Dass sie zu höchster interpretatorischer Leistung fähig sind und ein sehr ausgewogenes Klangbild zu erzielen vermögen, stellten die Musiker des Carmina Quartetts im Wieslocher Palatin vergangenes Wochenende gemeinsam mit dem Pianisten Teo Gheorghiu unter Beweis.

Carmina Quartett © Lukas Beck
Carmina Quartett
© Lukas Beck
Den Auftakt bildete Szymanowskis Erstes Streichquartett, ein Werk, das 1917 entstand und stilistisch noch zwischen Romantik und an Strawinsky, Skrjabin, Debussy und Ravel orientierter Moderne steht. Diese stilistische Hybridität – die weiten, impressionistisch anmutenden Melodiebögen mit dissonanter Begleitung, die interessanten Klangfarben kombiniert mit ungewöhnlichen harmonischen Fortschreitungen – macht das Werk für ein an konventionellere Werke gewöhntes Publikum schwer zugänglich. Es ist vor allem die erste Violine, die in diesem Quartett immer wieder melodisch im Vordergrund steht, vor einer modern-dissonant und zugleich farbenreichen Begleitung. Matthias Enderle überzeugte dabei mit einem runden, klaren Klang und schönem Vibrato. Aufgrund aber der klanglichen Unausgewogenheit zwischen den vier Interpreten, die sicher auch dem für Kammermusik etwas zu großen Saal geschuldet war, und der bisweilen zu undifferenzierten Klangmasse, wurde die Struktur und musikalische Sinnhaftigkeit von Szymanowskis Quartett nicht immer deutlich.

Auch in Mendelssohns Streichquartett Nr. 2, das in seiner Vielfalt an Kontrastwirkungen und Spieltechniken Szymanowskis Werk um nichts nachsteht, aber naturgemäß einer traditionelleren Tonsprache verpflichtet ist, war das Klangverhältnis zwischen den einzelnen Instrumenten über weite Passagen unausgewogen, die einzelnen Stimmen dynamisch nicht genug ausdifferenziert und aufeinander abgestimmt. Dennoch gelang dem Carmina Quartett insgesamt eine sehr schöne Interpretation des Werkes, in dem der Komponist nicht nur den im Entstehungsjahr verstorbenen Beethoven, sondern auch sich selbst zitiert.

Besonders beeindruckend spielten die Musiker den zweiten Satz, dessen elegischen Kantilene der ersten Violine mit tiefem, runden Klang den lyrischen Charakter dieses Satzes einfing. Im scharfen Kontrast zu diesem Beginn stand das auf Beethovens Thema aus dem langsamen Satz der 7. Symphonie basierende Fugato, in dem das Quartett sein technisches Können bewies. Die abschließende Rückkehr zum lyrischen Thema trugen die beiden Violinen klangschön und wunderbar ausphrasiert vor.

Teo Gheorghiu © Roshan Adhihetty
Teo Gheorghiu
© Roshan Adhihetty
Es war die außerordentlich facettenreiche, so schlichte wie auch schöne Interpretation von Dvořáks Zweitem Klavierquintett durch den Pianisten Teo Gheorghiu, die das Carmina Quartett nach der ersten, etwas unausgewogenen Konzerthälfte zu einer überraschenden Leistung motivierte und diesen Konzertabend zu einem besonderen Erlebnis werden ließ. Dvořáks Quintett entstand 1887 als Neukomposition eines Frühwerkes und gehört heute zu seinen bekanntesten und meist aufgeführten Werken.Liedhaft begann der erste Satz mit seiner sanften Klaviereinleitung und dem vom Cellisten Stephan Goerner warm und weich vorgetragenen elegischen Thema. Bratschistin Wendy Champney stellte das Seitenthema dieses Sonatensatzes vor, durch die an Verzierungen erinnernden Achtelbewegungen und die Melodieführung beschwingt, wonach beide Themen in der Durchführung eine beeindruckend schön interpretierte Verarbeitung erfuhren. Mal irisierend und sanft, mal artikulatorisch geschärft in aggressive Akkordfortschreitungen gebettet, stets präzise im Klavier, das sich kaum merklich als zusätzliche Klangfarbe in den Streicherklang mischte, erschienen die beiden Themen in allen erdenklichen Charakterzügen und Klangfarben, bis der Satz schließlich über dem Hauptthema im Fortissimo zum Ende geführt wurde.

In den beiden folgenden, von Volkstänzen inspirierten Sätzen mit ihren zahlreichen Kontrasten von schnellen, tänzerischen Melodien und melancholischen Abschnitten zeigte der Pianist erneut seine Fähigkeit zu präziser Artikulation und differenzierter Phrasierung, und im Finale, in dem Dvořák ebenfalls Volksmusik verarbeitet, konnten die fünf Musiker schließlich ihre Virtuosität unter Beweis stellen. Außerordentlich brillant war das dynamisch und artikulatorisch gut aufeinander abgestimmte Fugatodes Hauptthemas in der Durchführung, und eine furiose Reminiszenz an dieses beschwingte Thema schloss den Konzertabend nach den anfänglichen Anlaufschwierigkeiten wunderbar ab.