Eine Rarität des Operetten-Kanons hat die Grazer Oper diese Saison mit Emmerich Kálmáns Arizona Lady auf den Spielplan gesetzt; es ist das letzte Werk des Komponisten, die Uraufführung 1954 erlebte er selbst schon nicht mehr. Musikalisch wirkt das Stück schon näher an frühen Musicals als an der klassischen Operette, wobei Kálmán sich den ein oder anderen schmachtenden Walzer inmitten der Swing-Anklänge natürlich nicht verkneifen konnte.

Die Handlung könnte auch aus einer ZDF-Vorabendserie oder einer spanischen Telenovela stammen, so konstruiert und doch unterhaltsam kommt sie daher. Im Arizona der 1920er Jahre führt Lona die Sunshine Ranch, die sie von ihrem Vater geerbt hat, der Rennpferde züchten wollte. Nur ein Pferd – Arizona Lady – ist ihr allerdings geblieben, mit einem Sieg bei einem großen Rennen das bevorsteht, könnte Lona ihre Schulden bei einem schmierigen Geschäftsmann, der die Nachbarsranch führt, zurückzahlen. Ihren Vorarbeiter und besten Reiter Jim Slaughter hat sie jedoch gefeuert, nachdem er sie sexuell bedrängt hatte; praktischerweise taucht jedoch am gleichen Tag der Cowboy Roy Dexter auf der Ranch auf, den sie unter der Bedingung einstellt, dass er nie das Thema Liebe in ihrer Gegenwart erwähnen dürfe. Aber wie es in Operetten so ist, verlieben sich die beiden nach etlichen Irrungen und Wirrungen natürlich doch, Arizona Lady gewinnt das prestigeträchtige Kentucky Derby und alle Probleme sind auf einen Schlag gelöst.

Wirklich Ahnung von Pferdesport hatten allerdings wohl weder Emmerich Kálmán noch seine Librettisten Alfred Grünwald und Gustav Beer, denn dass ein Cowboy mit einem fünfjährigen Pferd bei einem Galopprennen für dreijährige Vollblüter antreten und gewinnen will, ist doch in etwa so weit hergeholt, wie ein Sieg von Marcel Hirscher beim Langlaufen.
Für die Inszenierung bietet die Ansiedlung im Cowboy-Milieu allerdings eine Steilvorlage, die Regisseur Christian Thausing perfekt nutzt, indem er eine Mischung aus Ranch und Saloon auf die Bühne bringt, die dank klugem Einsatz der Drehbühne alle Stückerln spielt und mit blinkenden Lichtern Broadway-Feeling aufkommen lässt. Von tanzenden Kakteen bis hin zu einem ins Holz geschossenen Herz im Grande Finale wird nichts ausgelassen, was für Stimmung in der glitzernden Westernwelt sorgt. Ganz hervorragend funktioniert übrigens auch die Idee, Lonas Gegenspieler vom mexikanischen Kriminellen zum amerikanischen Geschäftsmann Donald McDumb zu machen, den János Mischuretz schlichtweg genial als Trump-Verschnitt verkörpert.

Auch musikalisch wurden für diese Vorstellungsserie einige Änderungen vorgenommen, Kai Tietje hat das Werk neu arrangiert; dabei hätte er ruhig etwas radikaler vorgehen können, denn auch wenn die Inszenierung gut unterhält und die Musik nett dahin plätschert, hat der Abend so manche Längen und wenn man zum fünften Mal die Textzeilen „Dort wo die Sonne glüht, dort wo der Kaktus blüht” hört, ertappt man sich dann doch beim Gedanken, dass es jetzt schon langsam reicht und das Stück von einigen Strichen profitiert hätte.

Gut getan hätte dem Abend wohl auch eine einheitlichere Herangehensweise in Bezug auf die Besetzung. Denn natürlich kann man angesichts der stilistischen Nähe zum Musical das zentrale Paar des Abends mit Musicaldarstellern besetzen; wenn allerdings die übrigen Rollen von opernerprobten Sängerinnen und Sängern übernommen werden, ergibt sich zwangsläufig ein uneinheitliches Klangbild. Denn während Frederike Haas und Christof Messner als Lona und Roy mit der Verstärkung durch Mikrofone naturgemäß bestens zurechtkamen, wirkten Corina Koller und Ivan Oreščanin als Buffo-Paar Nelly Nettleton und Chester Kingsbury genau dadurch an einigen Stellen des Abends kurzatmiger als sie es eigentlich sind. Und umgekehrt hatten Haas und Messner mit den klassischen Passagen ihrer jeweiligen Partien hörbar zu kämpfen, da wollte kein richtig schmachtendes Operetten-Feeling aufkommen.

Abgesehen davon sorgte aber das gesamte Ensemble für einen beschwingten Abend, insbesondere darstellerisch warfen sich alle voll in ihre Rollen, die Pointen saßen und die Choreografie von Evamaria Mayer wurde – auch vom einmal mehr hervorragend disponierten Chor – enthusiastisch umgesetzt.

Ebenso mit vollem Einsatz brachten die Grazer Philharmoniker unter Stefan Birnhuber Kálmáns Musik zum Leuchten: von breit angelegter Walzerseligkeit über revueartige Nummern bis hin zu swingenden Momenten lieferte das Orchester eine farbenreiche Interpretation, die selbst an einem kühlen und windigen Frühlingstag in Graz die sonnengetränkte Prärie Arizonas vor dem inneren Auge entstehen ließ.























