Die Messa da Requiem von Giuseppe Verdi zählt wohl zu den meistgespielten geistlichen Werken im Konzertbetrieb. Die Sächsische Staatskapelle Dresden brachte das Werk unter Daniele Gatti im Rahmen einer Frühlingstournee nach mehreren Stopps in anderen europäischen Hauptstädten nun in den Wiener Musikverein – und das in einer exzellenten Interpretation.

Daniele Gatti dirigiert die Sächsische Staatskapelle Dresden © Jörg Simanowski (markenfotografie)
Daniele Gatti dirigiert die Sächsische Staatskapelle Dresden
© Jörg Simanowski (markenfotografie)

Bereits bei den ersten Takten des einleitenden „Requiem aeternam“ sorgte die Sächsische Staatskapelle für Gänsehaut. Das extrem kontrollierte, kaum hörbare Piano der Streicher schuf eine intensive Atmosphäre der Stille und überirdischen Andacht. Der goldene, schimmernde Streicherklang entfaltete sich in der wunderbaren Akustik des Musikvereins besonders eindrucksvoll, ergänzt durch warme, nuancierte Holzbläser. Das Schlagwerk agierte präzise und wirkungsvoll und verlieh dem „Dies irae“ eine gewaltige, bedrohliche Wucht, die das Jüngste Gericht spürbar werden ließ.

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Das Orchester beeindruckte überdies mit dynamischer und farblicher Bandbreite; Gatti hielt die Musiker merklich zu größter Präzision an. Überhaupt hatte der Dirigent alles an diesem Abend genau im Blick, denn die Solisten waren nicht wie üblich an der Rampe postiert, sondern standen direkt vor ihm im Orchesterbereich, was eine enge musikalische Verbindung ermöglichte. Gatti setzte auf monumentale Klangwucht und sinfonische Dramatik, ohne die lyrischen und introspektiven Momente zu vernachlässigen. Seine Interpretation wirkte dabei phasenweise beinahe soundtrackhaft – im besten Sinne! Der Chorpart wurde in Wien vom Singverein der Gesellschaft der Musikfreunde übernommen, in großer Besetzung sang der Chor auf sehr hohem Niveau und fand eine organische, ausgewogene Symbiose mit dem Orchester und den Solisten.

Eleonora Buratto, Elīna Garanča, Benjamin Bernheim, Riccardo Zanellato und Daniele Gatti © Jörg Simanowski (markenfotografie)
Eleonora Buratto, Elīna Garanča, Benjamin Bernheim, Riccardo Zanellato und Daniele Gatti
© Jörg Simanowski (markenfotografie)

Riccardo Zanellato ließ sich zwar wegen einer Erkältung ansagen, ließ sich davon nichts anmerken. Obwohl die Basspartie im Verdi-Requiem vergleichsweise kurz ist, überzeugte er mit einer ruhigen, dunkel schimmernden Basswärme, die dem „Mors stupebit“ und dem „Confutatis“ eine würdige, tröstliche Tiefe verlieh. Benjamin Bernheim interpretierte den Tenor-Part mit einer entrückten, ätherischen Färbung. Sein helles, strahlendes Timbre mag nicht jedermanns Sache sein, es passte jedoch hervorragend zum sakralen Charakter des Werks. Technisch war sein Gesang ohnehin makellos: Die Höhen strahlten mühelos und glanzvoll, die Registerübergänge waren fein ausbalanciert und insbesondere die sanften, lyrischen Momente wurden mit großer Sensibilität gestaltet.

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Eleonora Buratto begeisterte mit ihrem wunderbar glänzenden, goldstrahlenden Sopran sowie ihrer eleganten und stilvollen Phrasierung. Die Stimme verfügt über viel Substanz und Leuchtkraft, die besonders im dramatischen „Libera me“ eine intensive emotionale Wirkung entfaltete, wohingegen auch ihre zarten, fein gesponnenen Piani und die lyrische Gestaltung – etwa im „Agnus Dei“ – berührten. Aus der Riege an exzellenten Solisten nochmals herauszuragen, gelang Elīna Garanča, denn die Mezzosopranistin bewies einmal mehr, dass ihr Superstar-Status absolut gerechtfertigt ist: Ihre Stimme wirkte in jeder Lage mühelos, immer intentional eingesetzt und von rubinrotem Strahlen begleitet. Von der sich in den letzten Jahren entwickelten dunklen, voluminösen Tiefe des Brustregisters bis zu den strahlend aufblühenden Höhen wurde die Gesangslinie stets ebenmäßig und elegant geführt. Dabei verband sie Ausdruckstiefe und vokale Perfektion, wodurch ihre Interpretation nicht nur beeindruckte, sondern auch berührte.

Die vier Solistenstimmen fügten sich hervorragend zusammen bildeten gemeinsam mit Chor und Orchester einen wunderbar organischen Gesamtklang, weshalb der Abend in jeglicher Hinsicht als außergewöhnlich bezeichnet werden kann.

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