Was gibt es Schöneres, als an einem Sonntagmorgen eine Matinée mit Mozart und Haydn in inspirierendem Ambiente zu genießen, am besten noch mit exquisiten Interpreten? Selbiges war dem Publikum am Morgen des 16. Oktober im Prinzregententheater mit dem Kammerorchester der Münchner Philharmoniker und dem amerikanischen Wunderpianisten Kit Armstrong vergönnt.

Kit Armstrong © June
Kit Armstrong
© June

Das Konzert begann mit dem Divertimento „Salzburger Symphonie“ in F-Dur, KV138, von Wofgang Amadeus Mozart in reiner Streicherbesetzung. Die Kammerbesetzung sorgt für einen transparenten und beschwingten Klang, birgt aber auch ihre Tücken, denn äußerste Transparenz sorgt naturgemäß dafür, dass man alles hört, auch die kleinen Unstimmigkeiten in Intonation und Synchronität, welche sich hie und da offenbarten. Besonders die beiden Celli in Zusammenspiel mit einer eleganten Bassistin, einzeln zweifelsohne exzellente Solisten, hatten in dieser Kleinstbesetzung manchmal Schwierigkeiten, den perfekten intonatorischen Gleichklang zu finden. Nur zwei Streicher im gleichen Register – in diesem Fall die Celli – zu besetzen, ist eben immer ein Wagnis. Insgesamt jedoch war das Divertimento ein schwungvoller und vielversprechender Auftakt in diese leichtfüßige Matinée.

Es folgte das berühmte „Jenamy“-Konzert in Es-Dur, KV271, ebenfalls von Mozart. Noch bis zu Beginn dieses Jahrtausends trug das Konzert der willkürlichen Namensgebung des Mozart-Biographen Théodor Wyzewa zufolge den Beinamen „Jeunehomme“. Willkür hin oder her, stimmt es doch, dass Mozart dieses Konzert als wahrhaft junger Mann, nämlich 1777 im Alter von 21 Jahren, komponierte. Und auch in der langen Tradition der Interpretationen dieses frühreifen Œuvres diente es oft als Vorzeigestück gerade junger aufstrebender Pianisten, die damit einen ersten Meilenstein in ihrem klassischen Repertoire markierten.

Tatsächlich jedoch hatte Mozart das Konzert der Tänzerin Victoire Jenamy gewidmet. Der mit 24 Jahren ebenfalls blutjunge Kit Armstrong ließ von Anfang keinen Zweifel, dass er zurecht als eines der vielversprechendsten Talente der vergangenen Jahrzehnte gefeiert wird. Ebenso wie das von ihm interpretierte Meisterwerk besitzt auch er bereits eine erstaunliche künstlerische Reife, die er mit der exzeptionellen Naturtalenten eigenen selbstverständlichen Sicherheit paart. In jeder Millisekunde beherrschte und formte er nicht nur den Klang seines gewaltigen Flügels, der unter seinen feinen Fingern zum schnurrenden Tiger wurde, sondern auch das Orchester, das er gemeinsam mit dem Konzertmeister Lorenz Nasturica-Herschcowici souverän führte.

Nur einmal gab es Abstimmungsschwierigkeiten im zweiten Satz (Andantino), als die ansonsten makellosen Holzbläser nicht so recht wussten, wer denn nun das Sagen hatte, der Pianist oder der Konzertmeister. Ansonsten gab Armstrong eine perfekt abgestimmte, pianistisch-moderne und doch klassisch-unaufgeregte Darbietung des Jenamy-Konzerts, geprägt von fein-perlender Klangschönheit in allen Tonlagen, zwingend-überzeugender Phrasierung und einem traumwandlerischen Gefühl für stimmige Tempi. Keine Motiv-Wiederholung war wie die andere, jeder Ton und jede Pause hatten ihre Bedeutung und auch über die drei Sätze hinweg entstand ein perfekt harmonisches Gesamtkunstwerk, in denen sich die jungen Männer Mozart und Armstrong die hochbegabten Hände reichten.

Nach der Pause spielte das Kammerorchester der Münchner Philharmoniker die streckenweise etwas langatmige Symphonie „Lamentatione“ Nr. 26 in d-Moll von Joseph Haydn. Langatmig wohl auch deshalb, weil es dem Kammerorchester nicht immer gelang, die Wiederholungen und Variationen der simplen Melodien und Motive abwechslungsreich genug zu gestalten. Spieltechnisch stellt dieses Werk natürlich für die Mitglieder des Münchner A-Orchesters keinerlei Schwierigkeiten dar. Vielleicht lag es gerade daran, dass es einige handfeste Fehler gab, die einem solchen Ensemble nicht zu Gesicht stehen. Positiv zu erwähnen sind die dezent und präzise intonierenden Bläser; vor allem die Hörner fügten sich warm und harmonisch in den Gesamtklang ein. Das Konzert endete mit dem Klavierkonzert in D-Dur, Hob XVIII:11 ebenfalls von Joseph Haydn. Besonders der vielgehörte letzte Satz Rondo all’Ungarese gelang Armstrong und seinen Orchesterkollegen herrlich temperamentvoll und mit auftreibender Verve.