Im kommenden Jahr feiert das dänische historische Ensemble Concerto Copenhagen sein 25. Jubiläum. Unter der Leitung von Lars Ulrik Mortensen (seit 1999) hat das Ensemble, auch als CoCo bekannt, immer größere Erfolge erzielt, wie Mortensen bemerkt: „Das Ensemble ist Dänemarks größer musikalischer Export-„Artikel“. Kein anderes dänisches Ensemble ist im Laufe der letzten zehn Jahre im Wiener Musikverein, dem Wiener Konzerthaus, dem Concertgebouw in Amsterdam, der Royal Albert Hall, der Library of Congress in New York und den Konzertsälen in Tokio und China aufgetreten!“ Kurz vor dem großen Jubiläum reflektiert Mortensen darüber, wie weit CoCo gekommen ist, und über die Pläne, den 25. Geburtstag zu feiern.

Concerto Copenhagen und Lars Ulrik Mortensen © ts photo
Concerto Copenhagen und Lars Ulrik Mortensen
© ts photo

Als ich darüber nachdachte, wie viel sich die Aufführungspraxis auf historischen Instrumenten in den letzten 25 Jahren verändert hat, vertrat Mortensen leidenschaftlich die Ansicht, dass die Interpretation von Tag zu Tag variieren sollte. „I hoffe doch, dass ich Bach und Vivaldi und andere Barockmusik heute anders interpretiere als gestern!“, ruft er. „Musikalische Interpretation ist ein lebendes, atmendes, organisches Ding, und es geht nicht darum, das, was du gestern getan hast, heute unverändert zu reproduzieren.“

Mortensen räumt jedoch ein, dass sich die Welt der historischen Instrumente verändert hat. „Ich glaube, dass das generelle Niveau weltweit – und definitiv in Skandinavien – im letzten Jahrzehnt enorm gestiegen ist. Musiker spielen besser, mehr Menschen interessieren und engagieren sich für historisch informierter Aufführungspraxis, und CoCo selbst gelingt es jetzt, im Vergleich zu früher mehr Musiker aus der direkten Umgebung zu finden, sodass wir nicht so abhängig von „Importen“ vom europäischen Festland sind wie wir es damals waren. Doch auch die Vertrautheit mit der Musik hat sich natürlich verändert und hoffentlich verbessert. 1999 hatte ich gerade erst zu dirigieren begonnen, und ich bewege mich auf viel sichererem Boden was die Kenntnis der Musik betrifft, und die Art und Weise, wie ich dieses Wissen in eine lebendige Interpretation verwandeln kann.“

Lars Ulrik Mortensen © Kim Wendt
Lars Ulrik Mortensen
© Kim Wendt
In seinen 17 Jahren am Pult hat Mortensen eine Reihe an Errungenschaften zu verbuchen, beispielsweise die erste Aufführung einer Händel-Oper auf historischen Instrumenten in Dänemark, Händels Giulio Cesare 2002 (2005 wiederaufgenommen), oder die BBC Prom in der Royal Albert Hall, bei der sie Partenope spielten. „Aber worauf ich wahrscheinlich am meisten stolz bin, ist einfach die Tatsache, dass es uns seit 25 Jahren gibt, und dass es so aussieht, als würde das noch eine Weile so bleiben. In einer musikalischen Umgebung wie Dänemark, wo ein großer Teil der öffentlichen Gelder für die Unterstützung der großen Orchester vorbehalten ist – zu denen wir nicht zählen – und wo viele kulturelle Subventionen von privaten Geldern abhängen, haben wir es 25 Jahre lang geschafft. Wir haben es sogar geschafft, unser Niveau und die Zahl unserer Konzerte stetig zu steigern. Ich bin unheimlich stolz darauf, dass unsere Hingabe an Alte Musik und klassische Musik im Allgemeinen noch immer ungebrochen ist.“

Die Vorstellungen von Händel-Opern des Concerto Copenhagen waren Teil einer sehr fruchtbaren Zusammenarbeit mit dem Königlichen Theater in Kopenhagen, wo in jeder Spielzeit eine barocke oder frühe Oper gegeben wird. „Im Laufe der Jahre haben wir so Opern von Händel und Monteverdi (Ulysses und Poppea) gespielt, und wir haben uns auch an Mozart (La clemenza di Tito und Don Giovanni) gewagt. Wenn diese Zusammenarbeit fortgeführt wird, werden wir im Herbst in Kopenhagen Purcells Fairy Queen geben, und wir haben viele Pläne, diese Zusammenarbeit in Zukunft aufrechtzuerhalten. Zusätzlich haben wir in den letzten Jahren unsere eigenen Vorstellungen früher Opern gegeben, Vivaldis Ottone in Villa im letzten Jahr, und es gibt zahlreiche Pläne für weitere eigene Opernproduktionen.“

