Wenn Ihre Vorstellung von tschechischen Essen auf Der brave Soldat Schwejk basiert – Bier, Gulasch, Würstel und Knödel – haben Sie falsch gedacht. Prag ist heute ein bedeutende internationale Stadt, zugänglich für Reisende, Essen und Einflüssen aus der ganzen Welt. Es ist auch eine Stadt, die von reichhaltiger Landwirtschaft mit großartigem Obst und Gemüse umgeben ist. Sie werden also eine Fülle an unterschiedlichen Angeboten für jeden Gaumen und jede Preisgruppe finden. Hier sind einige Eindrücke, die ich bei meinem letzten Besuch in Prag gesammelt habe, mithilfe einiger hilfreichen Einheimischer.

Patisserie im Černá Madona © David Karlin | Bachtrack Ltd
Patisserie im Černá Madona
© David Karlin | Bachtrack Ltd

Wenn Sie diesen Artikel lesen, sind Sie vermutlich auch der klassischen Musik nicht abgeneigt, also sind hier einige Lokale in der Nähe der wichtigsten Konzerthäuser, angefangen beim Rudolfinum, das Stammhaus der Tschechischen Philharmonie. In dieser Gegend wird man regelrecht verwöhnt, denn die Altstadt ist voll mit Restaurants. Unser Lieblingslokal in der gehobenen Kategorie ist La Finestra, fünf Minuten zu Fuß vom Rudolfinum entfernt, von Italienern betrieben, aber mit einem tschechischen Chefkoch, der in so einigen Ländern gelernt hat. Die Speisekarte ist durchwegs italienisch und bietet viel frischen Fisch aus Italien, aber die Gerichte haben einen modernen und individuellen Twist, die sie aufregend anders machen. Wenn Sie auf der Suche nach einer preisgünstigeren Variante sind, gibt es La Bottega di Finestra nebenan, oder Sie wandern weiter zu Mincovna am Hauptplatz, das, wie die meisten Restaurants in Prag, eine Mischung aus traditionellen tschechischen und internationalen Gerichten bietet.

Pasta mit Hirschragout im La Finestra © David Karlin | Bachtrack Ltd
Pasta mit Hirschragout im La Finestra
© David Karlin | Bachtrack Ltd

Das Nationaltheater ist nur 10-15 Minuten von der Altstadt entfernt, aber es gibt bereits einige nette Cafés auf der anderen Straßenseite (Kavárna Slavia und Smetana Q). Mein Tipp ist, die Brücke der Legionen zu überqueren und die Art déco-Einrichtung des Cafés Savoy zu genießen, wo Ihnen eine exzellente Speisekarten mit tschechischen Gerichten geboten wird (sie haben auch herrliches selbstgebackenes Brot). Nebenan ist das Kolkovna Olympia, das eine günstigere und größere Auswahl an Tschechischen Spezialitäten hat.

Patisserie im IF Café © Alison Karlin | Bachtrack Ltd
Patisserie im IF Café
© Alison Karlin | Bachtrack Ltd

Etwas Interessantes in der Nähe der neu wiedereröffneten Staatsoper zu finden, ist aufgrund der Lage beim Wenzelsplatz schwieriger, da die meisten Geschäfte und Restaurants auf den Massentourismus abzielen. Für ein gutes Glas Wein nach der Oper gehen Sie am besten in die Weinbar Vinograf, auf der anderen Seite des Parks und nach der Synagoge. Ein kleiner Tipp: Tschechen essen früh zu Abend (typischerweise 18:00 bis 18:30 Uhr) und die meisten Küchen schließen um 22:00 Uhr. Es ist also schwierig, nach einer Vorstellung noch eine volle Abendkarte zu bekommen. Vinograf bietet jedoch verschiedene kleine Delikatessen als Weinbegleitung. Wir mochten auch die Weinbar Bokovka (einen Katzensprung vom Rudolfinum entfernt).

