Deborah Warners Inszenierung von Tschaikowskys Eugen Onegin aus dem Jahr 2013, die zuletzt 2022 in New York zu sehen war, kehrt für ihre dritte Wiederaufnahme an die Metropolitan Opera zurück. Ihre Inszenierung, die die Handlung von den 1820er Jahren in die späten 1870er Jahre, die Entstehungszeit der Oper, verlegt, wirkt so beklemmend und klaustrophobisch wie eh und je.

Tom Pyes Bühnenbild rahmt das Geschehen des langen ersten Aktes in einem tristen, an eine Werkstatt erinnernden Raum ein, durch dessen Fenster wir einen flüchtigen Blick auf Birken erhaschen und die Bediensteten der Familie Larin auf dem Anwesen hin und her eilen sehen. Die Videoprojektionen von Ian William Galloway und Finn Ross, die russische Wälder, Gewässer und Weizenfelder zeigen – und zwischen den Szenen eingesetzt werden, um Ort und Stimmung zu vermitteln –, schaffen es weitaus besser, ein Gefühl für die weite und abwechslungsreiche russische Landschaft zu vermitteln. Jean Kalmans Lichtdesign ist ein weiteres herausragendes Highlight, insbesondere gegen Ende des ersten Aktes, wo der Sonnenaufgang Tatjanas scheunenartiges Schlafzimmer in einen wunderschönen goldenen Schein taucht, sowie in der zweiten Szene des zweiten Aktes, wo der verschneite Schauplatz des Duells eine außergewöhnlich stimmungsvolle Atmosphäre vermittelt.

In dieser Wiederaufnahme steht Asmik Grigorian – die zuletzt 2024 an der Met bei ihrem hochgelobten Debüt in Madama Butterfly zu sehen war – in ihrem Rollenhausdebüt als Tatjana an der Spitze einer starken Besetzung. Sie blickt auf eine lange Geschichte mit dieser Rolle zurück, die bis ins Jahr 2012 reicht, als sie die Partie erstmals in ihrer Heimatstadt Vilnius in Litauen sang. Als die nachdenkliche Unschuldige, die sich in den lebensmüden Eugen Onegin verliebt und von ihm kalt zurückgewiesen wird – der später aus dem Exil zurückkehrt und sie als selbstbewusste und prinzipientreue Prinzessin vorfindet –, war ihre Darstellung eine Meisterleistung in psychologischer Entwicklung und stimmlicher Flexibilität. In der langen und dramatischen Briefszene vibrierte ihre mitreißende Stimme vor der Intensität der ersten Liebe, und als reife Tatjana war sie hochmütig, aber zutiefst ergreifend, wobei ihre Mimik eine anhaltende Leidenschaft für Onegin verriet.

Iurii Samoilov war als Onegin sowohl stimmlich als auch schauspielerisch elegant und charismatisch. Als weltgewandter Aristokrat, der seine Zuneigung zu Tatjana viel zu spät erkennt, zeigte der ukrainische Bariton eine lebendige und kraftvolle Stimme und zeigte die Entwicklung seines komplexen Charakters – von distanzierter Arroganz bis hin zu feuriger Leidenschaft und Verzweiflung – mit bewundernswertem Können und musikalischem Gespür.
Der Lensky des französischen Tenors Stanislas de Barbeyrac wirkte im ersten Akt übermäßig zurückhaltend, als er Olga, Tatjanas jüngerer Schwester, seine Liebe gestand. Im Laufe des Abends verbesserte sich seine stimmliche Präsenz jedoch deutlich. Während der Feier im zweiten Akt zu Tatjanas Namenstag klang seine Stimme selbstbewusster, und die Töne in seinem hohen Register erklangen mühelos. Vor dem Duell mit Onegin vermittelte seine reichhaltig-lyrische Interpretation von „Kuda, Kuda“ eindrucksvoll den inneren Schmerz seiner Figur angesichts ihrer eigenen Sterblichkeit.

Als Olga überzeugte die russische Mezzosopranistin Maria Barakova mit einer strahlenden und klaren Stimme; sie verlieh der Figur eine bezaubernde Anmut und Verspieltheit und bildete damit einen Kontrast zu ihrer eher in sich gekehrten Schwester. Der ukrainische Bassbariton Alexander Tsymbalyuk hinterließ in seiner kurzen Rolle als Fürst Gremin, dem aristokratischen General im Ruhestand, der Tatjana heiratet, nachdem sie von Onegin zurückgewiesen wurde, einen starken Eindruck. Seine Arie im dritten Akt, in der er sein Glück beschreibt, war einer der bewegendsten und unvergesslichsten Momente des Abends.

Der Großteil der übrigen Besetzung schlüpfte erneut in die Rollen, die sie bereits in der Wiederaufnahme von 2022 verkörpert hatten. Die Mezzosopranistin Elena Zaremba sang als verwitwete Madama Larina mit einer vollen, kraftvollen Stimme. Der Tenor Tony Stevenson überzeugte in seiner Gastrolle als Monsieur Triquet. Die Mezzosopranistin Larissa Diadkova verkörperte Filippyevna, die alte Amme der Familie, als voll ausgereifte Figur, und der Bass Richard Bernstein zeigte sich in seiner begrenzten Bühnenzeit als Zaretsky, Lenskys Sekundant im verhängnisvollen Duell, überraschend selbstbewusst und beeindruckend.

Bei seinem Debüt an der Met entlockte der junge russische Dirigent Timur Zangiev dem Met-Orchester eine mitreißende und dramatische Interpretation von Tschaikowskys üppig-lyrischer Partitur. Besonders einprägsam waren die sich überlagernden Holzbläser in der Briefszene sowie die Klänge des Waldhorns sowohl in dieser Szene als auch im erschütternden letzten Akt. Der Gesang des Met-Chors unter der Leitung von Tilman Michael war durchweg großartig.
Ins Deutsche übertragen von Elisabeth Schwarz.