Sine Bundgaard (Cleonilla) in Vivaldis <i>Ottone in Villa</i> © Soren Meisner
Sine Bundgaard (Cleonilla) in Vivaldis Ottone in Villa
© Soren Meisner
Gibt es einen Zwiespalt, fragte ich mich, zwischen einem historischen Ensemble, das die Musik so getreu den kompositorischen Vorgaben wie möglich wiedergibt, und Produktionen, die sich mit den Libretti Freiheiten nehmen? Mortensen ist sich nicht sicher. „Ich empfinde es nicht als Zwiespalt zwischen einer Vortragsweise und Freiheiten, die ein Regisseur mit der Vorstellung nehmen sollte – und das darf er definitiv. Wir nutzen historische Instrumente und das, was wir als stilistische Konvention der Zeit annehmen, doch ich muss ganz deutlich sagen, dass unser Ziel im Spiel auf historischen Instrumenten nicht das ist, eine vermutliche Kopie dessen zu liefern, was Bach oder Händel oder Vivaldi vielleicht vorgesehen hatten. Darüber wissen wir nichts. Unser wichtigstes künstlerisches und musikalisches Ziel ist es, eine musikalische Welt unserer Zeit zu erschaffen, nicht ein Museum, sondern ein Klangbild, das für ein Publikum des 21. Jahrhundert relevant und bewegend ist. Was wir wirklich wollen ist also eigentlich, viel moderner zu sein als alles andere auf dem Markt.

Was mich manchmal gestört hat, ist, wenn es eine Kluft gibt zwischen der Geschichte – oder den 'Untertiteln' der Geschichte, wenn man so will –, die die Musik erzählt, und dem, was visuell auf der Bühne umgesetzt wird. Für mich ist es weniger eine Frage der Zeit oder des Aussehens einer Vorstellung – wobei, ich würde natürlich liebend gern eine 100% authentische Inszenierung einer barocken Oper angehen, das haben wir noch nie gemacht – aber ich glaube nicht, dass es mit einer entsprechend offenen und intelligenten Regie irgendeinen Konflikt zwischen dem Klang und dem Gefühl der Musik gibt.“

Im Fokus des Concerto Copenhagen steht nicht nur barockes Repertoire. Mortensen freut sich offenkundig, dass die Erforschung nordischer Komponisten ein stetiges Projekt ist. „Wir haben uns in CoCo immer verpflichtet gefühlt, uns auch viel auf skandinavische Barockmusik und skandinavische Musik im Allgemeinen zu konzentrieren. In vergangenen Jahren haben wir den Fokus auf barockes und frühklassisches Repertoire gerichtet, indem wir viel von Johan Helmich Roman (auch 'Der schwedische Händel' genannt) gespielt haben, der eine sehr wichtige historische und musikalische Figur in Skandinavien ist. Wir haben klassische Musik von skandinavischen Komponisten gespielt – Symphonien von Friedrich Kunzen, Johann Schuld und Paolo Scalabrini (ein italienischstämmiger Komponist, der sich 1747 in Dänemark niedergelassen hat.) Wir beginnen nun, sogar noch weiter zu reisen, und 2017 werden wir romantische Musik von dänischen Komponisten wie Niels Gade vorstellen, der Mendelssohns Assistent am Gewandhaus in Leipzig und eine sehr wichtige Figur in der Musik des 19. Jahrhunderts war. Wir haben auch frühromantische Symphonien von Georg Gerson gespielt, einem dänischen Komponisten, der mir persönlich sehr am Herzen liegt. Dieser Vorstoß ins Unbekannte, mit allen Fragen und Herausforderungen dieser Form, ist etwas, das in den kommenden Jahren definitiv mehr Gewicht bekommen wird.“

2016 wird das arbeitsreichste Jahr in der Geschichte des Ensembles werden!“, erklärt Mortensen. „Wir beginnen im Januar mit Händels Israel in Egypt mit dem Niederländischen Kammerchor in Kopenhagen und dem Wiener Konzerthaus. Später werden wir viel auf Konzertreise sein: mit der Johannes-Passion in Deutschland und Dänemark, dann China, mit einer Reproduktion unseres allerersten Programmes, das wir 1991 gespielt haben, was sicherlich Spaß machen wird. Und im Sommer planen wir eine Serie von Geburtstagskonzerten im Tivoli-Konzertsaal in Kopenhagen mit einem breiten Repertoire und großer Besetzung bzw. großen Künstlergruppen. Wir hoffen, den Besuchern damit einen bildhaften Eindruck von CoCos Aktivitäten und der musikalischen Philosophie zu geben, für die wir stehen.“

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Dieser Artikel entstand im Auftrag des Concerto Copenhagen.

Aus dem Englischen übertragen von Hedy Mühleck.