Es ist nicht zuviel gesagt, wenn man davon spricht, dass das Publikum beim Gastspiel der Brünner Philharmoniker unter Leitung von Aleksandar Markovic auf eine wahre Heldenreise im Sinne Joseph Campells mitgenommen worden ist. Alle drei Werke des Abends beschäftigten sich mit Helden: Taras Bulba von Leoš Janáček stellt das Leiden und vor allen Dingen das Sterben gleich dreier Helden in den Vordergrund, wo hingegen Ein Heldenleben von Richard Strauss als markante Selbstdarstellung des Komponisten gehört werden kann. Im Mittelpunkt dieser beiden stand das Konzert für zwei Klaviere und Orchester d-moll, S61 von Francis Poulenc, das gleich zwei Heldengeschichten erzählt: die von Mozart und die des Tones es.

Aleksandar Markovic © Vladimir Miloradovic
Aleksandar Markovic
© Vladimir Miloradovic

Doch das Konzert von Poulenc brachte auch zwei andere Helden mit sich, nämlich das Klavierduo Silver-Garburg. Es war eine wahre Freude den beiden Solisten, die auch privat ein Paar sind, beim Spielen zuzusehen. Sivan Silber und Gil Garburg gestalteten das technisch sehr anspruchsvolle Konzert mit Jugendfrische und viel Esprit. Dabei bewahrte jede/r der beiden auch ihren eigenen Charakter, was schon bei Poulenc und Fevrier zu hören ist. Silver ist eher die grobe, was aber positiv gemeint ist, wohingegen Garburg dazu neigt der Ästhetiker zu sein, dem auch das Mitschunkeln nicht fremd ist. Die Emanzipationsgeschichte des es in d-moll machte einfach Spass beim Zuhören.

Davor und danach hatte das Orchester seine große Stunde. Die Opfertodthematik ist in Taras Bulba von Janáček omnipräsent. Den Opfertod starb allerdings das Orchester nicht, wenn auch einige Schäfte in der Ausführung fehlte. Manches, wie die Tanzspiele des zweiten Satzes wirkten schlicht etwas zu brav, so dass nicht die richtige Stimmung aufzukommen vermochte.

Ein Heldenleben von Richard Strauss scheint zu den besonders beliebten Tournee-Stücken zu gehören. Nachvollziehbar: es verlangt einen großen Orchesterapparat und bietet den ersten Pulten zahlreiche Gelegenheiten sich zu präsentieren. Herauszuheben ist da vor allen Dingen die Konzertmeisterin des Abends, die eine wundervolle Heldengefährtin abgab. Verspielt, boshaft, leidenschaftlich, so ist ihr Spiel, das vortrefflich der in der Partitur vorgeschriebenen Weise nachempfunden war, zu bezeichnen. Auch den Bläsersolisten gebührt eine Erwähnung. Hier sind die Holzbläser im zweiten Satz, als des Helden Widersacher ebenso zu loben, wie der 1. Hornist im letzten Satz. Im Gesamtklang war das Orchester beim Heldenleben weitaus präsenter als im Taras Bulba. Mit Frische und Elan erklang da des Helden Thema in den Celli und Bässen um dann von den Violinen und dem gesamten Orchester fortgeführt zu werden. Der Höhepunkt des Stückes wird von zwei Sätzen markiert: nämlich von Des Helden Walstatt und von Des Helden Friedenswerken. Im ersten kämpfte das Orchester nicht gegen den Satz, sondern - und das ist erfrischend - mit dem Satz. Sauber intonierte und dennoch kämpferische Bläsersalven prägten das Satzbild ebenso wie das immer wieder vorbeihuschende Helden-Thema, welches im Des Helden Friedenswerke einmal ganz ausbleibt. Doch Strauss' Selbstdarstellungen glänzen auch hier: es erklingen, fein verwoben, verschiedene Thema aus Werken des Meisters. So kommt das Horn-Thema aus Don Juan ebenfalls zu ehren, wie Klänge aus Strauss' erster Oper Guntram. Vor allem den Auftritt Guntrams gestaltete das Orchester mit viel Gespür für die Partitur.