Für unseren Klarinettenmonat auf Bachtrack, haben wir uns entschlossen, kurze Interviews mit Klarinettisten einiger der besten Orchester zu führen, um mehr über die Rolle der Klarinette im Orchester zu erfahren. Diesmal kommen die Soloklarinettisten der Wiener Philharmoniker zu Wort, Matthias Schorn und Daniel Ottensamer.

Matthias Schorn © Lukas Beck
Matthias Schorn
© Lukas Beck

Wie kamen Sie zur Klarinette?

Matthias Schorn: Mein Vater spielte als leidenschaftlicher Amateur in der Musikkapelle meines Heimatortes im Salzburger Land Klarinette und so kam es, dass in mir der Wunsch wuchs auch dieses Instrument zu erlernen – bis am 24. Dezember 1990 unterm Weihnachtsbaum eine Klarinette für mich lag ;)

Daniel Ottensamer: Mein Vater war Klarinettist bei den Wiener Philharmonikern, deshalb war das Instrument daheim sehr präsent. Ich hatte einen sehr natürlichen Zugang und bald den Wunsch, diesen Beruf zu ergreifen.

Gab es einen Klarinettisten, zu dem Sie aufgesehen haben?

MS: Jede Menge: Matthias Schorn sen. (mein Vater), Florian Tiefenbacher und Georg Winkler (meine ersten Lehrer), Albin Rudan, Sabine Meyer, Armin Keuschnigg, Alois Brandhofer und natürlich vor allem mein Lehrer an der Wiener Musikuniversität, Hans Hindler.

DO: Mein Vater, Ernst Ottensamer.

Seit wann spielen Sie bei den Wiener Philharmonikern?

MS: seit 2007

DO: seit 2009

Welche ist Ihre Lieblings-Orchestersolostelle? (Warum?)

MS: Da gibt es unzählige, diese Frage ist für mich nicht zu beantworten.

DO: Das Klarinettensolo aus Puccinis Tosca

Welche ist Ihre gefürchteste Orchestersolostelle? (Und warum?)

MS: Angst ist kein guter Mitmusikant, ich fürchte mich vor keinen Stellen. Aber natürlich gibt es einige, die mir vielleicht weniger gut liegen… ;)

DO: Furcht ist kein guter Begleiter in der Musik. Ich versuche jede schwierige Stelle als Herausforderung zu sehen.

Daniel Ottensamer © Julia Stix
Daniel Ottensamer
© Julia Stix

Welches ist Ihr Lieblings-Klarinettenkonzert?

MS: Von den großen Konzerten ist es – ganz klassisch – das Mozart-Konzert, aber auch das Copland Concerto, Debussys Rhapsodie oder den Cantus von Aribert Reimann müsste ich hier nennen!

DO: Mozarts Klarinettenkonzert.

Gibt es ein Werk für Klarinette, dass Ihrer Meinung nach zu wenig Beachtung geschenkt bekommt?

MS: Das Klarinettentrio von Paul Schoenfield!!

DO: Das Klarinettenkonzert von Paul Hindemith.

Haben Sie die Möglichkeit, Solokonzerte mit Ihrem Orchester zu spielen? Was sind Ihre prägendsten Erinnerungen als Konzertsolist?

MS: Dankenswerterweise durfte ich in den letzten zehn Jahren in drei Serien als Solist vor meinem eigenen Orchester stehen. Die Kraft und Energie der eigenen Kollegen hinter sich zu spüren und auf (im wahrsten Sinne des Wortes) Augenhöhe mit den größten Dirigenten unser Zeit als Solist mit den Wiener Philharmonikern auftreten zu dürfen, gehört für mich persönlich sicherlich zu den größten und prägendsten Erfahrungen meines (musikalischen) Lebens. In meinem Fall waren es die Dirigenten Gustavo Dudamel, Christian Thielemann sowie der leider bereits verstorbene, unvergessene Lorin Maazel, die diese Auftritte zu einem für mich unwiederbringlichen Erlebnis machten!

DO: Bisher durfte ich das Nielsen-Klarinettenkonzert mit meinem Orchester spielen. Das Prägendste Erlebnis war sicherlich die Uraufführung des Tripelkonzerts von Ivan Eröd, mit meinem Vater und meinem Bruder, den Wiener Philharmonikern und Andris Nelsons.

Haben Sie eine spannende Dirigenten-Anekdote für uns? (Gerne auch anonym!)

MS: Dirigent: „Jetzt spielen diese Stelle bitte einmal nur die Kollegen, die sich wirklich sicher sind.” – Taktstock fährt runter, Stille.

Und schlussendlich, für die wahren Klarinettenfans, welche Klarinette und welche Blattmarke und -stärke spielen Sie? Spielen Sie auch auf Plastikblättern?

MS: Ich spiele einen Klarinettensatz von Otmar Hammerschmidt (Wattens, Tirol) mit einem Mundstück der Firma Maxton (Modell „Schorn“), Blätter von Pilgerstorfer, Leuthner und Steuer, keine Plastikblätter!

DO: Ich spiele auf einer Klarinette von Johanna und Otto Kronthaler, Mundstücke von Hannes Gleichweit oder Nick Kückmeir. Plastik ist für mich eine gleichwertige Option zum Holz und ich wechsle gerne zwischen Holz und Plastik.