Rising Stars – die Stars von morgen heißt es reißerisch auf dem Programmheft. Gleich drei deutsche Konzerthäuser haben den deutschen Trompeter Simon Höfele und den italienischen Schlagzeuger Simone Rubino für ihre Kammermusikserie gleichen Namens nominiert. Nach dem Konzert in der Kölner Philharmonie mit Werken von elf Komponisten ist mir vor allem ein Stück, die Schlagzeugkomposition des viel zu früh verstorbenen Peter Sadlo im Gedächtnis geblieben.

Simon Höfele © Marco Borggreve
Simon Höfele
© Marco Borggreve

Rubino ging bei diesen Variationen seines ehemaligen Schlagzeuglehrers vollkommen in der Musik auf und spielte das virtuose Variations on Fuga C II mit seinen mitreißenden Rhythmen konzentriert, mit effektiven Bewegungsabläufen und trotzdem in sich gekehrt. Seine Musikalität und ein seriöses energiegeladenes Musizieren verbanden sich hier auf ideale Weise miteinander. Rubinos Können kam auf den Trommeln und chinesischen Gongs ausgesprochen gut zur Geltung.

Die zwei äußerst populären Kompositionen Rêverie und Claire de lune von Debussy passten thematisch wunderbar zum Programmtitel Nacht. Trotz der fließenden Wechsel in der Begleitung von Marimba zu Vibraphon und Tempelgong wollte bei beiden Stücken jedoch keine ergreifende Stimmung aufkommen. Das Musizieren blieb auf der Bühne und in der technischen Ausführung stecken.

Höfele und Rubino hatten die Hälfte ihres Programms selbst arrangiert. Aus den 12 Melodien der Sternzeichen von Stockhausen hatten sie Widder (Nr. 3), Fische (Nr. 2) und Steinbock (Nr. 12) ausgewählt. Für jedes dieser kurzweiligen Stücke hatten sich die beiden jungen Musiker andere Instrumente zurechtgelegt. In Capricorn (Nr.12) überraschte Rubino, indem er den Rhythmus über die Bühne tanzend auf seinem Körper als Bodypercussion ausführte und so augenzwinkernd zur Pause überleitete.

Kaan Bulaks Fantasy for Trumpet war trotz der vorher aufgenommenen elektronisch verzerrten Samples vorhersagbar und ohne zwingenden Aufbau. Das galt ähnlich auch für Tan Duns Water Spirit für dessen Soloaufführung sich Rubino zwei durchsichtige Wasserschalen auf die Bühne gestellt hatte. Es plätscherte im wahrsten Sinne des Wortes dahin. Höfele ging es bei Takemitsus Solostück Paths leider nicht viel anders an. Man hatte sich an seinen geschmeidigen Ton gewöhnt und wollte durch mehr als reine Klangschönheit berührt werden. In Hosokawas Trompetenkonzert Im Nebel war der Übergang zum Zwischenspiel eine angenehme Überraschung, in welchem Höfele ohne Mundstück in seine Trompete sang.

Am meisten enttäuschte im zweiten Teil aber die Bearbeitung, die Höfele und Rubino von Frank Zappas Approximate, erstellt hatten. Weder kam der funky Rhythmus dieser Komposition geballter Energie in dieser Fassung zu ihrem Recht, noch überzeugte die Antiklimax, die die beiden klassischen Musiker dadurch eingebaut hatten, in dem sie die dritte Wiederholung von Approximate lautlos spielten. Diese Pantomime wirkte nämlich wie ein schlecht erzählter Witz mit verpatzter Pointe und war ein weiteres Beispiel für die nicht zu Ende gedachte Konzertdramaturgie ihrer Präsentation. Höfele und Rubino hatten sich alle Mühe gegeben, mit Lichteffekten, überleitenden Texten und wechselnden Podiumspositionen von den herkömmlichen altmodischen Konzertgepflogenheiten abzuweichen. Letztendlich konnte aber vor allem die Musikzusammenstellung ihres mehrmals und auch noch im letzten Moment geänderten Programms nicht überzeugen. Das galt leider auch für die Auftragskomposition Milky Way des tschechischen Komponisten Miroslav Srnka. Viel Affinität für die beiden Instrumente konnte ich in seiner Partitur, in der der Marimbapart auch wahlweise von einem Klavier gespielt werden kann, leider nicht entdecken.

Glücklicherweise versöhnte das letzte Stück im Programm, ein Choral La luna piena aus der Feder von Rubino ein wenig mit allen kleinen Ungereimtheiten dieses gut gemeinten modernen Musiknachmittags.

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