Wie schön ist die Überraschung, wenn sich ein Konzert zu einer fulminanten Visitenkarte der Künstler verwandelt - wie für das Bergener Philharmonische Orchester und für seinen grandiosen Chefdirigenten Edward Gardner wandelt. Im Prinzregententheater in München zeigten sich die Philharmoniker als wandlungsfähiges Orchester mit unbändiger Freude am Musizieren.

Truls Mørk © Morten Krogvold | Virgin Classics
Truls Mørk
© Morten Krogvold | Virgin Classics
Den Norwegern gelang gleich zu Beginn mit Wagners Ouvertüre zu Rienzi ein mitreißender Auftakt zu einem Konzert mit drei völlig verschiedenen romantischen Werken. Gardner ließ den Klang des Orchesters sehr organisch aufblühen und scheute dabei ein voluminöses Fortissimo nicht, vermied es aber dabei zu lärmen. Die Norweger präsentierten sich in der Ouvertüre mit edlem und festlichem Timbre. Die Geigen hätten an mancher Stelle noch etwas mehr Glanz versprühen können, allerdings machten die Philharmoniker das mit ihrer großartigen Spielfreude und Gardners Liebe für die detailreiche Ausarbeitung der Komposition mehr als wett.

Elgars deutlich kantigeres Cellokonzert stand in starkem Kontrast zu Wagners feierlicher Ouvertüre und Gardner wählte einen sehr nüchternen Ansatz, der den dramatischen Charakter des Werks allerdings nur umso mehr unterstrich. Solist Truls Mørk eröffnete das Konzert mit bedeutungsschweren, kräftigen Akkorden, die viel Emotion versprachen. Mørks Ton war in der tiefen Lage angenehm warm und in der Höhe wohltuend rund und klar. Neben den expressiven Passagen gelang es Mørk auch mit großer Simplizität in den lyrischen Passagen, die klare Schönheit des Themas des ersten Satzes herauszustellen, welcher bei Mørk und Gardner einen balladenhaften Charakter erhielt. Dabei hörten Solist und Orchester gut aufeinander und entwickelten die Themen in präziser Zusammenarbeit und es gelang den Bergener Philharmonikern, neben der Dramatik in den Ecksätzen auch die lyrisch ruhige Stimmung unaufdringlich und ohne allzu große Sentimentalität zu interpretieren.

Edward Gardner © Benjamin Ealovega
Edward Gardner
© Benjamin Ealovega
Dasselbe galt auch für Berlioz' Symphonie fantastique, bei der Gardner auf den Kontrastreichtum der vielen Klangfarben Wert legte. Besonders im ersten und dritten Satz, die beide eine ungeheure lyrische Kraft besitzen, zeigte sich das Orchester als unaufgeregter Erzähler, der mit unglaublicher Ruhe und feinem Gespür für präzise dynamische Abstufung die verschiedenen Motive und Stimmungen aufeinander treffen ließen. Nebenbei eigneten sich die Sätze auch für die Präsentation der exzellenten Solisten in den Reihen des Orchesters. Für den zweiten Satz, den Ball, entschied sich Gardner für einen sehr glanzvollen, eleganten Klang, der sich zu großer Walzerfröhlichkeit ausweitete; dennoch fanden die Philharmoniker auch für die beiden letzten, dunklen Sätze den richtigen Ansatz. Gardner gestaltete den Gang zum Schafott als einen grotesken Marsch mit genauen Akzentuierungen und sattem Klang, der bereits vereinzelte Beifallsbekundungen des Publikums erntete.

Dennoch wusste er mit dem Finalsatz noch einmal mehr aus den Musikern herauszuholen. Mit rasantem Tempo, dem die Musiker allerdings mit Leichtigkeit gewachsen waren, beschwor er einen höllischen Hexensabbat herauf, der mit tiefschwarzem Dies irae, kantigen Ausbrüchen und einem fulminanten Finale keine Wünsche offenließ. Dabei wirkte das Orchester zu keiner Zeit angestrengt, entwickelte die Themen der Symphonie stets sehr organisch und so wurde das Werk zu einer äußerst kurzweiligen und in jeder Minute intensiven Reise durch das Leben eines Künstlers.

Die Bergener Philharmoniker haben gemeinsam mit ihrem britischen Chefdirigenten Edward Gardner mit einem runden Programm beeindruckende Werbung für ihr Orchester gemacht. Neben Elgars „Nimrod“ aus den Enigma-Variationen (Gardner: „Etwas sehr Englisches“) schloss das Orchester seine Zugaben natürlich mit einem Norweger, der, selbst in Bergen geboren, das Orchester vor über hundert Jahren geleitet hatte: Edvard Grieg.