Die junge Violinistin Vilde Frang spielte den jungen Mozart und Jukka-Pekka Saraste dirigierte das WDR Sinfonieorchester Köln durch die Wagner-Sinfonie. Zwei Jahrhunderte, zwei Glanzstücke der Musikgeschichte und, vor allem, zwei besondere Musiker begeisterten das Salzburger Publikum.

Vilde Frang © Marco Borggreve
Vilde Frang
© Marco Borggreve

Als Wolfgang Amadeus Mozart das Konzert für Violine und Orchester Nr. 5 in A-Dur komponierte, war der Meister etwas jünger als die Violinistin Vilde Frang heute. Mit dem A-Dur Konzert erklang an diesem Abend ein Werk, welches mit Salzburg eng in Verbindung steht. Im Jahr 1775 komponierte Mozart 5 Violinkonzerte, und alle entstanden in dieser Stadt. Deshalb war Vilde Frangs Auftritt mit diesem Werk für das Salzburger Publikum auch von hohem symbolischen Wert. Die Norwegerin, die besonders für ihren starken Ausdruck bekannt ist, meisterte den Abend mit Bravour.

Ihre Expressivität kam besonders in den piano-Stellen zur Geltung, die Frang nicht einfach leise überging, sondern sich explizit Zeit nahm, auch diese bis ins Detail auszugestalten. Gerade in diesen Passagen konnte die junge Violinistin ihre Virtuosität in ganzer Fülle ausbreiten. Dabei hatte sie das Orchester stets im Blick, und bildete mit ihm eine perfekte Einheit, ohne sich dabei zurück zu nehmen. Es war eine Freude, der Norwegerin beim ihrem Spiel zuzusehen, in dem sie jedem Ton einen ganz besonderen Ausdruck verlieh. Sie erhielt dafür großen Applaus des Publikums, bei dem sie sich mit einer kleinen Norwegischen Volksweise als Zugabe bedankte. Die war dabei das genaue Gegenteil zum harmonisch reinen Mozart, man wollte in den atonalen Klängen den rauen Wind des hohen Nordens hören. Nach Mozart für die Salzburger spielte Vilde Frang damit ihrer Heimat eine Hommage. 

Weiter ging es mit Anton Bruckners Sinfonie Nr. 3 in d-Moll, für die das Orchester in größeren Besetzung auf die Bühne kam. Von den drei existierenden Fassungen dieses Werkes wurde an diesem Abend die zweite gespielt. Den Beinamen „Wagner-Sinfonie“ erhielt das Werk dank der Widmung, die Anton Bruckner seinem großen Vorbild Richard Wagner damit machte. War die erste Fassung noch stark mit Zitaten versehen, sind diese in der dritten Fassung fast komplett verschwunden.  Jukka-Pekka Saraste ist Experte für diese Epoche, und das wurde ab der ersten Sekunde deutlich.

Trotz der unglaublichen Größe des Orchesters hatte er alle Musiker fest im Griff, und man möchte meinen, die Instrumentalisten waren dann noch enger an Saraste gebunden. Mit züzigem Tempo, aber ohne dabei auch nur eine wichtige Phrase zu überlaufen, startete Saraste mit den Kölnern in den ersten Satz. Die besondere Ausdruckskraft des ersten Satzes, des Misterioso,  kam hier zu voller Geltung. Auch während der folgenden drei Sätze erlitt diese enge Bindung zwischen Orchester und Dirigenten keinen Abriss. Besonders sind vor allem die Querflöten zu erwähnen, die in den immer wiederkehrenden Solopassagen einen leicht schwebenden, und dabei dennoch stark voraus drängenden Klang erzeugten. Die Streicher verzauberten mit ihrem schwirrenden Klang, in dem man eindeutig ein beliebtes Stilmittel Wagners erkennen konnte, und sich leicht an Passgen aus dem Ring des Nibelungen erinnert fühlte. 

Am Ende sah man ein sich nicht beruhigen wollendes Publikum. Minutenlanger Applaus ehrt Jukka-Pekka Saraste und das WDR Sinfonieorchester Köln. Auch Saraste bedankt sich mit einer Zugabe. An diesem Abend ist ein hervorragender Ausschnitt aus zwei starken Zeitaltern der Musik gelungen.