Das schlaue Füchslein ist ein auf der Straße lebendes Punk-Mädchen, das Fuchs-Tags an Mauern sprüht und gegen die spießige und bürgerliche Lebensweise der Menschen revoltiert. Mit sozialen Konflikten aufgeladen zeigt die Oper Frankfurt in der Regie von Ute M. Engelhardt und der musikalischen Leitung von Johannes Debus Bilder und Musik schon das zweite Werk von Leoš Janáček in dieser Spielzeit, ein Werk, das zum Wegträumen in die Natur einlädt.

© Barbara Aumüller
© Barbara Aumüller
Die besondere Sprachkomposition von Janáček, deren Anliegen es laut Dirigent Johannes Debus war, Musik und Gesang mit möglichst wenig Unterschied zu behandeln, spiegelt gleichzeitige die schwierige Struktur des Werks wieder: Es gibt keine melodiös ausgestalteten Arien, sondern alles ordnet sich den schnell wechselnden Szenen mit kaum vorgestellten Figuren unter. Diese Zergliederung erzeugt aber gleichzeitig einen mitreißenden Fluss, dem man sich unter dem exakten Spiel des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters gänzlich hingeben kann.

Louise Alder (Bystrouška) © Barbara Aumüller
Louise Alder (Bystrouška)
© Barbara Aumüller
Die Titelpartie in der Premiere sang das junge Ensemble-Mitglied Louise Alder, die sich die Rolle im Laufe der Aufführungen mit Elizabeth Reiter teilen wird. Louise Alder gab zudem ihr Rollendebüt des Füchslein Schlaukopf, dessen Partie sie auf Tschechisch solide und sicher sang. Mal reißerisch, wild und wütend, dann auch von unterwürfiger Zuneigung zum Förster erfasst, wechselte Louise Alder stimmlich flexibel zwischen den Stimmungsmodi der temperamentvollen Füchsin hin und her. Das energetisch wilde Spiel, mit dem sie ihre Rolle gestaltete, wünschte man sich dennoch mehr im Gesang zu hören. Sie verlieh dem Stück mit ihrer Hauptpartie eine Dynamik und Entwicklung, die sonst nur beim Förster möglich war. Diesen sang Simon Neal, der die Füchsin am Anfang einfängt, bevor sie wie ein kriminalisiertes Gossenmädchen mit dem Messer die Frau Försterin bedroht, um sich wieder in die wilde Freiheit zu entreißen. Schön zu hören war dabei der Spannungsbogen, den der Förster durchleben muss. Anfänglich in zarten Tönen gibt er sich der Versuchung der anzüglichen und wilden Füchsin hin, während er später aus Enttäuschung eine donnernde Stimme an den Tag legt. Als er in der Schlussszene feststellen muss, wie sich der Lauf der Menschen und der Tiere unterscheidet, verfällt er in eine berührende, aber verzweifelte Wehklage, bevor er wahnhaft lacht. Der Verlust der Füchsin zeichnet am Ende seine harte Stimme, die immer präsent ist. Kleinere Partien und kleinere Rollen hingegen wirkten manchmal ein bisschen verloren, wenn das Orchester gleichzeitig ertönte.

Joanna Krasuska-Motulewicz, die die bedrohte Frau Försterin sang, konnte vom ersten Augenblick in ihrer Rolle stimmlich überzeugen. Mit einem starken, holzigen aber trotzdem feinen Timbre sang sie eine wütende Frau, die den Fuchs lieber nur als Muff im Haus behalten will. Beeindruckend auch die Kindersolisten und der Kinderchor. Eine der Rollen, die erst später auftreten, aber denen eine wichtige Bedeutung zukommt, ist der Wilderer Harašta, gesungen von Sebastian Geyer. Da er auch in der letzten, auf Tschechisch gesungenen Janáček-Oper sang, schien ihm die Sprachlichkeit keinerlei Probleme zu bereiten. Auch sehr gut, nur in seltenen Situationen ein wenig untergehend, sang Jenny Carlstedt die Rolle des Fuchses, in den sich die rebellische Füchsin verliebt. Mit einem schmeichlerisch glatten, aber dennoch subtil harten Tongestaltung trug sie ihre Hosenrolle authentisch auf und gab ihr eine jugendhaft männliche Attraktivität, der die Füchsin leicht erliegen konnte. Magnús Baldvinsson und Beau Gibson waren ebenso verlässliche Träger in Gesang und Darstellung.

Simon Neal (Förster) © Barbara Aumüller
Simon Neal (Förster)
© Barbara Aumüller

Die reizenden Chordamen, die nach Amour fou lechzen zu scheinen, boten eine willkommene Abwechslung, die Dynamik in die Handlungsmomente brachte. Das Orchester bestach dafür mit einer Exaktheit, die im großen Maße dazu beitrug, in die Bilderbuch-Welten des Füchslein Schlaukopf abzutauchen. Gerade die längeren hervorragend gespielten Instrumentalpartien entfalteten eine starke Sogwirkung und gaben der Oper eine fantastische Färbung.

Besonders schön ist an dieser Frankfurter Inszenierung, dass sie der Musik und dem Gesang dem Raum gibt, sich völlig auszubreiten und immer wieder aufs Neue aufleben zu lassen. In der Musikalität finden sich immer wieder Momente, die fast unabhängig zueinander zu stehen scheinen. Dieser episodenhafte Charakter gibt den Musizierenden die Möglichkeit, ihre Rolle ein wenig unabhängiger zu gestalten; die einzigen Figuren, die einen Spannungsbogen durchlaufen, sind die Füchsin Schlaukopf und der Förster. In ihnen spiegelt sich das Verhältnis von Mensch und Natur auch mit all seinen Problemen wieder. Wer hier an den Kleinen Prinzen denkt, wird dank der Regie Engelhardts feststellen, dass trotz aphoristischer Struktur die Oper nicht lehrmeisterhaft wirkt. Gesanglich stark und mit guter schauspielerischer Leistung war es ein Vergnügen, dabei der Füchsin und ihrem Widersacher, dem Förster, aus deren anfänglich zahmer Zuneigung in eine wilde Abwendung zu folgen.