Bokovka Weinbar © David Karlin | Bachtrack Ltd
Bokovka Weinbar
© David Karlin | Bachtrack Ltd

Vielleicht interessiert es Sie, dass, obwohl das tschechische Bier zurecht gefeiert wird, Tschechien mit Mähren (zwischen Brünn und der österreichischen Grenze) ein großartiges Weingebiet hat. Während des Kommunismus war die Produktion auf Quantität ausgelegt, aber Gegenden wie Pálave setzen heute auf hochwertige Weine und Sorten wie die österreichischen Trauben Silvaner und Grüner Veltliner oder auch internationale wie Chardonnay oder Sauvignon Blanc. Mein Favorit war ein Silvaner von Plenér in Mikulov, trocken und voller verschiedener Geschmäcker im Abgang; ich habe weniger Rotweine getrunken, aber genoss den intensiven Geschmack und langen Abgang eines mährischen Frankovka Barrique.

Obstknödel Café Savoy © David Karlin | Bachtrack Ltd
Obstknödel Café Savoy
© David Karlin | Bachtrack Ltd

Aber was ist „traditionelle tschechische Küche”? Wie die meisten mitteleuropäischen ist sie – nicht weiters überraschend – sehr fleischlastig. Es gibt natürlich Würste (die hier wirklich großartig sind) und Gulasch (das genau genommen ungarisch ist). Mein Lieblingsgericht ist Ente, die traditionellerweise mit Rotkraut serviert wird; ein weiteres Gericht ist Rindfleisch mit Rahmsauce, das nicht so deftig ist wie es klingt; Bierlokale bieten oft Schweinshaxen an; auch Hase und Wildfleisch finden sich oft auf der Speisekarte. Und ja, es gibt so allerlei Arten von Knödeln: Grießknödel, Erdäpfelknödel, Semmelknödel und natürlich Obstknödel: das Café Savoy serviert tolle Zwetschgenknödel mit Zwetschgenröster, Topfen und Mohn (ein in Tschechien üblicher Hauptgang).

Lokal Dlouhááá © David Karlin | Bachtrack Ltd
Lokal Dlouhááá
© David Karlin | Bachtrack Ltd

Sie können gutes tschechisches Essen für jede Geldbörse finden. Wir haben zum Beispiel ein sehr günstiges Würstel-und-Bier-Mittagessen im Lokal Dlouhááá genossen, eines von insgesamt sechs Lokalen. Tipp: die Portionen sind großzügig. Eine Vorspeise reicht vollkommen als Mittagessen aus, ich kann mir also nur schwer vorstellen, einen Hauptgang ohne Hilfe zu bewältigen. Auf der anderen Seite der Preisskala gibt es mittlerweile zwei Michelin Sternerestaurants in Prag. Das erste ist La Dégustation Bohème, das zur selben Gruppe wie Lokal, Café Savoy, Bokovka und dutzend anderer Restaurants in der Stadt gehört. Wir haben das zweit, Field, besucht und wurden nicht enttäuscht. Das Lokal an sich ist etwas karg, aber das Essen ist ideenreich und von einer unglaublichen Komplexität, und verlässt sich gleichzeitig auf tschechische Zutaten und Traditionen. Die Überraschungen begannen mit einem Amuse-Bouche bestehend aus Roter Bete, Schafskäse und geräucherter Pflaume und endeten mit einem Dessert aus (für uns bisher unbekannten) Sanddorn, Wacholder und Bergamotte. Erstaunlich auch ein vollkommen aus Sellerie bestehen Gericht, das mit großem Geschick zubereitet wurde und sowohl köstlich als auch einzigartig war. Kein Restaurant auf diesem Level ist eine günstige Variante, aber Field schneidet im Vergleich mit den Londoner Angeboten hervorragend ab, was den Preis, aber auch den Geschmack und die besondere Balance an Aromen angeht.

