Jedes Jahr im Januar veröffentlicht Bachtrack Statistiken zu den auf der Seite gelisteten Veranstaltungen für das eben vergangene Jahr. 2014 haben wir über 25.000 Veranstaltungseinträge geführt und damit unsere Position als Nummer 1 der Seiten für Klassikevents gefestigt. Das macht es uns möglich, Trends in den Konzerthäusern weltweit zu sehen. Wer sind die meistgespielten Komponisten? Welche Orchester spielen die meisten Konzerte? Welche Opern sind am beliebtesten?

Dirigenten werden jünger

© Bachtrack Ltd
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Im vergangenen Jahr sind mit Claudio Abbado, Lorin Maazel, Frans Brüggen, Rafael Frühbeck de Burgos und Christopher Hogwood einige der führenden Dirigenten von uns gegangen. Das Durchschnittsalter der zehn meistengagierten Dirigenten ist deutlich gefallen, drei von ihnen sind in ihren Dreißigern. Die Frage für 2015 ist nun wer, wenn überhaupt, von diesen Top 10 die Traumposition des Chefdirigenten der Berliner Philharmoniker bekommt. Sir Simon Rattle bleibt bis 2018 im Amt, aber Andris Nelsons, Yannick Nézet-Séguin, Gustavo Dudamel – und Alan Gilbert – könnten im Rennen sein, wenn das Orchester in diesem Jahr wählt. Man munkelt jedoch, dass Christian Thielemann ein starker Kandidat ist.

Konzertaktivste Orchester

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Amerikanische Orchester sind hier führend mit sechs Vertretern in den oberen zehn. In mancher Hinsicht repräsentiert das die Art und Weise, in der viele Orchester in den Vereinigten Staaten auftreten: oft wird das gleiche Programm gleich drei Mal am Ende der Woche gegeben, wohingegen das in Europa seltener vorkommt.

Auch Komponisten werden jünger…

… oder zumindest entscheiden sich Orchester zunehmend für Musik aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. 2014 zeigte einen Anstieg in den zehn meistgespielten Komponisten für Ravel und Dvořák, mit Rachmaninow nicht weit entfernt auf Rang 14 – ganze 8 Plätze höher als 2013. Haydn ist zum ersten Mal nicht unter den Top 10 vertreten. Dies spiegelt möglicherweise die Zurückhaltung moderner Symphonieorchester in der Vorstellung von Werken aus der Zeit der Klassik, die nun zunehmend von Ensembles mit historischen Instrumenten gegeben werden? Bei den BBC Proms beispielsweise hörte man 2014 keinen einzigen Haydn'schen Ton.

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Meistgespielte Werke

Im Konzertsaal steht Händels Messias mit Hochphasen an Weihnachten und Ostern noch immer unangefochten an erster Stelle, wobei gleich fünf Werke von Beethoven in den Top 10 vertreten sind! Knapp darunter klettert Rachmaninow die Rangleiter herauf; seine Rhapsodie über ein Thema von Paganini flog geradezu von Rang 172 auf Rang 16. Zu den Absteigern gehört, wenig überraschend, Strawinskys Sacre du printemps, denn viele Orchester haben es 2013 für den einhundertsten Jahrestag seiner aufsehenerregenden Premiere ins Programm genommen.

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Wo sind die Frauen?

In Bezug auf die klassische Geschlechterkluft kamen gute Neuigkeiten im vergangenen Jahr nicht aus der Statistik, sondern von der Ernennung Judith Weirs zum Master of the Queen's Music im Juli. In der Liste der Dirigenten sind in den Top 150 lediglich 5 Frauen vertreten, und bei den Komponisten müssen Sie sogar bis zu Rang 260 abtauchen, um die fünfte Komponistin (Sally Beamish) zu erreichen. An der English National Opera jedoch hinterließen gleich zwei Dirigentinnen einen starken Eindruck: Joana Carneiro (John Adams' The Gospel According to the Other Mary) und Keri-Lynn Wilson (La fanciulla del West). Vielleicht sieht es an der Opernfront diesbezüglich etwas besser aus…

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Der Jubiläumseffekt

Es war ein gutes Jahr für Richard Strauss, in dem sich sein Geburtstag zum 150. Mal jährte. Unter den Top 5 der Konzertwerke finden sich keine Überraschungen, und Don Juan gibt den Orchestern die Gelegenheit, in diesem virtuosen Vorzeigestück die Muskeln spielen zu lassen, während die Vier Letzten Lieder bei Sopranistinnen (und dem Publikum) sehr beliebt sind.

Die große Enttäuschung in Bezug auf Strauss ist, dass die die großen – und auch die kleinen – Kompanien die Gelegenheit des Jubiläums nicht genutzt haben, um seine weniger bekannten Opern zu erkunden. In München und Wien gab es jeweils Vorstellungen der Schweigsamen Frau beziehungsweise der Feuersnot, aber Intermezzo, Die ägyptische Helena und Die Liebe der Danae tauchten nicht auf dem Bachtrack-Radar auf. Wenigstens die Garsington Opera im Vereinigten Königreich bietet Intermezzo nächsten Sommer…

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Im Opernhaus…

Italienische Oper vor! Von den zehn meistgegebenen Opern wurden 2014 acht davon (üblicherweise) auf Italienisch gesunden; Carmen und Die Zauberflöte sind dabei die einzigen nicht-italienischen Werke in den oberen Rängen. Das spiegelt sich auch in unserer Opernkomponisten-Statistik, die Giuseppe Verdi mit 737 Vorstellungen an der Spitze sieht, dicht gefolgt von Puccini. Interessanterweise blieb Benjamin Britten – ein weiterer Jubiläumskomponist im Jahre 2013 – im Operngeschehen sehr präsent mit 109 Vorstellungen, von denen 68 außerhalb des Vereinigten Königreiches stattfanden. Gluck – ein Jubiläumskomponist im vergangenen Jahr – verpasste die Top 10 knapp und belegte den elften Platz.

Die Wiener Staatsoper hat die Metropolitan Opera im Rennen um das betriebsamste Opernhaus um eine Nasenlänge geschlagen.

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2015...…

In diesem Jahr freuen wir uns auf das 150. Jubiläum von Sibelius und Nielsen, für das viele Orchester Retrospektiven ihrer Werke planen, doch ob es einer der beiden Komponisten in die Top 10 schaffen wird, bleibt offen – besuchen Sie diese Seite im nächsten Jahr um diese Zeit und finden Sie es heraus.

 

 

Diese Statistiken beruhen ausschließlich auf den Veranstaltungen, die auf Bachtrack aufgeführt sind. Wir sind das größte Veranstaltungsportal für Klassik im Netz, doch unser Kalender ist nicht allumfassend.

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