicht. Ich finde, diese Entscheidung sollte von Neugier und einem offenen Geist beeinflusst sein und nicht von einem vorgegebenen Dogma, wie eine Oper inszeniert werden „sollte“. Aber einige Hörer haben um diese Information gebeten, also geben wir sie ihnen.

Die WNO präsentiert manche Opern in Originalsprache, andere in englischer Übersetzung. Welche Elemente kommen ins Spiel, wenn sie solche Entscheidungen treffen?

Es stellt sich immer die Frage, ob die entsprechenden Stücke dazu geeignet sind. Im Falle der Figaro-Trilogie wurde Divorce auf Englisch geschrieben und ich wollte, dass die Trilogie hinsichtlich der Sprache einheitlich ist.

Wie teilen Sie Ihre Zeit auf zwischen der Leitung der Welsh National Oper und der Regie ihrer eigenen Produktionen? Ist es frustrierend, dass zu wenig Zeit für Ihre eigenen Kreationen bleibt?

Ich komme erst jetzt zum Ende der externen Produktionen, die noch aus der Zeit vor meinem Vertrag stammen, und dann ist da der Ring in Chicago im Herbst, den ich angenommen habe, als mein Vertrag bei der WNO auslief, der in der Zwischenzeit bis 2019 verlängert wurde. Ich bin überhaupt nicht frustriert. Ich habe enormes Glück und fühle mich privilegiert, dass ich Projekte wie die Figaro-Trilogie und In Parenthesis für die WNO kreieren kann und dann an ein paar Projekten außerhalb arbeiten kann. Die Arbeit in anderen internationalen Kompanien hilft mir, die WNO in Kontakt mit der Opernszene zu halten – das ist essentiell, um Partnerschaften und Koproduktionen zu entwickeln.

Was sind die größten Herausforderungen, die sich der Oper heutzutage stellen?

Sicherzustellen, dass wir künstlerisch weiterhin Neuerungen einbringen und ein Publikum finden, dass einen gewagten Ansatz unterstützen. Und dann, das mit den Herausforderungen des Finanzklimas abzugleichen.

Wie sehen Sie die Übertragung von Opern im Kino? Wirkt sich das nachteilig auf die Kunstform aus? Oder erweitert es ein mögliches Publikum? Sieht die Situation mit Web-Streaming anders aus?

Es gab oft die Befürchtung, dass technischer Fortschritt die Menschen davon abhalten würde, live-Vorstellungen zu besuchen, aber in der Praxis hat der einfache Zugang zu Musik durch CDs etc. vielmehr den aktiven Konzertbesuch angeregt. Es gibt jedoch einige Merkwürdigkeiten; eine davon ist, dass dieser technische Fortschritt im Moment dazu beiträgt, die konservativsten Ansichten über die Präsentation von Opern zu verbreiten – Star-basierte Produktionen, hauptsächlich von der Met. Das ist für die Kunstform nicht unbedingt hilfreich, und das gilt auch für die Annahme, dass die „Zelluloid“-Fassung einer Opernvorstellung einer live-Vorstellung gleichkäme. Der bedeutende Unterschied beim Web-Streaming ist, dass es üblicherweise kostenlos ist – so beispielsweise The Opera Platform, auf der unsere Sommerproduktion von In Parenthesis ausgestrahlt wird – und dass die Qualität für viele nicht mit der einer Übertragung im Kino mithalten kann.



Aus dem Englischen übertragen von Hedy Mühleck.