Es kommt nicht oft vor, dass ein Streichquartett-Ensemble einen Konzertsaal zu füllen vermag. Dem Quatuor Ébène ist dies bei seinem jüngsten Konzert im Kammermusiksaal der Philharmonie Berlin gelungen, als es vor ausverkauftem Haus drei Quartette Beethovens aufgeführt hat.

Quatuor Ébène © Julien Mignot
Quatuor Ébène
© Julien Mignot

Bewundert wird das 1999 gegründete Ensemble vor allem seiner Klangkultur wegen, die dadurch entsteht, dass es weitgehend ohne starken Vibrato musiziert – der Ton bleibt stets transparent. Unterstützt wird diese glasklare Gestaltung des Klangs auch durch die Instrumente. Alle vier Musiker und Musikerinnen spielen auf Instrumenten aus der Werkstatt Antonio Stradivaris. Doch das hier besprochene Konzert war weit mehr als ein beglückendes Klangerlebnis.

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Die Darbietung des Kopfsatzes des A-Dur-Quartetts aus Op.18 entspannte sich nicht allein als ein Stück voller schnörkellos-filigraner durchbrochener Satzstruktur. Das Ensemble verlieh jeder Phrase einen eigenen Charakter und verstand es darüber hinaus, die Kombination der Motive regelrecht zu beseelen. Vor allem aber tauchten die Vier tief in Beethovens Formgebung ein. Der Variationenfolge des dritten Satzes – ein Paradigma für Beethovens Frühschaffen – gab das Quatuor Ébène zentrales Gewicht und ließ die Reihungs- zu einer Entwicklungsform werden.

Relativ konventionell Komponiertes, wie den Kopfsatz des c-Moll-Quartetts Op.18 Nr.4, machte das Ensemble nicht künstlich interessant, sondern legte stattdessen subtil den Akzent auf den zweiten Satz, dessen Ironie es mit schwerelosem Charme zu Gehör kommen ließ. Das Finale erklang so virtuos wie rhythmisch punktgenau vorgetragen. Dass Beethoven sein Quartett mit dem rollenden Schleifer aus dem zweiten Couplet des Finalsatzes im Fortissimo beschlossen hat, wurde nicht mit falschen Pathos in den Saal gedroschen, sondern mit einem Augenzwinkern intoniert, so als ob Beethoven der Heftigkeit dieses Schlusses selbst nicht ganz getraut habe.

Mit dem Es-Dur-Quartett Op127 kam das erste der insgesamt fünf späten Quartette zu Gehör. Im Maestoso zu Beginn klangen die von Beethoven gegen den Takt notierten Sforzati regelrecht ruppig. Aus diesem erratischen Block heraus ließ das Quatuor Ébène dann den Kopfsatz in seiner Vielgestaltigkeit und Kleinteiligkeit erwachsen, in dem kaum ein Takt nicht thematisch ist.

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Im zweiten Satz hoben die vier eindrucksvoll hervor, auf welche Höhe Beethoven mittlerweile seine Variationskunst gebracht hatte. Da wurden keine Phrasen mehr zu jeweils einem Motiv der Variation erklärt, sondern die Stimmen so frei paraphrasiert, dass diese Metamorphosen in unheimlicher Langsamkeit wie vortastend weiterschreiten konnten. Im Pianissimo wurden die Melodien so aufeinander geschichtet, dass das Kunststück gelingen konnte, jeder Stimme ihre Physiognomie zu bewahren und sie doch so zusammenzuführen, als wären die vier Instrumente zu einem einzigen verschmolzen.

Das rhythmisch zündend intonierte Scherzando wurde zu einem fugierten Vexierspiel, während das Quatuor Ébène das Ende des Finalsatzes geradezu enthusiastisch zuspitzte.

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