Der Bachchor Heidelberg eröffnete mit Felix Mendelssohns Oratorium Elias seine diesjährige Konzertreihe. Der Chor, unter der Leitung von Christian Kabitz, setzt mit den Bachchor-Konzerten die langjährige Kooperation mit dem Philharmonischen Orchester Heidelberg fort. Als Solisten traten die Sopranistin Regine Sturm, die Altistin Nicole Pieper, der Tenor Christian Zenker sowie, in der Rolle des Elias, der Bassbariton Johannes Martin Kränzle auf.

Felix Mendelssohn Bartholdy © Aquarell von James Warren Childe von 1839
Felix Mendelssohn Bartholdy
© Aquarell von James Warren Childe von 1839

Mendelssohns auf dem alttestamentarischen Buch basierender Elias entstand 1846 und erlebt seit seiner Uraufführung eine ungebrochene Erfolgsgeschichte. Das Oratorium zählt zu Mendelssohns bekanntesten Werken und lebt von der dramatisch-theatralischen Gegenüberstellung des vom Propheten Elias verfochtenen monotheistischen christlichen Glaubens mit dem heidnischen Polytheismus. Schon im Prolog, der ungewöhnlicherweise der Ouvertüre des Oratoriums vorangestellt ist, wird dieser Gegensatz greifbar. Kränzle sang den aufsteigenden, Dreieinigkeit symbolisierenden Dreiklang auf "So war der Herr" in sanfter, leiser tiefer Lage und vollzog mit seiner Stimme die dramatische Gegenüberstellung zu den fallenden, dissonanten Tritoni im Forte auf der Androhung der göttlichen Strafe einer Dürre: es "soll weder Thau noch Regen kommen". Als Elias beeindruckte Kränzle während des gesamten Oratoriums durch die Ausdrucksweite seiner Stimme, mit der er gleich zu Anfang die Grundproblematik des Werkes verdeutlichte.

In der Folge wird im Oratorium von der einsetzenden Dürreperiode und von dem Schutz Gottes, unter dem Elias steht, berichtet, bevor die Widererweckung eines verstorbenen Knaben in den Vordergrund rückt. Besonders beeindruckend interpretierte der Bachchor die sich anschließenden Bekehrungsversuche Elias. Ein Opfermahl für Baal und für den christlichen Gott dient Elias als Beweis des rechten Glaubens. "Baal, erhöre uns!", skandierte der Chor in mächtigen, rhythmisch präzisen Rufen. Erstmals waren dabei Chor und Orchester klanglich ausgewogen. Leider gelang es dem Heidelberger Philharmonischen Orchester vor allem im ersten Teil selten, zu einem stimmigen Gesamtklang mit dem Chor und den Solisten zu finden. Auch die Solisten kämpften deutlich hörbar gegen den massiven Orchesterklang an, der sich den akustischen Gegebenheiten der Peterskirche nicht anpasste und dadurch bisweilen unpräzise und wuchtig wirkte.

Nichtsdestoweniger entwickelte sich diese Opferszene zu einem der Höhepunkte des Abends. Auf die Rufe der Propheten Baal antwortete Solist Kränzle mit deutlicher Ironie in der Stimme "Rufet lauter". Es war einer der Momente des Konzerts, in dem die Vielseitigkeit der Stimme des Bassbaritons deutlich wurde. Seine Ironie stachelte die Propheten Baals zu inständigen "Baal"-Rufen an, begleitet vom mächtigen von Pauken und tiefem Blech dominierten Orchester. „Gib uns Antwort,“ deklamierten die Sänger hörbar verzweifelt, gefolgt von Generalpausen, die die Dramatik der Szenerie eindrucksvoll verstärkten. Die hohe und anspruchsvolle Singpartie des Knaben, der vom Ende der Dürreperiode nach der Bekehrung der Heiden kündet, übernahm ein Würzburger Domsingknabe. Mit der Reinheit und Klarheit seiner Stimme schuf er eine besondere Atmosphäre und verlieh diesem Wendepunkt der Handlung in der von Gottes Gnaden "der Himmel schwarz [wird]" eine engelsgleiche Klangfarbe .

Der zweite Teil des Oratoriums, der sich auf Elias Prophezeiungen gegen den heidnischen König Ahab, auf die die Königin mit dem Aufruf zur Tötung Elias reagiert, konzentriert, erreichte eine viel bessere Balance zwischen Sängern und Orchester. Dennoch litt bisweilen die Textverständlichkeit unter dem immer noch zu stark im Vordergrund stehenden Orchesterklang. Nicole Pieper in der Rolle der Königin sang die Anklage gegen Elias mit weicher, klarer Stimme, die sich ausdrucksstark und dramatisch bis zum Ruf "Tötet ihn" steigerte. Elias resigniert – "Es ist genug!" sang Kränzle ruhig, drückte mit ergreifender Wucht seine Ergebenheit aus. Guillaume Artus am Violoncello beantwortete mit seiner gefühlvoll ausphrasierten Melodie den Gesang Kränzles, bis die Arie gemeinsam mit dem Orchester einen dramatischen Abschluss fand.

Elias fährt schließlich auf in den Himmel, während in Aussicht auf das neutestamentliche Geschehen der Messias angekündigt wird. Christian Zenker, der während des gesamten Konzertes mit einem sanften, ausdrucksstarken Tenor überzeugte, besang das kommende Licht, während die Sopranistin das Leben des Elias in einer anspruchsvollen Arie reflektierte. Bis auf gelegentliche intonatorische Schwächen zeigte die Sopranistin Regine Sturm mit ihrer reinen, mit angehemem Vibrato versehenen Stimme in diesem Konzert eine außerordentliche Leistung. Im Schlusschor wurde die Herrlichkeit Gottes in einer fulminanten Steigerung besungen. Die skandierten Rufe „Herr unser Herrscher!“ und das „Amen“ beschlossen schließlich dieses eindrucksvolle Oratorium.

Der Chor drückte die Theatralik des Werkes, den Widerstreit zwischen Christentum und Heidentum, die Kontrastierung musikalisch ruhiger und sich bis in den vollen Orchester- und Chorklang steigernder Passagen, die diesen Widerstreit symbolisieren, auf sehr gute, ansprechende Weise aus. Trotz der klanglichen Unausgewogenheit mit dem Orchester gelang dem Bachchor so ein eindrucksvolles Konzert, das vom Publikum mit stehenden Ovationen belohnt wurde.

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