Zu Mozarts bedeutendsten Kompositionen gehören seine Klavierkonzerte, die er in Wien komponiert hat, der Stadt, die er selbst euphorisch als das „Clavierland“ bezeichnete. Liebhaber der Klaviermusik kamen in der Düsseldorfer Tonhalle auf ihre Kosten, als sie zwei der 27 Klavierkonzerte Mozarts und Webers Konzertstück für Klavier und Orchester in einer Interpretation von Rudolf Buchbinder und der Staatskapelle Dresden zu hören bekamen.

Rudolf Buchbinder © Marco Borggreve
Rudolf Buchbinder
© Marco Borggreve

Buchbinder war an diesem Abend nicht nur als Solist auf der Bühne, sondern übernahm auch gleichzeitig die Leitung des Orchesters, gab durch leichtes Kopfnicken den Bläsern ihre Einsätze und suchte auch zu den Streichern den stetigen Kontakt. Mozart verzichtete in seinem letztem Klavierkonzert Nr. 27, welches er im Todesjahr 1791 komponierte, auf scharfe Kontraste; dagegen ist das Verwobensein von Solostimme und Orchester stark ausgeprägt. Diese auffällige Kompositionsweise wurde in der Gleichberechtigung aller Stimmen von der Staatskapelle Dresden schön umgesetzt. Das Klavier setzte sich nicht über das Orchester hinweg, sondern fügte sich in das Ensemble ein, wodurch ein dichter Klang entstand.

In einem engen dynamischen und artikulatorischen Rahmen fielen die Akzente nicht zu übertrieben aus, und obwohl der dynamische Spielraum klein gehalten wurde, gelang es Buchbinder dennoch, die sich wiederholenden Motive der klassischen Periode nuanciert zu variieren und die Spannung so aufrecht zu erhalten. Das Thema des dritten Satzes ist wohl auch den meisten Nicht-Klassikliebhabern bekannt, denn dieses Thema verarbeitete Mozart nur wenige Wochen später in seinem Lied Sehnsucht nach dem Frühling, heute besser bekannt in der Form des Volksliedes  Komm lieber Mai und mache. Buchbinder ließ es immer spritzig und mit Witz erklingen.

Das Klavierkonzert Nr. 20 wurde 1785, also sechs Jahre zuvor komponiert. Es war das erste Konzert in einer Molltonart, das Mozart überhaupt schuf, und weist schon auf seinen zwei Jahre späteren Don Giovanni hin. Im d-Moll-Konzert steht der Solist, ganz anders als in seinem B-Dur-Konzert, mehrmals im thematischen Widerspruch zum Orchester. So hob sich Buchbinder dynamisch stärker vom Orchester ab, als er es im vorangegangen Konzert getan hatte. Während die Staatskapelle Dresden eine wohlige Begleitung mit ausgedehnter Klangfläche bot, war das Klavier dagegen in einem klar perlenden Klang zu hören. In unisono-Passagen zwischen Klavier und Orchester verschmolzen die Stimmen jedoch regelrecht miteinander. Buchbinder hob die stärkeren musikalischen Kontraste differenziert hervor, Akzente erklangen viel forscher; die wiegenliedhafte Romanze des zweiten Satzes erklang hingegen so rein und unschuldig, mit innerer Ruhe erklungen. Sehr innig war auch die Kadenz im ersten Satz; und bemerkenswert, wie Buchbinder die Emotionen aufspaltete, Schmerz in der linken und Freude in der rechten Hand ausdrückte.

Zwischen den beiden Mozart-Klavierkonzerten stand WeberKonzertstück für Klavier und Orchester auf dem Programm. Dieses Konzertstück steht ganz und gar nicht in der Tradition der klassischen dreisätzigen Klavierkonzerte, vielmehr erzählt Weber darin in freierer Konzertform eine Art Geschichte – angeblich, so soll er selbst erläutert haben, eine dramatische Liebesgeschichte der Kreuzritterzeit. Trotzdem darf es nicht als typische Programmmusik gesehen werden. Bei Mozart waren es vor allem Ruhe, Ausgeglichenheit und Akkuratesse, die dominierten, Webers Konzertstück ertönte hingegen tatsächlich in einem passend erzählenden Charakter. Orchester und Klavier gestalteten das Konzert sehr lebendig und mit großer dynamischer Bandbreite. Die Emotionen wechselten nahezu taktweise und luden den Zuhörer ein, sich seine eigene Geschichte auszumalen. Nach dem gleichmäßig schreitenden dritten Satz erklang der vierte flächiger mit lockeren Akkorden im Klavier und in einem so raschen Tempo, dass einige Wows durch die Tonhalle raunten.

Rudolf Buchbinders Interpretationen, die auf akribischer Quellenforschung beruhen, unterstrichen die kompositorischen Besonderheiten der Werke elegant, und Buchbinders perlender und durchscheinender Klang, zusammen mit der auf ihn eingehenden Staatskapelle Dresden, machte das Konzert zu einem inspirierenden Abend.

 

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