Next Door © David Karlin | Bachtrack Ltd
Next Door
© David Karlin | Bachtrack Ltd

Zwischen diesen Extremen liegt ein Lokal, das uns von den meisten Einheimischen, unter anderem Mahan Esfahani, empfohlen wird und glücklicherweise neben unserem Hotel liegt: Next Door. Es ist klassische tschechische Küche mit Zutaten wie Wildschwein auf der Speisekarte, aber mit einer erkennbar modernen Note wie eine erfrischende Rote Bete- und Zitrus-Vorspeise. Ein weiteres Restaurant der Mittelklasse, das wir letzten September kennen und schätzen gelernt haben ist Ungelt, das in einem ruhigen Hof hinter der Teynkirche und nur 10 Minuten vom Rudolfinum entfernt liegt. Es bietet den gleichen Standard was das Essen angeht, aber die Präsentation ist etwas aufwendiger. Eine Sache, die wir bei unseren Reisen festgestellt haben ist, dass die Speisekarten viel Saisonales bieten: die Tschechen scheinen nichts von Flugobst und -gemüse zu halten (wie es die Briten tun).

Das Restaurant unseres Hotels, Café Imperial, das vom gleichen Chefkoch wie Next Door geführt wird, ist berühmt für sein Frühstück, was besonders in der hauseigenen Bäckerei ersichtlich ist: köstliches Brot (Roggen oder mit Nüssen), die Croissants und anderes Plundergebäck (die Vollkorncroissants sind besonders herrlich) oder die Torten. Es hat sich herausgestellt, dass Tschechen das Backen ernst nehmen: wenn wir in einem Restaurant nachgefragt haben, ob das Brot selbstgebacken war, haben uns die Kellner nicht nur einmal schief angeschaut. Selbst der Straßenkiosk bei der Station Masaryk ist voll mit verführerischem Gebäck; die Patisserie des IF Café im Kampa Park und des Černá Madona Restaurant (Black Madonna) war umwerfend (und ein Augenschmaus).

Bäckerei bei der Station Masaryk © David Karlin | Bachtrack Ltd
Bäckerei bei der Station Masaryk
© David Karlin | Bachtrack Ltd

Kaffee und Kuchen spielt in Prag eine ebenso große Rolle wie in Wien: es gibt hunderte Kaffeehäuser. Alfons Mucha, einer der wichtigsten Vertreters des Jugendstils und Lieblingssohn der tschechischen Kunstszene, definierte den Stil, der sich später zum typischen Art-déco Stil des Pariser Cafés entwickelte; sein Vermächtnis lebt in Kaffeehäusern wie das Café Imperial, das Café Savoy, das Café de Paris und unzähligen anderen weiter. Aber falls Sie befürchten, in einer Zeitschleife der 20er Jahre festzuhängen, keine Sorge, es gibt auch ausreichend moderne Cafés. Auf der anderen Straßenseite des Smetana-Hauses mit seinem Mucha-Interieur, lässt das Cacao (Teil einer kleinen Kette) in moderner Inneneinrichtung die Herzen von Schokoliebhabern höher schlagen. Oder Sie besuchen das gemütliche Cukrkávalimonáda in Malá Strana (der Name bedeutet „Zucker, Kaffee, Limonade” und stammt von einem Kinderreim).

Café de Paris © David Karlin | Bachtrack Ltd
Café de Paris
© David Karlin | Bachtrack Ltd

Abschließend sollte ich erwähnen, dass es sich nicht nur um die tschechische Küche und französische Patisserie dreht. Prag ist eine durch und durch moderne und kosmopolitische Stadt: ich bin auf viele Restaurants gestoßen mit Thai, vietnamesischer, indischer, nepalesischer, japanischer, koreanischer, brasilianischer, argentinischer, mexikanischer, amerikanischer und türkischer Küche, geschweige denn die Bagel-Bäckereien, Burgerlokale, Salatbars und eine große Vielfalt an italienischen Lokalen, von La Finestra bis zur bescheidenen Pizzeria. Die größten Probleme haben wohl Veganer – Prag ist eine Fleischstadt und die wenigsten Speisekarten bieten eine vegane Option – aber es gibt immer mehr Restaurants, die sich darauf spezialisieren und asiatische Restaurants sind eine guter Kompromiss für Veganer und Allesesser.

Mit weitaus niedrigeren Preisen als in London und mit dieser Vielfalt an Angeboten ist Prag keine Stadt, die man hungrig verlassen wird.

Dieser Artikel wurde von Prague City Tourism gesponsert.


Ins Deutsche übertragen von Elisabeth Schwarz.