In dieser Spielzeit haben die Wiener Symphoniker und das Konzerthaus ein neues Konzept vorgestellt, eine Serie von Freitagskonzerten mit dem Namen Fridays@7. Das Neue daran ist, dass die Konzerte eine halbe Stunde eher als ein reguläres Konzert am Freitag Abend beginnen, im Saal ein kürzeres Konzertprogramm ohne Pause präsentiert wird und der Abend dann mit einem After-Show-Programm und Getränken im Foyer ausklingt. Die Premiere dieses Formats im letzten Monat war ein großer Erfolg, doch das gedämpfte, zusammengewürfelte Kammermusikkonzert vergangenen Freitag, das nicht ein mal gedruckte Programme oder gar Stühle bot, kam nicht gut an.

Doch zuerst zu den schönen Dingen, und derer gab es viele, beginnend mit der Uraufführung von Wolfgang Rihms sechstem Werk für Violine und Orchester, „Poème du Peintre“ (Gedicht des Malers), unter der sicheren Leitung von Philippe Jordan und dem eleganten Bogen von Renaud Capuçon. Diese Komposition setzt sich aus einer Serie von orchestralen Klanglandschaften zusammen, durch die sich die Violine nahezu ohne Unterbrechung bewegt und singt. Die Harmonik schwillt an und ab, von Phasen von Entspannung hin zu Phasen großer Anspannung und Dissonanz, bevor das Werk in einer regelrechten Orchester-Explosion ihren Höhepunkt erreicht und sich langsam in einen nachdenklichen Schluss auflöst. Capuçon, dem die Komposition zugeeignet ist, widmete sich der langen Melodielinie mit viel Detail und Feingefühl. Sein Legato ist makellos, nie verfehlt er das Zentrum eines Tons. Jordan führte die Symphoniker mit gewohnter Autorität durch die Partitur, und die transparenten Landschaften schienen bisweilen zu schimmern, als sie das volle Klangspektrum des Orchesters in Rihms musikalischer Welt erkundeten. Bravo!

Dvořáks Symphonie Nr. 8 in G-Dur beendete das eigentliche Programm, ein Werk so reich an unvergesslichen Themen und böhmischem Charme, dass es die offizielle Musik sein sollte, zu der man zum ersten Mal über die Karlsbrücke geht. Es ist wie ein musikalischer Seelentröster: Vogelrufe und üppige Variationen im ersten Satz weichen einem filigranen und farbenreichen Adagio. Ein bezaubernder Walzer nimmt im dritten Satz die Stelle des traditionellen Scherzos ein, und im Finalsatz bekommen die Blechbläser Gelegenheit zu zeigen, was sie können. Die ganze Komposition ist so vollkommen heiter, dass es beinahe unmöglich für den Zuhörer ist, nach dem Hören kein Lächeln im Gesicht zu haben. Jordan und die Symphoniker waren in ausgezeichneter Form, und wenngleich einige Tempi etwas schwerfällig waren, so gingen sie doch auch zahlreiche Risiken ein in den verschlungenen Pianissimo-Passagen und den wundervoll virtuosen Teilen, die es zu einer sehr zufriedenstellenden Interpretation machten, was sich eindeutig im enthusiastischen Applaus des hingerissenen Publikums zeigte.

Und gerade, als die Party in vollem Gange war, kamen Mama und Papa nach Hause und verdarben den Spaß. Nach einer kurzen Pause, in der man um Stehplätze im Foyer kämpfte oder Getränke bestellte, wurde das Programm (einschließlich der Aufführungsdauern) verkündet. Einer zweiminütigen Rihm-Komposition für Klarinette sollte eine elfminütige Polka folgen; danach eine dreiminütige Pause (!) und ein oder zwei Sätze aus Brahms' Klavierquintett. Wir wurden daran erinnert, dass es für Kammermusik einer stillen Aufmerksamkeit bedarf und pflichtbewusst ermahnt, wenn wir es vergaßen. Anstelle der jazzigen, entspannten Party der Eröffnung von Fridays@7, bei der die Zuhörer sich unterhalten, zuhören, einen Drink genießen und schließlich allmählich in die Nacht entschwinden konnte, wie es ihnen beliebte, fühlte man sich hier wie in einem Pflichtkonzert, zu dem man sich nicht einmal setzen konnte. Ich hoffe sehr, dass das Konzerthaus zu seinem ursprünglichen Konzept zurückkehren wird; ein Konzert lediglich eine halbe Stunde früher zu beginnen ist noch kein Geniestreich. 

Aus dem Englischen übertragen von Hedy Mühleck

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