Die Spielzeit 2017-18 der Bayerischen Staatsoper steht unter dem Motto „Zeig mir deine Wunde“ und verbindet Neuinszenierungen von Opern, die sich in unterschiedlichem Ausmaß mit Wunden und Schmerz befassen – sei er körperlich, psychologisch oder beides.

Nationaltheater © Felix Loechner
Nationaltheater
© Felix Loechner

Keine Oper fasst das besser zusammen als Parsifal, die am 28. Juni die Münchner Opernfestspiele, das einen Monat andauernde Sommerfestival des Hauses eröffnet. Pierre Audi führt Regie, doch die meisten werden wohl von der Tatsache angezogen, dass Kirill Petrenko die Art von Superstar-Besetzung dirigiert, die heutzutage nur München versammeln zu können scheint. Die Lokalmatadoren Jonas Kaufmann und Christian Gerhaher geben die Rollen des Parsifal und Amfortas; zu ihnen gesellen sich René Pape (Gurnemanz), Nina Stemme (Kundry) und Wolfgang Koch (Klingsor).

Gerhaher bekommt man schon vorher als Grafen in Christof Loys neuer Hochzeit des Figaro (Premiere am 26. Oktober) zu sehen, zusammen mit Alex Esposito als Figaro, Anett Fritsch als Cherubino und Federica Lombardi als Gräfin. Am Pult steht Constantinos Carydis.

Was die Inszenierung betrifft ist die wohl spannendste Aussicht die auf Frank Castorf, der sich nach seinem erfolgreichen Faust in Stuttgart nun Janačeks Aus einem Totenhaus (21. Mai) zuwendet. Simone Young dirigiert eine starke Ensemblebesetzung.

Die übrigen Neuproduktionen werden einer neueren Generation von Regisseuren anvertraut. Der in Berlin geborene Filmregisseur Axel Rainisch inszeniert Haydns Orlando Paladino im Prinzregententheater, Münchens intime Antwort auf das Bayreuther Festspielhaus. Die Produktion feiert zum Ende des Festivals hin, am 23. Juli, Premiere; die musikalische Leitung übernimmt Ivor Bolton.

Auditorium © Wilfried Hösl
Auditorium
© Wilfried Hösl
Antú Romero Nunes nimmt Verdis Les Vêpres Siciliennes (11. März) in Angriff, mit einem Protagonistenquartett aus Carmen Giannattasio (Hélène), Bryan Hymel (Henri), George Petean (Guy de Montfort) und Erwin Schrott (Procida). Omer Meir Wellber dirigiert was eine spannende Produktion für Verdi-Liebhaber zu werden verspricht, wenngleich die Namenslücke der Choreographie die Frage offenlässt, ob die Ballettmusik dieser Grand opéra eingeschlossen sein wird oder nicht.

Die niederländische Regisseurin Lotte de Beer steht einer Inszenierung von Il trittico vor; in den Hauptrollen hört man Eva-Maria Westbroek und Yonghoon Lee als Giorgetta und Luigi, Ermonela Jaho und Michaela Schuster als Suor Angelica und Zia Principessa, und Ambrogio Maestri und Rosa Feola als Gianni Schicchi und Lauretta. Ein weiterer attraktiver Punkt wird auch Kirill Petrenko sein, der für Puccinis meisterhafte, dreiteilige Partitur den Taktstock schwingen wird.

Münchens besondere Kombination aus breitem Repertoire-System und einem großzügigen Besetzungsbudget bietet bei Wiederaufnahmen immer reiche Beute. Die kommende Spielzeit macht da keine Ausnahme mit über 30 weiteren Opern auf dem wohlgefüllten Spielplan. Wagner-Fans werden sich sofort einen der drei Ring-Zyklen in Andreas Kriegenburgs Inszenierung aus 2012-13 und unter der Leitung von Petrenko in den Kalender schreiben wollen. Zwei davon finden im Januar statt, ein weiterer während der Festspiele, wenn Kaufmann die Rolle des Siegmund übernimmt und die ohnehin stellare Besetzung mit zusätzlichem Sternenstaub beglänzt.

