Franz Welser-Möst kehrt mit einem doppelten Paukenschlag zurück an die Wiener Staatsoper und damit auch an das Pult der Wiener Philharmoniker: Nach einer aufsehenerregenden Opernpremiere von Ludwig van Beethovens einziger Oper Fidelio, der ersten Neuinszenierung seit über 55 Jahren am Haus am Ring, leitete der Dirigent überdies drei Symphoniekonzerte mit thematisch zu Fidelio verwandten Werken im Wiener Musikverein. Welser-Möst gilt als einer der angesehensten und beliebtesten Dirigenten Österreichs. Jedoch musste er in den vergangenen Jahren aufgrund einer schweren, nun überstandenen Krebserkrankung kürzertreten und seine Operndirigate in Wien als auch bei den Salzburger Festspielen absagen.

Franz Welser-Möst dirigiert die Wiener Philharmoniker © Amar Mehmedinovic
Franz Welser-Möst dirigiert die Wiener Philharmoniker
© Amar Mehmedinovic

Welser-Möst eröffnete das Konzert mit einer spannungsgeladenen Interpretation der Leonoren-Ouvertüre Nr. 3, Op.72b, welche üblicherweise vor dem Fidelio-Finale im zweiten Akt eingeschoben wird und dieses Konzert so in einen direkten Bezug zu der zuvor stattgefundenen Opernpremiere setzt. Man könnte natürlich beanstanden, dass der Dirigent sich die Gelegenheit entgehen ließ, in diesem Konzert die beiden anderen, weniger bekannten Leonoren-Ouvertüren Nr. 1 und 2 zu Gehör zu bringen.

Mit den an die Ouvertüre anschließenden Metamorphosen für 23 Solostreicher von Richard Strauss unternahm Welser-Möst einen kleinen Exkurs, der jedoch nicht gänzlich von Beethoven wegführte, schließlich erinnert das dichte, motivisch ineinanderfließende Werk immer wieder an den zweiten Satz der Eroica-Symphonie des Komponisten, bevor in den letzten Takten das Motiv des Trauermarsches von den Kontrabässen direkt zitiert wird. Dieses „In memoriam!“, wie Strauss jene Takte überschreibt, fügten das Stück gelungen in das Programm ein.

Wie auch bei Beethoven wählte Welser-Möst eine straffe, konsequente und unpathetische Interpretation, wodurch das wahrlich metamorphosierende Werk eine starke Sogwirkung und Spannung entfaltete. So minimierte er zudem das Risiko, dass die sich stetig umschlingenden Melodien durch allzu starkes Rubato ins Stocken geraten, dennoch hätten Momente des Innehaltens und eine größere, auch im Tempo variierende Gestaltung zu noch tieferer Innerlichkeit und Emotionalität führen können. Die 23 Streicher der Wiener Philharmoniker erschufen durch homogenen Klang, aus dem die polyphonen Einwürfe schmerzvoll hervorstachen, eine hohe Intensität, die bis in die tragische Ernüchterung des c-Moll-Schlusses führte.

Die Symphonie Nr. 5 in c-Moll, Op.67 von Ludwig van Beethoven ist durchzogen von einer Motivik des Schicksals, mit welcher der Komponist eine Geschichte von Niederlage und Triumph erzählt. Es ist dabei besonders der heroische Charakter des Werkes, welcher eine unüberhörbare Analogie zu den Freiheitsidealen im Fidelio bildet.

Welser-Möst näherte sich dem Werk aus seiner inneren Struktur heraus und wusste mit seiner kompromisslos schlichten und zugleich unmittelbaren, dafür umso wirkmächtigeren Interpretation die Partitur in ein musikalisches Drama zu verwandeln. Befreit von Pathos und oberflächlicher Effektbetonung ließ er die Symphonie mit einem stark verdichteten, schlanken Klangbild in straffem, zügigem Tempi im strengen Rhythmus erklingen. Lediglich im zweiten Satz, dem Andante con moto schimmerte immer wieder die Eleganz des berühmten Wiener Streicherklangs durch.

Franz Welser-Möst mit den Wiener Philharmonikern © Amar Mehmedinovic
Franz Welser-Möst mit den Wiener Philharmonikern
© Amar Mehmedinovic

Die Philharmoniker mit ihrem Konzertmeister Rainer Honeck – sie sind wie kaum ein zweites Orchester durch eine einzigartige Aufführungstradition der Werke Beethovens geprägt – musizierten für Welser-Möst in Höchstform und folgten seiner stringenten wie konsequenten Interpretation mit Disziplin im Unisono.

Die Wiener Philharmoniker spielen nahezu jedes Jahrzehnt einen Beethoven-Zyklus ein, zuletzt unter dem Dirigat von Andris Nelsons und davor unter Christian Thielemann. Franz Welser-Möst hingegen hat trotz seines langjährigen Wirkens in Wien bei den Philharmonikern die Beethoven-Symphonien stets etwas vernachlässigt. Es wäre nach diesem aufwühlendem Konzert im Musikverein und der vorausgegangenen Fidelio-Premiere an der Wiener Staatsoper nur folgerichtig und vom Wiener Publikum sicherlich auch sehr willkommen, dass ein zukünftiger Beethoven-Zyklus nun eben unter der musikalischen Leitung des österreichischen Dirigenten erarbeitet und aufgenommen wird.

Franz Welser-Möst mit den Wiener Philharmonikern © Amar Mehmedinovic
Franz Welser-Möst mit den Wiener Philharmonikern
© Amar Mehmedinovic
Franz Welser-Möst dirigiert die Wiener Philharmoniker © Amar Mehmedinovic
Franz Welser-Möst dirigiert die Wiener Philharmoniker
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