Händels geistliches Oratorium La resurrezione wurde 1708 in Rom uraufgeführt und verursachte unmittelbaren Aufruhr, denn der Sänger, der die Protagonistenrolle der Maria Magdalena innehatte, besaß die Dreistigkeit, eine Frau zu sein. Das päpstliche Gesetz der Zeit verbat Frauen einen solchen Auftritt, und der Sopran wurde prompt durch einen Kastraten ersetzt. Zum Glück ist es Frauen nun gestattet, in der Öffentlichkeit zu singen, und die drei, die man in dieser Aufführung hörte, liefen keineswegs Gefahr einer päpstlichen Standpauke. Unter der Leitung von Emmanuelle Haïm gaben Christiane Karg, Camilla Tilling und Sonia Prina zusammen mit Topi Lehtipuu und Christopher Purves eine gute Vorstellung von La resurrezione in der Berliner Philharmonie.

Als Oratorium erhält La resurrezione seinen Antrieb von 29 alternierenden Rezitativen und Arien, die die Ereignisse vorantreiben und den Gefühlen der Personen Ausdruck verleihen. Die Handlung ereignet sich zwischen Karfreitag und Ostersonntag und beinhaltet einen siegreichen Engel, einen rachsüchtigen Luzifer und ausgewählte Heilige. In der Rolle des Engels sang Camilla Tilling mit hellem, wenngleich etwas theatralischem Sopran. Ihre Auftrittsarie, „Disserratevi, o porta d’Averno“ wartet mit berüchtigt schwierigen Koloraturen auf, die Tilling zu überwältigen schienen. Zu Beginn wurde sie auch vom Orchester übertönt, doch zum Ende der Arie hatte sie sich gefangen und sang mit viel Energie. Ihre klare Stimme passte hervorragend zu Christopher Purves' rauem Bass in der Rolle des Luzifer, die er mit gefährlicher Eleganz und gehörigem Maße Empörung sang, außer sich, dass die Tore der Hölle für den Sohn Gottes geöffnet wurden.

Christiane Karg gab eine ausgezeichnete Magdalena. Ihre Stimme ist kernig und golden, doch nicht zu schwer für dieses Repertoire, und die Anmut und der feste Glaube ihrer Figur waren stets deutlich. Besonders aufregend war ihre Arie „Notte, notte funesta...Ferma l'ali“, in der Magdalena die Dunkelheit der Nacht und ihre vergossenen Tränen beklagt. Karg sang mit greifbarer Trauer und wahrer Schönheit. Als Maria des Kleophas gehörte der Abend Sonia Prina. Ihr Alt ist solide und vielseitig, und die Koloraturen ihrer Arien klangen niemals gepresst oder sperrig. Gerade Maria des Kleophas' Arie „Piangete, si, piangete“ hält mehrere schwere Koloraturen für ihren Interpreten bereit, doch hier wurden sie von einer Dame gesungen, die vollste Kontrolle über ihr Instrument besitzt, und ihre Arien waren ergreifend.

Als Evangelist Johannes gelang Topi Lehtipuu eine nicht ganz so erfolgreiche Darstellung. Obgleich er bei guter Stimme war, so malte er doch ein eher monotones Bild. Sein Evangelist war ein treuer Apostel, der auf seinen auferstandenen Herrn wartete, doch er tat es ohne jegliche emotionale Variation in seiner Interpretation, keine dramatische Veränderung des Tones – eine kompetente Vorstellung, der es jedoch an Charakterisierung mangelte.

Die Berliner Philharmoniker, ausgestattet mit einer handvoll Mitglieder des Concert d’Astree, spielten unter der Leitung von Emmanuelle Haïm, die auch am Cembalo saß. Es gab eine interessante Mischung aus modernen und historischen Instrumenten in diesem Ensemble: Die Streicher waren modern und tendierten dazu, die historischen Holzbläser und Lauten zu übertönen. Das Klangergebnis war seltsamerweise zeitlos. Sie spielten herausragend – ein Zeugnis der Hingabe der Musiker an ihr Tun – und Emmanuelle Haïm dirigierte mit Energie und doch vorsichtig. Sie ist eine Dirigentin, die den Barock so gut kennt wie ihre Westentasche, und diese Vertrautheit gestatte es Orchestermitgliedern und Sängern gleichermaßen, im Spielen wundervoller Musik geleitet zu werden. Es war ein schöner Abend. 

Aus dem Englischen übertragen von Hedy Mühleck

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