Anja Harteros und Jonas Kaufmann in <i>Andrea Chenier</i> © Wilfried Hösl | Bayerische Staatsoper
Anja Harteros und Jonas Kaufmann in Andrea Chenier
© Wilfried Hösl | Bayerische Staatsoper
Alle Neuproduktionen der Spielzeit 2016-17 werden wiederaufgenommen, falls Sie sie beim ersten Mal verpasst haben, wobei das Traumpaar Jonas Kaufmann und Anja Harteros für Philip Stölzls Andrea Chenier am 29. November aufgespart wurde. Harteros-Fans werden sie im Februar und März in einer der fünf Verdi-Wiederaufnahmen als Amelia in Ballo zu sehen bekommen. Im November singt sie neben Joseph Calleja Tosca; für zwei Vorstellungen im Juli Anna Netrebko Florias Gewänder an.

München bekommt abermals Gelegenheit, Harteros’ Arabella im Rahmen der Festspiele zu hören, und Strauss ist in seinem heimatlichen Haus zudem mit Ariadne auf Naxos (April), Otto Schenks altehrwürdigem Rosenkavalier (März) und der Rückkehr von Barrie Koskys Hitinszenierung von Die Schweigsame Frau (November) vertreten.

Auch im Bereich Belcanto ist viel geboten. Von Rossini sieht man Il barbiere di Siviglia (Januar), La Cenerentola (März) und Il turco in Italia (Oktober) sowie die Wiederaufnahme von Semiramide der aktuellen Spielzeit im Rahmen der Festspiele, dann mit Albina Shagimuratova in der Rolle der rachsüchtigen Königin. Donizettis La Favorite aus der Spielzeit 2016-17 Ende Februar wird ergänzt durch Wiederaufnahmen von L’elisir d’amore (ebenfalls Februar), Lucia di Lammermoor (Dezember und Mai), doppelt besetzt mit Sängern wie Diana Damrau, Juan Diego Flórez, Piotr Beczała, Ludovic Tézier und Mariusz Kwiecien, sowie Lucrezia Borgia (April) mit Edita Gruberova und Flórez.

Bei den übrigen Wiederaufnahmen wird es spannend sein zu sehen, wie sich David Aldens großangelegte Inszenierung von La Calisto macht, wenn sie am 31. März ans Nationaltheater zurückkehrt. Es wird jedoch schwer sein, der Versuchung von Christiane Karg in der Rolle der spitzbübischen Nymphe zu widerstehen.

Bei seinem dominanten Operngefährten kämpft das Bayerische Staatsballett um seinen Platz im Rampenlicht, präsentiert aber trotz allem seine eigene interessante Auswahl neuer Produktionen und Wiederaufnahmen für die Saison. Zu letzteren zählen eine Mischung aus Klassikern (La Fille mal gardéeDon QuixoteSpartacusRaymonda und La Bayadère), ein „CrankoFest“ mit OneginRomeo and Juliet und The Taming of the Shrew des großen britischen Choreographen und die Rückkehr von Christopher Wheeldons Alice in Wonderland.

Werke britischer Choreographen sind auch in den neuen Produktionen vertreten. Portrait Wayne McGregor wird am 14. April enthüllt und schließt dessen Borderlands und Kairos sowie ein brandneues Werk ein. Zu den verbleibenden Premieren zählen Christian Spucks Anna Karenina von 2014 (19. November) und ein Projekt für junge Choreographen im Prinzregententheater, das den eröffnenden tänzerischen Beitrag zu den Sommerfestspielen am 4. Juli liefert.

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Dieser Artikel entstand im Auftrag der Bayerischen Staatsoper.
Aus dem Englischen übertragen von Hedy Mühleck.